Spatenstich zum größten kommunalen Projekt in Anzing: dem „Flexhaus“. Bürgermeisterin Kathrin Alte schaufelt als zweite von rechts.
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Spatenstich zum größten kommunalen Projekt in Anzing, dem „Flexhaus“. Kathrin Alte schaufelt als zweite von rechts.

Seit vier Monaten im Amt

Neue Anzinger Bürgermeisterin: Politik ohne Ponyhof

  • vonJörg Domke
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Kathrin Alte ist seit gut vier Monaten Bürgermeisterin in Anzing. Ihr Motto: Optimale Vorbereitung.

Anzing – Urlaub auf Wangerooge steht für Entspannung pur. Und 14 Tage auf der ostfriesischen Insel (das ist die ganz im Osten) sogar für Entschleunigung, um hier auch einmal einen modernen Begriff der Tourismus-Werbebranche zu verwenden. Familie Alte aus Anzing war schon mehrfach auf dem Eiland in der Nordsee. Nach nun auch schon deutlich über 100 Tagen im Amt für Kathrin Alte die Gelegenheit, ein wenig Abstand von ihrem neuen Bürgermeisteramt zu gewinnen, das sie formell am 1. Mai übernahm.

Das mit dem Abstand habe zwar nicht zu 100 Prozent geklappt, aber doch ganz gut, verrät sie gleich mal. Das Handy sei zumindest nur zeitweise am Tag eingeschaltet gewesen. Wenigstens so lange, dass man kurzzeitig ein paar Mails lesen konnte oder in ganz dringenden Fällen auch zurückrufen konnte. Ansonsten war es Tobias Finauer, im März noch ihr grüner Gegenkandidat, der als 3. Bürgermeister die Geschäfte im Rathaus leitete.

Terminplan eng getaktet

Auch ein Entschleunigungsurlaub auf einer deutschen Insel geht aber mal zu Ende. Inzwischen ist der Terminplaner der neuen Rathauschefin wieder ziemlich eng getaktet. Unter anderem mit einem Gespräch mit der Heimatzeitung. Und verbunden mit der Absicht, gemeinsam eine erste Bilanz nach vier Monaten zu versuchen.

„Ich war auf die Frage vorbereitet, wie das so ist mit dem weiblichen Blick auf die Politik“, übernimmt die Bürgermeisterin gleich mal die Ouvertüre. Und liefert die Antwort sogleich mit. Politik, sagt sie, verlange in erster Linie Problemlösungen. Und: Politik sei eine Aufgabe, kein Ponyhof. Stelle an die Protagonisten zeitliche Anforderungen und verlange von jedem und jeder die Erkenntnis, dass man auch mal nicht gemocht werde. „So viel Zustimmung wie am 16. März (Anm. d. Redaktion: Der Tag der bayerischen Kommunalwahl) wird es nie wieder geben“, sagt sie. Und genau das müsse jeder verinnerlichen, der sich in dieses Metier begebe – ob Mann oder Frau.

Bürgersprechstunden kommen gut an

Blöd angeredet worden ist Kathrin Alte, sagt sie, bislang noch nicht. Auch nicht bei den regelmäßigen Bürgersprechstunden (donnerstags alle 14 Tage), die ihr mitunter wichtige und wertvolle Anregungen geben und dazu führen, noch ein Stück näher zu sein am Puls des Geschehens. Da gehe es um die Suche nach einem Betreuungsplatz ebenso wie um günstigen Wohnen am Ort oder das lokale Hauptthema dieser Wochen und Monate, die Glasfaserversorgung. Jedenfalls um die ganze Vielfalt an Themen, die so ein Ort wie Anzing eben zu bieten habe.

„Ich bin“, sagt Kathrin Alte, „immer gerne optimal vorbereitet“. Bei dem bunten Spektrum an Themen nicht immer eine leichte Aufgabe. Hilfreich sei hier aber eine gute Verwaltung. Oder kooperative Vorgänger. Wie Franz Finauer, der derzeit so etwa ist wie der Glasfaserbeauftragte der Gemeinde, wenn er mit dem Radl die aktuellen Baustellen abfährt und darauf achtet, dass endlich mal das Tempo in die Angelegenheit kommt, das sich eigentlich alle immer schon gewünscht hatten. Baulich abgenommen sei übrigens noch nichts, betont Kathrin Alte. Und das zeigt dann wohl, wo es zurzeit noch hakt. Derzeit müssten es so um die 100 Kunden sein, bei denen das schnelle Internet schon laufe, heißt es. Eine Quote, die bis zum Jahresende nach Altes Wunsch und Hoffnung deutlich gesteigert werden sollte.

Stichwort Wohnungspolitik: Zuletzt hätten viele junge Familien Anzing verlassen, weil man anderswo günstiger und vor allem bezahlbarer wohnen könne, so die CSU-Ortsvorsitzende. Sie aber hat längst Zeichen von Interessenten bekommen, die gerne wieder zurückkehren würden, gebe es realistische Chancen.

Noch heuer im November werde es, besonders zu dieser Fragestellung, eine Klausurtagung geben. Dabei soll es um nicht mehr und nicht weniger als die Frage gehen: Wohin gehen wir? Ganz ohne neues Gewerbe werde es wohl nicht gehen, unkt die Rathauschefin schon mal. Da werden, scheint es, demnächst noch viele Unterredungen anstehen, zumal ihr Credo auch ist, die Bürgerinnen und Bürger dabei mit ins Boot zu nehmen.

Digitalisierung im Rathaus schreitet voran

Was die Entwicklung samt Umgestaltung direkt im Ortszentrum angehe (wir berichteten schon mehrfach), werde, so Kathrin Alte, die Gemeinde in absehbarer Zeit keine finanziellen Mittel zur Verfügung haben.

So richtig in Fahrt, springt die Verwaltungschefin gleich mal auf das Thema Ratsinformationssystem. Es geht, kurz gesagt, um die Digitalisierung in der Korrespondenz zwischen Rat und Rathaus sowie, in Teilbereichen, auch um eine deutliche Verbesserung des Informationsflusses zu den Bürgerinnen und Bürgern.

In Ansätzen läuft übrigens schon was. Neulich, Kathrin Alte befand sich im Stau und die Fraktionssprecher wartend im Rathaus, schuf man kurzerhand mal eine Telefonschalte. Auch per Videokonferenz habe man in dieser Runde schon agiert. Zurzeit werde überlegt, als Kommune auch in Instagram und Facebook einzusteigen.

Ganz aus den Augen verloren scheint das Analoge bei der inzwischen ziemlich umtriebigen Bürgermeisterin aber doch nicht verloren gegangen zu sein. „Können Sie nicht noch darauf hinweisen, dass wir in meinem Büro noch eine paar freie Plätzchen haben für Kinderbilder?“, fragt sie auf Ende eines über einstündigen Gespräches. Kinder sind aufgerufen, an einem Wettbewerb teilzunehmen und im Format DIN A 3 oder 4 mit Bleistift, Buntstift, Kreide oder Acryl etc. etwas zu malen, was zu Anzing passt.

Abgabetermin ist übrigens der 15. September bei der Bürgerinfo bzw. im Büro der Jugendpflege im Rathaus. Womöglich ganz recht könnte es Kathrin Altes sein, wenn die am Ende ausgewählten Kunstwerke auch zur Entschleunigung der Betrachterin weit weg von Wangerooge beitragen würden.

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