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Viertklässler aus der Anzinger Grundschule zu Gast bei Anton Peis (h.li.) auf dessen Komposthof im Ortsteil Boden: Die jungen Leute schienen sehr gut informiert zu sein in Sachen Mülltrennung; vielleicht sogar besser als so mancher Erwachsener. 

Windeln, Glas, Plastik

Anzing: Kompostbauer beklagt zu viel Müll im Biomüll

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Sie verrichten Arbeit, die überflüssig ist: In Biotonnen landet Müll, der da nicht reingehört. Für die Kompostbauern bedeutet das mehr Arbeit.

Anzing – Ein wichtiger Bestandteil des Entsorgungskonzepts, das hierzulande Ebersberger Weg heißt, sind die dezentralen Komposthöfe. Es gibt kreisweit 15 davon. Sie sind in drei Losen organisiert. Den nördlichen Bereich decken Kompostbauern wie Anton Peis in Boden, Gemeinde Anzing, Kandler (Anzing), Schimpf (Angelbrechting; Gemeinde Poing), Eberl (Pliening) und Pointner (Kronacker; Gemeinde Hohenlinden) ab.

Die Kandlers sind sozusagen Kompostbauern der ersten Stunde. Anton Peis betreibt seinen Kompostierbetrieb seit 2000. Jährlich werden bei ihm durchschnittlich 650 Tonnen angeliefert und verarbeitet. Das Kompostieren ist ein wichtiger betriebswirtschaftlicher Bestandteil seines Hofbetriebs. Für seine Mitstreiter gilt das analog.

Aber einer, der auch Arbeit macht. Das, was bei Peis in Boden regelmäßig angeliefert wird, kommt zum größten Teil aus der nahe gelegenen Gemeinde Markt Schwaben. Die Schwabener Bürger waren, das weiß man im dortigen Rathaus schon länger, bislang nicht sonderlich aufgefallen als Müllverursacher, die auch besonderen Wert auf sortenreine Trennung legten. Kompostbauer Peis würde es, aus Gründen der Höflichkeit, nicht drastischer als nötig ausdrücken. Aber in der Marktgemeinde gibt es nach wie vor das, was auf gut bayrisch Saubären genannt werden. Gerade, was den Kompost angeht.

In ihm finden sich, so sagt der Anzinger, nach wie vor Windeln, Glas, Plastik, Besteck, Bauschutt, Elektroschrott oder Betonbrocken. Oder Feuchttücher, die womöglich irrtümlich als Kompostmüll angesehen werden.

Falsche Einwürfe absichtlich oder aus Gleichgültigkeit

Was hier in die falsche Tonne gerutscht ist aufgrund von Irrtümern oder reine Schlampigkeit; man kann es an diesem Tag auf dem Komposthof im Anzinger Ortsteil Boden nur erahnen. Dass mitunter reine Gleichgültigkeit oder gar bewusster Vorsatz eine Rolle spielten, ist aber durchaus anzunehmen. „Früher, also vor einigen Jahren, war es sogar Mal deutlich besser“, erinnert sich Peis. Unwissenheit der Markt Schwabener könne also – zumindest in vielen Fällen – ausgeschlossen werden.

Peis selber war schon dabei, als Müllkontrolleure in der Marktgemeinde ihren Dienst machten. Es reiche aber oftmals nicht, sagt er, lediglich den Deckel der Komposttonne zu öffnen und reinzuschauen, die sogenannten Störstoffe befänden sich oftmals weiter unten.

Einmal, berichtet Anton Peis, habe er selber als Kontrolleur agiert und von einem jungen Schwabener zur Antwort bekommen, man habe Restmüll lediglich in der Komposttonnen „zwischengelagert“. Über die „Qualität“ dieser Ausrede will sich der Landwirt gegenüber der EZlieber nicht äußern.

Drei bis fünf Prozent Störstoffe im Biomüll

Warum auch immer: Drei bis fünf Prozent Störstoffe sind es, die nach wie vor zu verzeichnen sein. Bei einem Aufkommen von 650 Tonnen im Jahr ist das noch immer eine stattliche Menge an nicht verwertbarem Müll, den seine Mitarbeiter übrigens per Hand aussortieren müssen. Im Gegensatz in den ganz großen Müllverwertungskonzernen, bei denen dazu technische Lösungen zum Einsatz kommen.

Alles andere aber geht, und das ist ja der eigentliche Sinn beim Kompostieren, zurück in den natürlichen Kreislauf. Private Abnehmer zum Beispiel können sich Kompost in kleineren Mengen kostenlos bei ihm oder den Kollegen aufholen. Ansonsten gilt: Wo Kompostmüll entsteht, geht er auch wieder hin. Also auf die Felder. Peis und seine Kollegen setzen bewusst auf die bürgernahe, dezentrale Kompostierung. Geschätzt wird, dass alle weitgehend flexible Öffnungszeiten anbieten, so Peis. Oder dass auch Privatleute selber kleinere Mengen gegen Gebühr anliefern können. Zurzeit wird diese Möglichkeit gerne von den Markt Schwabenern in Anspruch genommen, was einen guten und nachvollziehbaren Grund hat: Der Wertstoffhof ist noch nicht fertiggestellt.

Schulkinder schauen hinter die Kulissen

Geschätzt wird auch, dass bewusst auf das Prinzip Nähe gesetzt wird. Was unter anderem in Besuchen von Schulkindern zum Ausdruck kommt. Erst in diesen Tagen waren vier Klassen der örtlichen Grundschule bei ihm zu Gast, um direkt an Ort und Stelle zu lernen, was mit dem kompostierbaren Müll passiert, der in den Haushalten tagtäglich entsteht. Die Kinder seien sehr interessiert gewesen, erinnert sich Peis. Schließlich hätten sie nach dem Ausflug bei ihm wohl auch noch einen Test schreiben müssen.

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2020 werden die entsprechenden Verträge der hiesigen Kompostbauern mit dem Landkreis zu erneuern sein. Dem Ganzen wird eine europaweite Ausschreibung vorangehen. Peis und Co. hoffen, dass sie nach jahrzehntelanger Erfahrung nicht die schlechtesten Karten bei der Neuvergabe haben werden.

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