Kultur, aber nicht verordnet von „oben“ wünscht sich Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr (r.). Fotos: sro

Alte Probleme - neue Lösungen

Grafing - Die Grafinger Bürgermeisterin Angelika Obermayr sprach sich auf dem Neujahrsempfang in der Stadthalle gegen den von oben "verordneten" Begriff der „Leitkultur“ aus.

Wir dürfen stolz auf uns sein: Das vermittelte am Sonntag die Grafinger Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) ihren Mitbürgern im Rahmen des städtischen Neujahrsempfangs in der Stadthalle. Obermayr hielt eine sehr persönliche Ansprache, erzählte Beispiele aus ihrer persönlichen Vergangenheit und erhielt für ihre Offenheit an mehreren Stellen Zwischenapplaus. Sie hatte offensichtlich den richtigen Ton getroffen.

Natürlich erwartete ihr Auditorium Aussagen zum großen Thema Flüchtlinge und Asyl. Die gab es auch. Vorher aber zählte die Bürgermeisterin auf, was im vergangenen Jahr in der Stadt gemeinsam alles erreicht wurde - von der neuen Musikschule über den Waldkindergarten bis hin zum Grundsatzbeschluss für eine effektive Grundstückspolitik, um Ortsansässigen zu vergünstigtem Wohneigentum zu verhelfen.

Das Thema Wohnen bildete dann den Übergang zur Flüchtlingsdebatte in Grafing, die die Bevölkerung in der Stadt wie anderswo stark polarisiert. Die Probleme, so Obermayr, hätten aber längst vorher begonnen: „Fakt ist tatsächlich, dass die große Anzahl an Flüchtlingen viele schon vorhandenen Nöte der einheimischen Bevölkerung aufdeckt und verschärft. Zum Beispiel die eh schon vorhandene Wohnungsnot. Deren Ursache ist eine jahrzehntelange Vernachlässigung des sozialen Wohnungsbaus durch Staat und Kommunen.“

Auch von den Asylbewerbern werde Einiges verlangt, aber: „Integration heißt auch nicht völliges Aufgehen in der neuen Umgebung, sondern ein hier Zurechtkommen. Die Sprache verstehen, Geld verdienen, hier wohnen, in die Schule gehen, Freunde finden, die Kultur hier verstehen und akzeptieren.“ Das Wort „Leitkultur“ sei dabei nur im Weg. „Kultur, das langt“, so Obermayr und weiter: „Ich bin mir sicher, wenn wir den Wortbestandteil ,Leit-’ weglassen würden, würden alle Parteien plötzlich merken, dass wir uns in den Zielen, welche kulturellen Werte wir Neuankömmlingen vermitteln wollen, einig sind - oder fast.“ Basis unserer Kultur sei die Aufklärung, naturwissenschaftliches Denken, Vernunft, Kampf gegen Vorurteile, persönliche Handlungsfreiheit, Bildung, Menschenrechte und Gemeinwohl als Staatspflicht. „Das sollen, dürfen und müssen wir auch selbstbewusst vertreten und Neuankömmlingen und unseren Kindern auch so vermitteln.“ Dafür gab’s starken Applaus.

Michael Seeholzer

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