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Alles wegen Heinz

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Poing - Sie schimpfen, sie zicken, sie keifen: Zwei Frauen, eine aus Poing, die andere aus Kirchsseon, haben sich vor Gericht einen großen Streit geliefert. Die Damen sind 70 und 73 Jahre alt, zwischen ihnen steht ein Mann.

Nein, Frieden schließen wollten die beiden Rentnerinnen auf gar keinen Fall. Dieser vorsichtig von Richter Peter Hayler eingeschobene Vorschlag ging sofort im Gekeife der streitsüchtigen Seniorinnen unter. Bereits zum zweiten Mal trafen sich Erna K. aus Poing (70, alle Namen geändert) und Berta R. aus Kirchseeon (73) vor dem Ebersberger Amtsgericht.

Die Vorgeschichte: Am 3. März diesen Jahres musste Erna K. wegen falscher Verdächtigung vor dem Richtertisch erscheinen. Sie hatte behauptet, Berta R. sei ohne Fahrerlaubnis Auto gefahren. In der Verhandlung hatte sie damals gestanden, alles erlogen zu haben (wir berichteten). Grund für ihr Verhalten dürfte der Streit um einen Mann gewesen sein: Sowohl Erna K. als auch Berta R. hatten Interesse an dem 68-jährigen Heinz S., der mit Erna K. zusammenlebte.

Nun stand ein weiterer Vorwurf im Raum; diesmal ging es um Beleidigung. Einen Tag vor der Verhandlung, am 2. März, soll Erna K. Berta R. angerufen und sie als „Dreckshure“ tituliert haben. Ihretwegen drohe ihr eine Zahlung von 3000 Euro, wie es im Strafbefehl festgesetzt war. Vor Richter Hayler behauptete Erna K. nun, nie ein solches Telefonat geführt zu haben. "Das könnte ich auch gar nicht, denn sie hat ja eine Geheimnummer", sagte sie mit Blick auf Berta R., die als Zeugin erschienen war. "Die habe ich aber dir und dem Heinz gegeben", keifte diese zurück. Im übrigen, so Berta R. in ihrer Aussage, habe sie nie ein Interesse an Heinz gehabt. "Ich habe ihn nur ab und zu mit dem Auto gefahren, weil er gehbehindert ist. Den Heinz kannst du behalten", sagte sie an die Angeklagte gewandt.

Vor der jüngsten Verhandlung hätten sie nur einmal kurz telefonisch Kontakt gehabt. In dem Gespräch sei es darum gegangen, wo denn eigentlich der Heinz sei. Dieser nämlich sei laut Aussage seiner Lebensgefährtin Erna K. "abhanden gekommen".

Der Staatsanwalt wunderte sich in seinem Plädoyer angesichts des fortgeschrittenen Alters der beiden Frauen über die Verhandlung. „Das war jetzt etwas tumultös“, sagte er. Und: "Diese Verhandlung wäre nicht überraschend gewesen, wenn wir es hier mit zwei testosterongeschwängerten 20-Jährigen zu tun haben würden." Es sei wohl abzusehen, dass die beiden Seniorinnen sich wieder vor Gericht treffen würden.

Richter Hayler verurteilte Erna K. schließlich zu einer Geldstrafe von 1200 Euro. Außerdem hat sie die Kosten des Verfahrens zu tragen. "Am besten verlassen Sie jetzt getrennt voneinander den Gerichtssaal", riet er den Frauen.

von Tanja Beetz

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