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Kardinal Marx bei der Weihe des neuen Altars in der katholischen Pfarrkirche St. Margaret in Markt Schwaben

Altarweihe und Wiedereröffnung der Pfarrkirche in Markt Schwaben

Jetzt kommt das große Aufmischen

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Der 26. März 2017 wird in die kirchliche und politische Gemeindechronik der Marktgemeinde Markt Schwaben eingehen. Wiedereröffnung der Pfarrkirche und Altarweihe durch Kardinal Marx werden die Suchbegriffe für interessierte, nachfolgende Generationen sein.

Markt Schwaben – Geduldig haben sie sich gezeigt. Verständnisvoll. Haben ein fast schon lieb gewonnenes Provisorium in der alten Fahrzeughalle der Feuerwehr angenommen. Ihm sogar einen inoffiziellen Namen, St. Florian-Kirche, gegeben. Doch diese Zeit ist nun nach fast zwei Jahren vorbei. Die Schwabener Katholiken haben ihre historische Pfarrkirche St. Margaret wieder. Endlich. Im Rahmen eines Festgottesdiensts am gestrigen Sonntag weihte der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, den neuen Altar, den Ambo und das Taufbecken. Zugleich war der gestrige Sonntag der Tag des Wiedereinzugs in das Gotteshaus im Herzen der Marktgemeinde, in dem nach der Primiz von Simon Ruderer Ende Juni 2015 kein Gottesdienst mehr stattfand.

Zum Abschluss der 2014 begonnenen Gesamtrenovierung wurden in St. Margaret zuletzt die liturgischen Orte von dem Münchner Bildhauer und Bronzegießer Bruno Wank neu gestaltet. Der Künstler wählte dabei eine bewusst schlichte Formgebung und gestaltete den Altar als liegenden rechteckigen Quader, den Ambo als rechteckige Stele, jeweils in einem Stück aus Bronze gegossen.

„Die Besonderheit liegt in der Gestaltung der Oberflächen: Durch eine spezielle Schalungstechnik bildeten sich unterschiedliche Farbwerte, eine unregelmäßige Haptik und sedimentartige Strukturen aus. Die zurückhaltenden Formen erhalten so eine dynamische Ausgestaltung. Der fein differenzierte, goldene Schimmer der neuen liturgischen Orte nimmt Bezug auf die reiche Vergoldung der barocken Ausstattung“, heißt es.

Bei einer vorangegangenen Gesamtrenovierung zwischen 1975 und 1977 musste aufgrund irreparabler Schäden das Gewölbe des Langhauses abgebrochen, durch eine Holzkonstruktion ersetzt und unter Verwendung intakter Teile neu mit Stuck ausgestattet werden. Bei der nun abgeschlossenen neuerlichen Gesamtrenovierung wurde die Pfarrkirche baulich instandgesetzt und die Haustechnik erneuert, die Fassaden wurden renoviert. Seit Sommer 2015 war das Gebäude zur Restaurierung der Wände und Decken sowie zur Konservierung der Ausstattung geschlossen. Für die Gesamtrenovierung und die Neugestaltung der liturgischen Orte wurden 2,4 Millionen Euro investiert.

Der Altar, an dem die Gläubigen die Gemeinschaft mit Christus feiern, ist traditionell der Mittelpunkt des katholischen Kirchenraumes. Er enthält in Markt Schwaben seit gestern erstmals auch Reliquien von Heiligen oder Seligen, hier von Otto von Freising und Maria Caterina Troiani (wir berichteten bereits). Bei der gestrigen Weihe des Altares, die Bischöfen vorbehalten ist, wurde der Altar zunächst mit Weihwasser besprengt und mit Chrisam gesalbt. Ein ganz besonderes Schauspiel, weil sich zwischenzeitlich gleich fünf weit sichtbare Feuerstellen auf dem Altar befanden. Anschließend wurde Weihrauch auf dem Altar verbrannt und die Altarkerzen feierlich entzündet, bevor der Bischof das Weihegebet sprach. Erst danach konnte auch Eucharistie gefeiert werden.

Schon gut 15 Minuten vor dem offiziellen Beginn kam Marx ins Schwabener Gotteshaus, um kurz am Jungfrauenaltar zu beten. Dort war das Allerheiligste untergebracht. Danach begann dann pünktlich die Feierstunde, die das wurde, was der Kardinal zuvor angekündigt hatte: ein großes Fest für Markt Schwaben. Dabei äußerte der höchste deutsche katholische Repräsentant den Wunsch, dass künftig alles, was in dieser Kirche passiere, ausstrahle auf den ganzen Ort. „Die Weihe ist ein Zeichen an euch, Markt Schwaben christlich aufzumischen“, sagte Marx in seiner Predigt – und wiederholte diesen Gedanken kurz darauf nochmals: „Nach der großen Renovierung kommt jetzt das große Aufmischen“. Alle in der Gemeinde seien aufgefordert, die Botschaft Christi zu verbreiten.

Natürlich wurde im Vorfeld viel geprobt. Und fast alles lief glatt gestern im Verlauf der über zweistündigen Zeremonie. Nur als es darum ging, den alten, ebenfalls renovierten Leuchter über dem Altar für das ewige Licht herab zu lassen, um dort eine lang brennende Kirche zu platzieren, gab es eine kurzzeitige Verzögerung im Ablauf. „Was macht ihr jetzt?, fragte Marx kurz mal nach. Und erzeugte damit einen Lacher unter den Gottesdienstteilnehmern. Es war letztlich ein Ausdruck einer gewissen Lockerheit, die mit dem Kardinal an diesem großen Tag für die Pfarrei und die gesamte Gemeinde Einzug gehalten hatte.

Noch was für historisch Interessierte: Die Markt Schwabener Kirche St. Margaret wurde nach Plänen des Schlierseer Baumeisters Georg Zwerger errichtet und 1672 geweiht. Sie zeichnet sich durch ihren üppigen, stark plastischen Stuckdekor aus. Hochaltar, Kanzel und sechs Seitenaltäre entstanden zwischen 1680 und 1720. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Altäre mit neuen Gemälden von Wilhelm Asselborn geschmückt, der Innenraum erhielt eine grüngraue Tönung, wurde aber im Jahr 1905 wieder im Sinne des ursprünglichen Barock gestaltet.

(Mit Material aus der Pressestelle des Erzbistums)

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