Sie wollte unbedingt sterben: Ellen Schwiers nach langer Krankheit friedlich eingeschlafen

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Alles versucht: Ersthelfer Gani H. musste nach seinem Einsatz selbst ärztlich versorgt werden. Er hatte Verbrennungen erlitten, als er das bewusstlose Unfallopfer zusammen mit anderen aus dem brennenden Autowrack befreite.

Die anderen gafften nur

Nach dem tödlichen Unfall auf A94: Ersthelfer kämpft schrecklichen Bildern in seinem Kopf

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Gani H., einer der Ersthelfer bei dem schrecklichen Unfall in Anzing, der sich bei seiner Rettungsaktion selbst verletzte, erfährt großes Mitgefühl.

Anzing– Von Mitgefühl bis zur spontanen Hilfsbereitschaft ist es eigentlich nur ein kleiner Schritt. Und doch scheint das eine von dem anderen in unserer Gesellschaft manchmal meilenweit entfernt zu sein.

Für viele Menschen ist sogar der Schritt zur Empathie zu weit. Das beweist das Verhalten vieler Autofahrer, die am Mittwoch die Unfallstelle auf der A 94 auf Höhe der Ausfahrt von Anzing passierten. Dort war ein 28-Jähriger aus ungeklärter Ursache mit seinem Wagen ungebremst gegen ein Brückenfundament geprallt und dabei in seinem Wrack eingeklemmt worden. Er starb am Unfallort.

Unfall auf A94 bei Anzing: Gaffer sehen Ersthelfern einfach nur zu

Visar Morina war als Helfer am Unfallort und wird seitdem die Bilder im Kopf nicht mehr los.

Die Anteilnahme vieler beschränkte sich auf Neugierde. Sie wollten sehen, wie ein bewusstloser Autofahrer vielleicht gleich in seinem Fahrzeug verbrennt (wir berichteten). Dass sich drei Ersthelfer panikartig bemühten, den Verletzten aus seinem zertrümmerten und rauchenden Renault Clio zu ziehen, machte für die Gaffer die Sache nur noch spannender.

Es gibt aber auch andere Menschen. Welche, für die Mitgefühl kein Fremdwort ist, und die aus eigener Erfahrung verstehen und wissen, dass tätige Mithilfe auch Spuren in einem selbst hinterlassen kann. Eine Reihe davon hat sich nach dem Bericht über den tödlichen Unfall auf der Autobahn an die Ebersberger Zeitunggewandt und dabei ihre eigenen Erlebnisse geschildert.

Ersthelfer Gani H. von Familie zum Essen eingeladen

Eine Familie hat den Ersthelfer Gani H. am Donnerstag spontan zum Essen eingeladen. Sie kann sich vorstellen, was in dem 56-Jährigen vorgeht in den Tagen nach dem Geschehen, bei dem er vergeblich versucht hat, einem jungen Mann das Leben zu retten.

„Meine Frau hat vor etwa zehn Jahren einen direkt vor ihrem Pkw verunfallten Motorradfahrer versucht zu reanimieren. Er war auf glatter Fahrbahn zu schnell in eine Kurve gefahren. In den Händen der später eingetroffenen Rettungskräfte ist er dann verstorben“, berichtet der Ehemann, der zusammen mit seiner Frau Gani H. jetzt helfen will. 15 Jahre vorher hätten er und seine Frau zusammen mit einem Nachbarn im Keller eines Nachbarhauses einen Mann „vom Strick schneiden“ und ihn reanimieren müssen, bis die Rettungskräfte eintrafen – er hat überlebt. 

Bei traumatischen Rettungsaktionen: Was hilft: Reden, reden, reden

„Beide Vorfälle haben uns traumatisiert hinterlassen, aber wir hatten das Glück, dass wir uns in einem Familien- und Freundeskreis bewegt haben, wo wir reden, reden, reden, reden konnten und somit auch ohne einen Therapeuten die Albträume bald nachließen“, sagt der Ehemann. Jetzt wollen sie Gani H. die Gelegenheit geben, mit jemandem zu reden, der sich vorstellen kann, wie es einem nach so einem Geschehen geht. „Ich koche recht gut“, sagt der 52-jährige Familienvater.

Auch der Helfer, der als erster unmittelbar nach dem Aufprall zur Stelle war, meldete sich bei der EZ. Er stammt wie Gani H. aus dem Kosovo, ist Deutscher und von Beruf Lastwagenfahrer: „Ich habe versucht, Autos zu stoppen. Keiner hat das gemacht“, berichtet Visar Morina (39) aus Karlsfeld. „Ich habe reanimiert, aber es war alles zu spät, das hat gedauert und gedauert. Es tut mir leid für seine Familie“, sagt der Helfer, der jetzt selbst Hilfe braucht: „Ich kriege diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Die haben mich nach dem Unfall einfach weggeschickt. Jetzt kommt alles wieder hoch“, berichtet er und will sich um psychologische Unterstützung bemühen. Deshalb hat sich Morina schon an die Polizei gewandt. „Ich habe alles gesehen und keiner tut was.“ Er solle sich an ein Kriseninterventionsteam wenden, sei ihm von der Polizei geraten worden.

Breite Diskussion in den sozialen Netzwerken

Die Reaktionen auf das Verhalten der Autofahrer hat in den sozialen Netzwerken und auf der Facebook-Seite der Ebersberger Zeitung eine große Diskussion ausgelöst. Vorgeschlagen wurde, die Ersthelfer mit einer Medaille auszuzeichnen. Das wurde auch Landrat Robert Niedergesäß vorgeschlagen.

Lesen Sie auch: Schwerer Unfall auf A94: Fahrer stirbt trotz engagierter Ersthelfer noch am Unfallort

Der Grafinger CSU-Landtagsabgeordnete Thomas Huber will die Anregung aufgreifen, hat er jedenfalls auf eine entsprechende Anregung spontan geäußert. Menschen können eben auch anderen ein Beispiel geben. „Ein herzliches Dankeschön diesem Mann und den anderen Ersthelfern“, schreibt eine Frau.

Auch interessant: Unfall-Drama auf A94 bei Anzing - die Bilder von der Unfallstelle

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Auf einem anderen Abschnitt der Autobahn kam es zu einem Zwischenfall, bei dem ein VW Golf komplett zerstört wurde. Nahe Altötting musste die Feuerwehr auf der A94 eingreifen.

Nach einem Frontal-Crash wurden Ersthelfer im Landkreis Regensburg zu Lebensrettern. Ihrem Eingreifen ist es zu verdanken, dass eine Autofahrerin nach einem Unfall in Neutraubing reanimiert werden konnte.

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