In einer Feierstunde haben einige Gläubige den runden Geburtstag der Lindseekapelle gefeiert.
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In einer Feierstunde haben einige Gläubige den runden Geburtstag der Lindseekapelle gefeiert.

20 Jahre Lindseekapelle

Mahnmal für den Umweltschutz

  • vonJörg Domke
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Heute kämpfen die Bürger gegen Windenergieanlagen im Forst, vor 20 Jahren ging es um eine Mülldeponie. Daran erinnert die Lindseekapelle.

Anzing/Purfing – Eine klassische oberbayerische Kapelle mit dem typischen Zwiebeltürmchen ist sie ganz und gar nicht, die Lindseekapelle zwischen Anzing und Purfing. Über eine jahrhundertelange Tradition verfügt sie auch nicht. Gleichwohl erzählt das kleine, architektonisch so ausgefallene Gotteshaus oberhalb des künstlichen Sees, der ihr den Namen gegeben hat, eine für den Landkreisnorden nicht unbedeutende Geschichte. Und die spielt in der Zeit Anfang der 90er Jahre.

In diesen Tagen wurde genau daran nochmals erinnert. In Form einer Gedenkandacht, denn die Lindseekapelle wurde vor fast genau 20 Jahren, exakt am 4. Oktober 1998, eingeweiht.

Was war damals passiert, dass die Gläubigen am Rande des Forstes aus eigenem Antrieb ein kleines Gotteshaus errichteten? In der Anzinger Ortschronik wird erinnert an eine nichtöffentliche Sitzung des Kreisumweltausschusses, in der der Lindsee als möglicher Standort für eine Mülldeponie ins Spiel gebracht worden war. Das löste Widerstände in Anzing und Vater-stetten aus.

Der Anzinger Gemeinderat initiierte 1990 eine Demonstration in dem besagten Gebiet. Etwa 1000 nahmen daran am 20. Oktober 1990 teil, heißt es im Mitteilungsblatt der katholischen Gemeinde dazu. Eine ökumenische Andacht, in der der Sonnengesang des Hl. Franziskus vorgetragen wurde, beendete den Tag.

Zudem wurden von beiden Kommunen Grundstücke angekauft, um ein Biotop zu schaffen. Ein Gutachter bestätigt später, dass der Untergrund für eine Deponie wegen der hohen Wasserdurchlässigkeit ungeeignet sei. Eine Deponie Lindsee war damit gestorben. Nicht aber die Idee, ein Biotop von Menschenhand zu schaffen. 1994 begannen die Arbeiten. Und auch der Dank an ganz oben wurde nicht vergessen.

Bei der Einweihung Anfang Oktober 1998 stellten der damalige Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Anzing, Otto Belmer, die Bürgermeister Peter Dingler und Richard Hollerith sowie Architekt Ernst Burger fest, dass die Kapelle nicht nur ein Zeichen der Dankbarkeit für die Verhinderung der angedachten Deponie sei, sondern zugleich auch ein mahnender Zeigefinger gegen weitere Umweltzerstörung. Dass 20 Jahre später genau dieser mahnende Aspekt eine besonders aktuelle Bedeutung bekommen sollte, konnte damals keiner ahnen. Stichwort: Windkraftanlagen im Forst.

Die Einweihung damals war zugleich übrigens eine der letzten amtlichen Handlungen des scheidenden Anzinger Pfarrers Korbinian Lehrberger, der sich im Oktober 1998 nach 21 Jahren in Anzing in den Ruhestand verabschiedete.

Gut 80 000 Mark hatte das Projekt Kapelle gekostet, vieles konnte durch Spenden erreicht werden, hieß es damals. Besonders engagiert war die Purfinger Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elisabeth Segl. Wie kaum eine andere legte sie sich für die Sache ins Zeug, heißt es rückblickend in der Pfarrei-Postille.

Ins Zeug legten sich auch viele Handwerker und Freiwillige aus den beiden Orten in Form ungezählter Arbeitsstunden. Architekt und Handwerker arbeiteten kostenlos, tatkräftig halfen die gemeindlichen Bauhöfe, es gab eine Sonderprägung einer silbernen Gedenkmünze, ein Benefizfest beim Weinbeisser, Pfarrfeste, Adventsingen, Konzerte, Material- und Geldspenden. Am Ende war so viel gesammelt worden, dass die Finanzierung kein Problem mehr darstellte.

Grundsteinlegung war am 22. Oktober 1994, Baubeginn am 27. Juni 1995, Richtfest am 12. Oktober 1996. Und zwei Jahre später die Einweihung. Für Burger war, so kann man googeln, der Schöpfungsgedanke eng mit der Verpflichtung des Menschen zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Natur verknüpft.

Mit der strengen, fast abweisenden Form der Kapelle wollte er erreichen, dass sich der Blick auf das Wesentliche, die Schöpfung konzentriert. Heute ist das Gebiet um den Lindsee und die gleichnamige Kapelle ein beliebtes Naherholungsgebiet.

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