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Der Angeklagte im Gespräch mit seiner Anwältin.

Das Urteil ist gefallen

Anzing: Lebenslang für Mord an Ehefrau

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Anzing - Das Landgericht München II hat einen Kaufmann aus Anzing wegen Mordes an seiner Frau zu lebenslanger Haft verurteilt. Er selbst hatte behauptet, dass sich seine Frau gewünscht habe, er solle sie töten.

Robert S. (56) tut sich selber leid. „Ich habe mir selbst das Wichtigste und Liebste genommen, was mein Leben bestimmt hat“, sagt er in seinem Letzten Wort vor Gericht, „dass ich das so erleben muss, ist für mich relativ schmerzhaft.“ Das Wichtigste und Liebste – damit meint er seine Frau Karin (66), die er am 29. Mai 2015 im gemeinsamen Haus in Anzing umgebracht hat. Er bedaure und bereue sehr, dass er es „wahrscheinlich nicht geschafft“ habe, ihr den Übergang „problemlos und schmerzlos“ zu bereiten. Er bleibt jedoch dabei, dass er seine Frau auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin getötet hat. „Wir haben hier vorliegend eine Familientragödie“, sagt Verteidigerin Heidi Pioch – und fordert ein Urteil wegen Tötung auf Verlangen.

Mordmerkmal: Heimtücke

Doch das Schwurgericht München II kommt zu einem anderen Urteil: Es schickt Robert S. wegen Mordes lebenslänglich hinter Gitter. Das hatte zuvor auch Staatsanwalt Florian Gliwitzky gefordert. Die Richter sahen keinen Anhaltspunkt dafür, dass Karin S. sterben wollte. Sie gingen vom Mordmerkmal der Heimtücke aus. 

Denn die 66-Jährige hatte sich abends zum Reinigen über das Waschbecken gebeugt. Das hielt Robert S. nach eigenen Aussagen für eine „gute Gelegenheit“, um sie zu töten. Er holte eine schwere Kasserolle aus der Küche, ging damit ins Bad und schlug ihr diese auf den Hinterkopf. Er habe gedacht, dass er sie mit einem einzigen heftigen Schlag töten könne, sagte er im Prozess. Nach diesem Schlag weiß er angeblich nichts mehr, beruft sich auf eine Gedächtnislücke. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass es so abgelaufen sein soll, wie es das rechtsmedizinische Gutachten besagt.

Die Leiche war nach buddhistischem Ritual aufgebahrt

Dieses spricht allerdings eine deutliche Sprache. So faden sich auf dem Kopf von Karin S. zahlreiche Blutergüsse, die auf Schläge unterschiedlicher Stärke zurückzuführen sind. Die Todesursache war jedoch eine „massive Halskompression“, erklärte der Rechtmediziner Professor Wolfgang Keil. Letztlich erstickte Karin S. Die Leiche, die etwa vier Tage bei hoher Raumtemperatur im Bad lag, hatte „bereits Mumifizierungserscheinungen an den Händen“. Robert S. hatte die Leiche nach buddhistischem Ritual in der Badewanne aufgebahrt. Den Wannenrand schmückte er mit Heiligenfiguren, Kerzen und Blumen.

Der alkoholkranke Angeklagte hatte stets betont, dass seine Frau nicht mehr leben wollte und ihn bat, sie zu töten. Sie habe aber nicht wissen wollen, wann, wo und wie. Schulden aus einem gescheiterten Weinhandel, wegen denen sie das Haus verloren hätten, sowie gesundheitliche Probleme hätten dazu geführt, dass seine Frau und ihn der Lebensmut verlassen hätte. Anschließend wollte er sich angeblich selbst töten. Er bedaure sehr, dass er nicht bei ihr sei, sagte er. Nach vier Tagen Trauer nahm er mehr als 80 Schlaftabletten ein. Doch da standen schon Finanzbeamte vor der Tür – und fanden ihn im Delirium vor.

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