Heidi und Walter Scheppach an der viel befahrenen Straße. Ihr Garten liegt schräg hinter ihnen. foto: Jürgen Rossmann

Lärmgeplagte Anlieger: Die Ortsumfahrung werden wir nicht mehr erleben

Weißenfeld - „Versprochen wurde viel“, erzählt Heidi Scheppach. Resignation schwingt mit in ihrer Stimme. „Passiert ist nichts.“Aber sie will weiter kämpfen für eine Ortsumfahrung von Weißenfeld, damit sie und ihr Mann im Ruhestand ruhiger auf ihrer Terrasse sitzen können.

Das Haus der Familie Scheppach liegt eigentlich idyllisch am östlichen Ortsrand. Der Blick vom Wohnzimmer durch die Terrassentüre geht über den Rasen und die Hecke auf freie Felder - und auf die gerade Straße nach Osten. „Eine Rennstrecke“, meint Walter Scheppach. Er erkennt die Motorräder am Klang, die inzwischen immer mehr durchbrausen, auch am Sonntag. „Die Japaner sind die schlimmsten.“

10 500 Fahrzeuge seien pro Tag durch den Ort unterwegs. „Laut Prognose sollen es bis zum Jahr 2020 13 000 werden“, sagt Heidi Scheppach. „Unseren Garten können wir kaum nutzen, weil alle fünf Sekunden auf der Straße draußen ein Fahrzeug durchfährt und das meist auch noch mit überhöhter Geschwindigkeit.“ Inzwischen würden auch nachts die Lkw vorbeibrettern, um sich die Maut für die parallel laufende Autobahn zu sparen. „Bei offenem Fenster zu schlafen, daran ist gar nicht zu denken. Uns hat der Lärm krank gemacht und unsere Lebensqualität leidet erheblich.“

1978 zog die Familie in ihr Haus in Weißenfeld. „Damals haben wir gefragt, wie es mit dem Verkehr ist“, erzählt Heidi Scheppach. „Nicht so schlimm“, sei die Antwort gewesen. „Später hieß es dann, wir bekommen eine Umgehungsstraße. Ich habe jetzt drei Bürgermeister und zwei Landräte erlebt, passiert ist nichts.“ Auch zwei Bürgerinitiativen und viele Briefe hätten nichts gebracht, blickt Heidi Scheppach auf ihren 30-jährigen Kampf zurück, den dicken Ordner fest in der Hand. Dort hat sie alles gesammelt: Bittschreiben, wenig aussagekräftige Antworten, Zeitungsartikel. Jetzt will das Ehepaar nochmals aktiv werden. Sie haben eine Brief an Landrat Gottlieb Fauth und Vaterstettens Bürgermeister Robert Niedergesäß geschrieben. „Der Landrat hat mir in einem persönlichen Gespräch zugesichert, wir Weißenfelder werden unsere Umgehung noch vor den Ebersbergern haben“, sagt Heidi Scheppach. „Die sollen uns einfach die Wahrheit sagen, ob die Umgehung kommt oder nicht. Und wenn sie nicht kommt, dann müssen sie eben etwas anders machen“, fordert sie. Ihre Vorschläge: Fahrbahnteiler, Geschwindigkeitstrichter mit 80er und 60er-Zeichen, unterschiedlicher Fahrbahnbelag. „In anderen Gemeinden ist das doch auch möglich, warum nicht bei uns?“

Im Gemeinderat wird aktuell über eine neue Variante zur Weißenfelder Umfahrung diskutiert: Eine Nordtrasse statt der bisherigen Süd-Planung. Die Scheppachs sind skeptisch. „Dass die Umgehung gebaut wird, das werden wir wohl nicht mehr erleben.“ Aufgeben wollen sie dennoch nicht

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