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Burschen mit Baum: Die Vereinsvorstände Max Gressierer (r.) und Matthias Posch (l.) mit „Altbursche“ Josef Wieser haben ein Auge auf ihren Maibaum. Hinter ihnen liegen fünf Wochen Maibaumwache – ein Organisationsmarathon.

Maibaumwache

Alte Tradition mit neuem Schwung: Die Maibaum-Manager

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An diesem Wochenende stellen Bayerns Burschen ihre Maibäume auf. Doch schon vorher ging es rund: Vielerorts wird die Tradition der Maibaumwache ganz groß aufgezogen. Davon haben in der Gemeinde alle was.

Jakobneuharting – Der alte Brauch der Maibaumwache bekommt neuen Schwung: Früher war es eine Handvoll junger Leute, die kartenspielend an einem Tisch zusammensaßen, bis die Nacht überstanden war und kein anderer Burschenverein den Baum entführt hatte. Heute ist der Wachdienst in vielen Orten ein Großereignis: Fünf Wochen lang dreht sich das ganze Dorfleben um den Maibaum.

Beim Burschenverein Jakobneuharting (Kreis Ebersberg) zum Beispiel. In dem Ort, der zur kleinen 1500-Einwohner-Gemeinde Frauenneuharting gehört, funktioniert das Maibaumstüberl wie eine professionelle Gaststätte: Zu den samstäglichen Partys kamen jedes Mal gut 500 Besucher. Vereine aus der ganzen Region touren an den Wochenenden mit Reisebussen von Maibaumwache zu Maibaumwache – ein Trend, der sich in den vergangenen Jahren im ganzen Münchner Umland durchgesetzt hat.

„Wir haben versucht, es zünftig zu machen“

Werktags geht es in den Stüberln dagegen familienfreundlich zu. Dann gibt es mal Gyros, mal Spareribs, mal Räucherfisch. Das bunte Programm kommt an: Manche Gäste der Jakobneuhartinger sind jeden Tag da, obwohl sie nicht einmal Vereinsmitglieder sind – die Eisernsten haben sich T-Shirts mit der Aufschrift „Stüberlfront“ drucken lassen. „Wir haben versucht, es zünftig zu machen“, wagt der Vereinsvorstand Max Gressierer (22) eine Erklärung für den Erfolg des Wachstüberls. Längst sind es keine leer geräumten Scheunen oder Maschinenhallen mehr, in denen Bayerns Burschen an ein paar lieblos aufgestellten Biertischen Maibaumwache halten. Der Trend geht zum Landhaus-Stil.

Feiern gehört dazu: Am Wochenende ist Maibaum-Party angesagt, werktags geht es gemütlicher zu.

An der Stüberldecke haben die Jakobneuhartinger unter einer weiß-blauen Deckenverkleidung ein angedeutetes Ziegeldach eingezogen. Bayerischer Himmel für drinnen. Sechs Wochen lang haben sie Burschen an dem Stüberl gebaut. Entstanden ist der Plan dafür nicht am Reißbrett, sondern beim Wirt. Ein Bierdeckel diente als Lineal. „Wir haben ein paar Zimmerer dabei“, sagt Vorstands-Vize Posch gelassen. Geschickte Handwerker-Hände, von denen es im Verein viele gibt, brauchen keinen Architekten.

Teil des Erlöses fließt an soziale Zwecke

Über die Einnahmen schweigen sich die Jakobneuhartinger vornehm aus. „Es geht sich eben raus“, sagt Burschen-Chef Gressierer mit einem vielsagenden Schmunzeln. Ein Teil des Erlöses fließt an soziale Zwecke wie ein Restaurierungsprojekt in der Kirche oder die Palliativstation der nächsten Klinik. Von der Gaudi wollen die Burschen nicht alleine profitieren. Und bei allem Frohsinn verlieren sie die Tradition nicht aus dem Blick. Stundenlang haben sie täglich an dem gut 30 Meter langen Baum gearbeitet, der von schweren Traktorgewichten eingesperrt hinter dem Stüberl lagert. Schleifen, streichen, schmücken: „Das läuft neben dem Stüberlbetrieb alles mit“, sagt Posch.

„Die Partystimmung ist neu“, sagt der „Altbursche“ Josef Wieser über den Aufwind, für die Maibaumtradition. „Aber mich freut, dass das Stüberl so gut ankommt. Der Verein hat ein großes Ansehen in der Gemeinde.“ Der 49-Jährige führte den Verein vor gut 25 Jahren. Damals seien zur Wache nie mehr als 30 Leute gekommen, erzählt er. Die bekommen die Jakobneuhartinger in diesem Jahr an so gut wie jedem Werktag zusammen. Und sie sind nicht die einzigen in der Region.

„Man trifft Leute, die man das ganze Jahr nicht sieht“

„Es zehrt schon ganz schön an den Nerven“, gibt Posch angesichts des fünfwöchigen Dauerbetriebs zu. „Aber es ist auch schön, sich jeden Abend wieder zu treffen.“ Es kommen ganze Familien zum Würstlessen und auf einen Ratsch vorbei. Auch den Seniorennachmittag, an dem viele Ältere aus der ganzen Gemeinde zu Kaffee und Kuchen zusammenkommen, haben die Burschen kurzerhand vom Pfarrheim ins Stüberl verlegt. „Man trifft Leute, die man das ganze Jahr nicht sieht“, sagt Altbursche Wieser. Wenn die Jakobneuhartinger Burschen gemeinsam mit der gesamten Gemeinde ihren Baum am Wochenende ganz traditionell bei Bier und Blasmusik aufstellen, liegen fünf Wochen Maibaum-Wahnsinn hinter ihnen. Dann ist Zeit, mal wieder auszuschlafen.

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