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Massenstart für die Stoppuhren: Viele Läufer wollten es in Anzing bei der Zeitnahme ganz genau wissen und stoppten selbst.

35. Anzinger Forstlauf

Anzing: Waldlauf bis zum Würstlstand

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Der Anzinger Forstlauf ist eine der wichtigsten Veranstaltungen im Terminkalender der Leichtathleten und Ausdauersportler im Landkreis Ebersberg. Diesmal endet er mit einem zweifachen Heimsieg.

Die Bilder vom 35. Anzinger Forstlauf

Ein halbe Stunde noch bis zum Startschuss. Markus Gützlaff steht in seine Jacke gehüllt im Zieleinlauf des Anzinger Sportstadions und verzieht das Gesicht. Zuschauerrekorde knackt man bei so einem Wetter nicht. „Das merken wir nachher am Bratwurststand“, sagt er. Die Sonne linst zwar immer wieder durch die Wolken, und der morgendliche Regen hat sich verzogen. Aber es hat nasskalte 14 Grad.

„An so einem Tag kommen die Läufer allein und die Familie bleibt daheim“, sagt Gützlaff, der auch dieses Jahr wieder den Anzinger Forstlauf organisiert. Er behält recht: Obwohl die Zuschauermenge deutlich kleiner ausfällt als in den vergangenen Jahren, sind wieder viele Läufer angetreten – 1093 Meldungen verzeichnet die LG Sempt für ihr Traditionsrennen, das an diesem Montag zum 35. Mal stattfindet.

Als sich kurz vor 10 Uhr der Läuferpulk an der Startlinie fürs Hauptrennen zusammenrottet, scharren viele schon vor dem Startschuss mit den neonbunten Laufschuhen und zählen laut den Countdown mit. Mit dem Startschuss setzt sich der Pulk in Bewegung und biegt auf die zehn Kilometer lange Stecke ein. Bevor diese in den stillen Forst führt, wird es aber noch einmal laut: In der ersten Kurve macht die Erdinger Samba-Trommler-Truppe Obsessão den Läufern Beine.

Die Sieger: Henri Neugebauer aus Anzing und Marina Rappold von der LG Sempt

Offenbar haben die brasilianischen Rhythmen bei Henri Neugebauer am besten angeschlagen: Der Anzinger ist der erste, der mit federnden Schritten wieder aus dem Wald auftaucht. Mit einer Zeit von 35:11 Minuten wird er bei seinem Heimspiel souveräner Sieger mit mehr als 30 Sekunden Vorsprung auf den Zweitplatzierten Michael Wilms (LG Olympia Dortmund). Dritter wird Philip Mayrhofer von der LG Sempt. „Ich bin einfach mein Tempo gelaufen“, sagt Gewinner Neugebauer, der mit 38 Jahren schon in der Seniorenwertung geführt wird. Dass er sämtliche jüngeren Konkurrenten hinter sich gelassen hat, versüßt den Sieg zusätzlich, das gibt er zu: „Schön, dass ich es immer noch kann.“

Ihrer Startnummer 1 gerecht wird Marina Rappold, das Ausdauer-Aushängeschild der LG Sempt. Die 18-Jährige aus Ottenhofen (Kreis Erding) holt sich mit 38:45 Minuten den erwarteten Sieg bei den Damen – und das, obwohl sie nach acht Wochen Pause erst wieder richtig ins Training eingestiegen ist. „Die Konkurrenz war nicht so stark heute“, sagt Rappold, die heuer bereits zwei Bronzemedaillen bei Deutschen Meisterschaften (5000 m/U23; 3000 m/U20) erlaufen hat. Ihre Freude über den Sieg beim Heimrennen schmälert das nicht.

Fan des Tages und Vater des Tages

Es gibt aber noch mehr Gewinner an diesem Montag. Die Sieger haben sich längst am Getränkestand versorgt, als Christa Faltermaier in ihrem knallgrünen Lauf-Shirt ins Ziel kommt. „Anstrengend war’s heute“, schnauft die 62-Jährige Grafingerin. Mit ihrer Zeit knapp über 54 Minuten ist sie hochzufrieden – genauso wie mit ihrem treuesten Fan: Ihr Ehemann Hans hat eigens ein Plakat gebastelt, das er für seine „Schnuk“ in die Luft hält. So viel Mühe hat sich sonst niemand gemacht – Hans Faltermaier ist Anwärter auf den inoffiziellen Titel „Fan des Tages“.

„Vater des Tages“ dürfte derweil Christoph Geyer sein, der für den Forstlauf aus München in den Landkreis Ebersberg gekommen ist. Er hat seine 14 Monate alte Tochter Mathilda im Kinderwagen über die zehn Kilometer geschoben – in nur wenig mehr als 53 Minuten. Für die Familie eine „Win-win-win-Situation“, sagt Geyer. „Ich kann trainieren, die Kleine kann schlafen und die Mama hat ihre Ruhe.“

Als nach etwas mehr als einer Stunde die meisten Läufer im Ziel sind, ist Organisator Markus Gützlaff trotz der wenigen Zuschauer zufrieden. Es seien zwar „keine Weltbestzeiten“ dabeigewesen, größere Verletzungen gab es aber ebenfalls nicht. „Passt alles“, so sein knappes Fazit. Auch das Wetter ist inzwischen ganz angenehm. Vom Sponsor, der Brauerei Schweiger, gibt es für jeden Läufer zwei Flaschen Freibier. Gute Vorzeichen für das Geschäft am Bratwurststand.

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