Angeklagter bangt um Platz bei Bundeswehr

Kirchseeoner (20) will Freundin helfen und tritt Tür ein: Jugendstrafe

Kirchseeon - Wegen Beleidigung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch hatte den Kirchseeoner (20)  der Vater seiner Freundin angezeigt. Auch wegen Schwarzfahrens musst er sich nun vor Gericht verantworten. Nun bangt er um einen Platz bei der Bundeswehr.

 Ob die Bundeswehr Einsicht in seine Akte haben könne, fragte der 20-jährige Angeklagte aus Kirchseeon vor dem Ebersberger Amtsgericht. Er hofft nämlich auf eine Einstellungs-Zusage, da er einen Schuldenberg von mindestens 7000 Euro abbezahlen muss. Dieser hat sich unter anderem auch durch Schwarzfahren angesammelt. Wegen sechs solcher Fälle stand er nun vor Gericht.

Der Angeklagte gab die Taten zu. „Ich war auf dem Weg zur Arbeit und hatte kein Geld, weil ich davor arbeitslos war“, erklärte er. „Und ich musste ja trotzdem zur Arbeit kommen.“ Insgesamt beläuft sich der Sachschaden auf 38 Euro. Der 20-Jährige muss jedoch pro Fall die damals noch 40 Euro des erhöhten Beförderungsentgeldes zahlen, was er bis heute nicht getan hat.

„Sie sollten sich darum kümmern“, mahnte Richter Dieter Kaltbeitzer, „sonst steigen die Kosten ins Unermessliche“. Die S-Bahn ohne ein gültiges Ticket benutzt zu haben, war jedoch nicht der einzige Grund, warum der 20-Jährige vor Gericht stand. Wegen Beleidigung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch hatte ihn der Vater seiner Freundin angezeigt. Der Angeklagte bestätigte, dass es zu einem Streit zwischen ihm und der Mutter seiner Freundin gekommen war, woraufhin ihn der Vater aus der Wohnung warf. Er gab auch zu, den Vater beschimpft zu haben. Draußen vor der Tür habe er gehört, wie der Streit zwischen seiner Freundin und deren Mutter weiterging. „Ich hörte sie schreien und wusste, dass ihre Mutter sie manchmal schlägt“, erklärte der 20-Jährige vor Gericht seine Beweggründe, warum er damals die Tür eingetreten hatte und ins Haus eingedrungen war. Der Richter rechnete dem Angeklagten in der Urteilsbegründung die Sorge um seine Freundin zwar an, machte jedoch klar, dass das kein rechtfertigender Grund sei. Bei dem Streit zwischen Mutter und Tochter sei nicht davon auszugehen gewesen, dass seine Freundin um Leib und Leben fürchten musste.

Die Staatsanwältin und der Richter waren sich darin einig die Strafe nach Jugendstrafrecht zu bemessen und so wurden dem Angeklagten vier Tage soziale Dienste auferlegt. Der 20-Jährige ist inzwischen bei einer Schuldnerberatung und bekommt Unterstützung vom Jugendamt. Er hat einen reservierten Platz bei der Bundeswehr, bei der er sich für elf Monate verpflichten möchte.

Ob er schlussendlich genommen wird, bleibt abzuwarten. Julia Tremmel

Rubriklistenbild: © Stefan Rossmann

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