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Ebersbergerin will ihren Mann mit in den Tod nehmen

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Ebersberg - Nach 44 Ehejahren hat eine Ebersbergerin (68) versucht, sich und ihren demenzkranken Mann (69) zu töten. Die psychisch schwer angeschlagene Frau befürchtete, zu erblinden und wollte ihren inkontinenten Partner nicht in fremde Pflege geben. Seit Montag steht sie vor Gericht.

Für Hans S. (69, alle Namen geändert) gab es eine Horrorvorstellung. „Er wollte nie alleine zurückbleiben.“ Das sagte am Montag seine Frau Trude. Die 68-Jährige muss sich wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht München II verantworten. Am 1. Juni 2010 hatte sie versucht, sich und ihren Mann mit Tabletten und einem Messer umzubringen. Der Versuch misslang, weil die Tochter (43) im richtigen Moment anrief und noch die Rettung alarmieren konnte.

Das Unrecht ihrer Tat war der Angeklagte nur teilweise bewusst. „Wir haben uns immer versprochen für einander da zu sein, egal, was passiert. Das habe ich auch getan“, sagte sie zu Prozessauftakt. Doch die Angeklagte war bereits von der Pflege ihrer Schwiegermutter total ausgelaugt gewesen. Sie wurde schwer depressiv und ließ sich von ihrer Tochter ins Bezirkskrankenhaus Gabersee bringen. In der dortigen Psychiatrie verbrachte sie mehrere Wochen, die sie als angenehm empfand. Als endlich die Anti-Depressiva wirkten, fand sie ihren Lebensmut wieder.

Der verließ sie ein zweites Mal nach einer Augenoperation im Mai 2010. Trude S. befürchtete zu erblinden und ihren Partner nicht mehr pflegen zu können. Sie gab Hans in die Kurzzeitpflege und ließ sich in Gabersee behandeln. Als sie ihren Mann wieder abholte, machte er einen traurigen Eindruck. Gegen den Rat der Ärzte holte sie ihn wieder heim.

„Ich habe mich totunglücklich gefühlt“, erinnerte sich die Frau vor Gericht. Bevor sie zu den Schlaftabletten griff, führte sie ein halbstündiges Gespräch mit Hans - und sie hatte das Gefühl ihn genau zu verstehen. Sie fragte ihn, „willst Du mit mir gehen?“ Er sagte ja. Sie fagte ihn, „willst Du mit mir sterben?“ Er sagte ja. „Ich war am Ende so sicher, dass er mit mir sterben will“, erzählte die Frau.

Sie gab ihm drei Schlaftabletten in die Hand, die nächsten sieben schluckte er offensichtlich allein. Dann brachte sie ihn zu Bett. Als er tief schlief, schnitt sie ihm die Pulsadern auf. Dann schluckte sie selber die Tabletten und versuchte sich zu ritzen. Dass sie den von der Tochter alarmierten Sanitätern die Tür öffnete, wusste sie nicht mehr.

Der Prozess dauert an.

Von Angela Walser

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