Ganz schön frech daher kommt Andreas Rebers, der am Wochenende einmal wieder im ausverkauften alten kino in Ebersberg gastierte. Foto: sro

Andreas Rebers: Gewagte Ansichten und bissige Kritik

Ebersberg - Der Mann auf der Bühne hält sein Akkordeon in den Händen, das Licht ist rot und gedimmt. Es ist das Licht der Liebeslieder. Und der Mann heißt Andreas Rebers. Ein Kabarettist, der schon seit über zehn Jahren auf den Kleinkunstbühnen in ganz Deutschland auftritt und der schon öfters im „Scheibenwischer“ oder mit Urban Priol zu sehen war.

Einer, der also nicht unbedingt seiner Liebeslieder wegen berühmt geworden ist, sondern wegen seiner tiefgründigen Satire. Und der in regelmäßigen Abständen immer wieder ins alte kino kommt, wo er auch am vergangenen Samstag für ein ausverkauftes Haus sorgte.

Es ist der zweite Teil seines Programms „Auf der Flucht“. Und da ist Platz für Liebeslieder. Oder zumindest das, was Rebers als solche ankündigt. „Liebe unterm Hirschgeweih, heute mal zu dritt, und die Wildsau, die macht fröhlich mit“, so lautet der Text, deftig und direkt. Dazu ertönt zünftige Volksmusik aus dem Akkordeon. Das Publikum lacht herzhaft über so viel unverblümter Direktheit und gleich noch mehr, als Rebers gesteht: „Angst macht mir, dass mir so etwas einfällt!“. Und noch mehr Angst mache es ihm, dass das dem Publikum gefällt. Doch das ist begeistert von Rebers Komik, die daraus besteht, dass Dinge zusammengeschweißt werden, die nicht zusammen gehören. Etwa das Islamistenlied vom Selbstmordattentäter, das in Form einer lustigen Polka daherkommt. Später ist noch ein Song der Liebe gewidmet. Da sitzt der Kabarettist am Keyboard und zaubert eine sinnliche Chanson-Melodie aus den Tasten.

Dann windet er sich, fängt an zu stöhnen und entpuppt sich schließlich als Konjunkturpaket kurz vor dem Höhepunkt, das sich dem Bankensektor, der Autobranche und auch dem Bausektor hingibt, um den Konjunkturmotor wieder anzuschmeißen.

Was der Braunschweiger Kabarettist auch anfängt, es kommt eine beißende Kritik heraus. Kritik an der Politik, Kritik am TV-Programm, Kritik an der Kirche. Und die fällt bei ihm besonders herb aus. Da tritt er schon mal als Brummifahrer auf, der Jesus mitnimmt, sich aber dann mit drei Passagieren mehr im Lkw wiederfindet. Der Vater und der Heilige Geist wollen ja schließlich auch mit. „Wo wollt ihr hin?“, fragt Rebers seine Gefährten. Und Jesus antwortet ihm: „Wir wollen nach Rom, da waren wir noch nie!“.

Spricht er von der deutschen Fernsehlandschaft, landet er beim Staatswesen. „Ist Ihnen klar, dass die Leute, die in Deutschland den Superstar wählen, auch die Regierung wählen?“ fragt er sein Publikum. Und er kommt zu dem Schluss, dass eigentlich die Demokratie vor dem Wähler geschützt werden müsse. Und scheut sich auch nicht, für seine bissige Satire völlig ungewöhnliche Perspektiven und Positionen einzunehmen. „Eine gut gemachte Diktatur, das wär’s!“ resümiert er zum Thema Staatsform. Und bei seinen erzählten Begegnungen mit der Nachbarin Frau Hammer („geschiedene Sichel“) und deren kleinem Sohn vertritt er die Ansicht, wir hätten viel zu wenig Gewalt. Seine Kinder bekämen in der Früh eine drüber, dass habe viele Vorteile: die Ohrenstöpsel fliegen raus und der Nachwuchs ist wenigstens einmal ansprechbar. Mit so gewagt überzogenen Positionen großes Gelächter erzielen; da gehört schon einiges dazu. Andreas Rebers beherrscht das.

Von Evi Thiermann

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