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Auf der Wiese nördlich des Friedhofs soll ein Gewerbegebiet entstehen für örtliche Unternehmen. Dafür hat sich der Gemeinderat mit 9:6 Stimmen ausgesprochen.

Gemeinderatsbeschluss

Gewerbegebiet neben dem Friedhof

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10.700 Quadratmeter groß mit drei Parzellen für örtliche Betriebe: So soll das neue Gewerbegebiet der Gemeinde Anzing nördlich des Friedhofs werden. Der Gemeinderat hat sich mehrheitlich für diesen Standort ausgesprochen. In drei Jahren könnte Baubeginn sein.

Das Thema wurde in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend erstmals öffentlich – und auch nur wegen eines Formfehlers, den Bürgermeister Franz Finauer (UBA) vor etwa vier Wochen in nicht-öffentlicher Sitzung gemacht hatte. Damals informierte er den Gemeinderat über den Sachstand bezüglich eines neuen Gewerbegebietes nördlich des Friedhofs. Am Ende gab’s eine Abstimmung, die Mehrheit entschied sich für diesen Standort. Das Problem: Auf der Tagesordnung stand lediglich „Sachstandsbericht“, nicht aber „Beschlussfassung“. Nachdem einige Gemeinderatsmitglieder dies kritisiert hatten, kam das Thema noch einmal auf die Tagesordnung. „Dieses Mal konnten wir es öffentlich machen, weil wir als Gemeinde mittlerweile Gespräche mit dem Grundstückseigentümer geführt hatten“, sagt Finauer. Vorher, als noch zwei weitere Standorte in der Diskussion waren, sei dies nicht möglich gewesen.

In der Sitzung am Dienstagabend wies der Bürgermeister auf seinen Fehler hin und wollte sogleich zur Abstimmung kommen. Die erfolgte aber erst gut eine Stunde später, weil sich mehrere Ratsmitglieder zu Wort gemeldet hatten. Den Anfang machte Reinhard Oellerer (Grüne): „Ich möchte schon etwas dazu sagen, zumal heute die Öffentlichkeit zum ersten Mal davon erfährt.“ Er erläuterte, warum er das Projekt ablehnt. „Die Kosten sind mir zu hoch: Die Planung erfolgt auf Kosten der Natur, des Ortsbildes und der politischen Kultur.“ Oellerer kritisierte, dass bei so einem sensiblen Thema mehr Transparenz gefragt worden wäre. Prinzipiell befürworte er, dass für örtliche Betriebe ein Gewerbegebiet geschaffen werde, „aber nicht an diesem Standort und nicht in dieser Geschwindigkeit“. Die Fläche nördlich des Friedhofs, wo auch die Sempt fließt, sei hinsichtlich Naturschutz und Ortsbild nicht geeignet.

Ins gleiche Horn stieß Zweiter Bürgermeister Florian Alte (CSU). „Mit dieser Entscheidung prägen wir das künftige Ortsbild. Dort, an den Semptquellen, haben wir ein schönes Stück Natur.“ Darüber hinaus sei es pietätlos, direkt neben dem Friedhof ein Gewerbegebiet zu errichten. „Das passt nicht zusammen.“ Wie Oellerer, so betonte auch Alte, dass seine Ablehnung nicht gegen die örtlichen Betriebe gerichtet sei, sondern gegen diesen Standort. CSU-Fraktionskollege Rupert Strasser fügte hinzu, dass ein Gewerbegebiet an dieser Stelle „den dörflichen Charakter zerstört“.

Tobias Bönte (SPD) hingegen warb für das Gewerbegebiet am Friedhof: „Es geht um alle Anzinger Betriebe“.

Laut Bürgermeister Franz Finauer beschäftigt sich der Gemeinderat seit Oktober 2014 mit der Frage, ob und wo ein neues Gewerbegebiet – ausschließlich für örtliche Betriebe – ausgewiesen werden kann. Als ein Unternehmen mit rund 40 Mitarbeitern angefragt habe, wohin es umziehen könne, wurden die Gespräche intensiver. Im November 2015 gab es zu diesem Thema eine Klausurtagung des Gemeinderates. Zur Diskussion standen drei Standorte, von denen laut Finauer zwei kurz- und mittelfristig nicht umsetzbar wären: Eine Fläche zwischen der Schulstraße und der Straße „Gewerbepark“ sowie ein Grundstück angebunden an das Gewerbegebiet Forstinning-Moos. Übrig geblieben ist das Feld nördlich des Friedhofs.

Bei einem Gespräch mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt habe es keine größeren Bedenken gegen diesen Standort gegeben, berichtete Bürgermeister Finauer in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Durch Grünstreifen und Bepflanzungen links und rechts des Semptlaufs werde dieser sogar aufgewertet, sei ihm gesagt worden. Das Fazit der Unterredung sei deshalb gewesen: „Der Standort eignet sich für ein Gewerbegebiet.“

Nach gut einer Stunde erfolgte die Abstimmung. Mit 9:6 beschloss der Gemeinderat, dass das Projekt in Angriff genommen werden soll. Bürgermeister Franz Finauer rechnet damit, dass in etwa drei Jahren Baubeginn sein könnte – vorausgesetzt, Landratsamt und Regierung genehmigen die Pläne.

Armin Rösl

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