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„Man weiß nicht, wo anfangen“: Irmi Kraus, VdK-Geschäftsführerin. Foto: sro

Altersarmut wie nach dem Krieg

Landkreis - Rentner, die weniger Rente erhalten als Grundsicherung, Krankenkassen, die ihre Beitragszahler unter Druck setzen, und Arbeitgeber, die sich den Lohn für ihre Beschäftigten, mit denen sie Geld verdienen, vom Arbeitsamt bezahlen lassen. Beratungsalltag beim VdK Ebersberg.

Irmi Kraus, Kreisgeschäftsführerin, bekommt es täglich mit immer mehr Menschen zu tun, die in unserem Sozialsystem derartige Probleme bekommen, dass sie ohne Hilfe nicht mehr weiterkönnen. Baustellen gebe es zahlreiche. Denn wiewohl es viele gibt, die auf der Klaviatur der Berechtigungsinstumente zu spielen gelernt haben, gibt es auch welche, die nicht mehr wissen, wie ihnen geschieht. Hartz IV ist kein Schreckgespenst, sondern wird auch für Menschen zur Realität, die ein Leben lang gearbeitet und eingezahlt haben.

Kraus erzählt von dem Fall einer 60-jährigen Frau aus dem nördlichen Landkreis Ebersberg, die ihren Job verlor. Das Arbeitsamt zahlte im Monat 630 Euro Wiedereingliederungshilfe, „etwa die Hälfte des Nettolohnes“, rechnet Kraus vor. Nachdem diese Maßnahme gesetzlich auf ein halbes Jahr begrenzt ist, wurde die Frau von ihrem Arbeitgeber am Tag vor Ablauf der Frist zur Festanstellung gekündigt - mit dem Hinweis, morgen doch wiederzukommen, da gäbe es einen neuen Arbeitsvertrag. Natürlich wieder nur für ein halbes Jahr. „Das hat er zweimal so gemacht“, schimpft Kraus und meint damit die Tatsache, dass sich der Arbeitgeber auf diese Weise im Monat 630 Euro Lohnkosten sparte, die die anderen Beschäftigten über ihre Beiträge finanzieren müssen.

Die Kurzarbeit und die Niedriglöhne würden die Beitragskassen ausdünnen. Was kann man dagegen tun? „Den Mittelstand nicht so rupfen“, rät Kraus den Bundespolitikern. Dass sie von denen nicht viel hält angesichts der bei ihr auflaufenden Hilfesucher, das ist nicht schwer zu erkennen. „Die können doch den Bürger nicht so schlecht behandeln, der dafür gesorgt hat, dass es ihnen selbst so gut geht. Wo sollen wir denn eingereiht werden?“, fragt sie.

Anderes Beispiel: Ein Arbeitnehmer aus dem Landkreis erkrankte schwer. Er fiel für eineinhalb Jahre am Arbeitsplatz aus, die Krankenkasse hatte den Mann ausgesteuert. Vom Arbeitsamt wurde der Betroffene zum Amtsarzt geschickt, der feststellte: „Der Arbeitnehmer kann noch nicht einmal drei Stunden am Tag arbeiten.“ Er sei aber in weniger als einem halben Jahr wieder voll einsatzfähig. Die Folge schildert Kraus so: „Der Mann landete sofort in Hartz IV, obwohl er ein Leben lang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hatte.“ Er stand nämlich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung, und wer das nicht tut, bekommt einfach Hartz verordnet.

Wer Ersparnisse hat, oder eine Lebensversicherung, wird aufgefordert, sie zu liquidieren. Kurzsichtig: In vielen Fällen zerstört der Betroffene damit seine Altersversorgung erst recht, später muss der Staat über die Grundsicherung für ihn aber wieder aufkommen. „Am Sozialgesetzbuch der Bundesrepublik müsste soviel geändert werden, man weiß gar nicht, wo man da anfangen soll“, beklagt Kraus. Wer krank ist, der muss zudem damit rechnen, sehr schnell einen Anruf von seiner Krankenkasse zu bekommen, ob man sich denn nicht schon wieder fit fühle und wie es denn aussehe, mit Arbeiten. Besonders eine Kasse, die gerne das Wörtchen „gesund“ im Munde führe, tue sich bei diesen Praktiken hervor, berichtet Kraus. „Die terrorisieren ihre Mitglieder mit Anrufen.“ „Mehr als drei Milliarden haben die Krankenkassen in diesem Jahr Überschuss erwirtschaftet. Da darf man darauf warten, wann die Oberen ihre Gehaltserhöhung bekommen“, meint Kraus bitter.

Jeder fünfte Rentner falle in der Bundesrepublik Deutschland in die Altersarmut. Und das sind nur die offiziellen Zahlen ohne diejenigen, die im Alter nach einem arbeitsreichen Leben zu stolz sind, den Weg zum Sozialamt zu beschreiten. Und davon gibt es auch im Landkreis Ebersberg genug. Irmi Kraus kennt ihren Speiseplan: „Pellkartoffeln, Kartoffelbrei, Bratkartoffeln.“ Wie nach dem Krieg. Die Währungsreform hat damals die Inflation beendet, in den Augen vieler Menschen hat der Euro dafür jetzt die Inflation wieder angeheizt. Die Rentenerhöhungen haben in den vergangenen Jahren nicht einmal die Preissteigerung ausgeglichen. Die alten Menschen haben immer weniger Geld zum Leben zur Verfügung.

Von Michael Seeholzer

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