Stehende Ovationen für Altbürgermeister Richard Hollerith (vorne links). Bürgermeister Franz Finauer übergab ihm die Urkunde zur Ehrenbürgerschaft. Das Ganze fand am Dienstag im Rahmen der Weihnachtsfeier des Gemeinderats statt. Foto: jödo

Altbürgermeister wird Ehrenbürger

Anzing - Nach Pfarrer Reinhold Fischer hat Anzing einen neuen Ehrenbürger: Es ist Altbürgermeister Richard Hollerith.

Altbürgermeister Richard Hollerith ist eigentlich jemand, dem es nicht so schnell die Sprache verschlägt. Gewissermaßen druckreif kann er reden. Das hat er gelernt in 18 Jahren an der Spitze der Gemeinde. Sein Nachfolger im Amt, Franz Finauer, ließ Hollerith am Dienstag am Rande der internen Weihnachtsfeier des Gemeinderats jedoch zeitweise verstummen. Bis zuletzt konnte vor ihm geheim gehalten werden, dass es bereits seit Anfang November einen nichtöffentlichen Ratsbeschluss gibt, mit dem der einstige Verwaltungschef in den Rang eines Ehrenbürgers gehoben werden soll.

1984 stieg Hollerith in die Kommunalpolitik ein, wurde gleich Zweiter Bürgermeister und sechs Jahre später zum Chef gewählt. Es war, so Finauer in seiner Laudatio, die pragmatische Art, mit der Richard Hollerith ihn und viele andere im Plenum bis 2008 stets beeindruckte. Freundlich und hilfsbereit: das waren nur zwei Attribute, die Finauer für seinen Vorgänger parat hatte. Hollerith habe sich ausgezeichnet als jemand, der erst überlegte, dann diskutierte und danach nach intelligenten Strategien suchte, um die Probleme zu bewältigen. Das alles habe er stets ausgleichend getan. In einem über die Jahre zunehmend intensiveren Dialog mit den Bürgern. Es gebe, so fügte Finauer an, viele Marksteine auf seinem politischen Weg: Die Kanalisation, neue Baugebiete, Einheimischenmodelle, das Gewerbegebiet an der A 94, die Wasserversorgung auf ihrem heutigen Stand. In Sachen integrative Kinderbetreuungseinrichtungen sei Anzing gar unter Hollerith Vorreiter gewesen. Bis heute sei der Altbürgermeister ein offener und konstruktiver Ratgeber für ihn, Finauer, geblieben. „Das ist nicht selbstverständlich“, so der amtierende Rathauschef weiter.

Die Kunst, stets ausgleichend zu wirken, sei eine der ganz herausragenden Charakterzüge, schloss Finauer, bevor er Hollerith die Ehrenbürgerurkunde unter den stehenden Ovationen des aktuellen Gemeinderats übergab.

Die höchste von der Gemeinde Anzing zu vergebene Ehrung eines Bürgers habe aber nicht nur mit seinem beruflichen Wirken zu tun, sondern noch mehr eigentlich damit, dass sich Hollerith nach seinem Ausscheiden aus der Politik weiter für die Allgemeinheit ins Zeug legte und das noch immer tut. Der CSU-Mann, der einst sogar Geburtshelfer der später konkurrierenden UBA war, engagiert sich inzwischen besonders sozial. Ist rechtlicher Beistand für Hilfebedürftige. Und bringt immer wieder seine Kontakte und sein Fachwissen ein, wenn es darum geht, Anzingern in Not aus misslichen Lagen zu befreien. Zum Beispiel, um gegenüber Krankenkassen einen höheren Stromkostenzuschuss für den Betrieb eines lebensnotwendigen Sauerstoffgeräts durchzusetzen.

„Ich bin tief gerührt“, gab er in Anwesenheit seiner Frau zu. Mit ihr hatte er am Vormittag noch einen Thermenbesuch geplant. Der musste kurzfristig abgesagt werden, weil ihn ein Hilferuf eines anderen „Schützlings“, wie er sagte, ereilte. Dringend wurde ein Pflegebett benötigt. Und der Ehrenbürger konnte auch hier helfen.

Von Jörg Domke

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