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Hier gibt‘s Juwelen der Autogeschichte zum Mieten

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Von: Robert Langer

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Er hat sich einen Traum erfüllt: Jo Weber, Inhaber der Oldie-Garage zwischen Anzing und Markt Schwaben, poliert mal wieder am ältesten Fahrzeug der Flotte. Es handelt sich um einen Mercedes 170, Baujahr 1939.
Er hat sich einen Traum erfüllt: Jo Weber, Inhaber der Oldie-Garage zwischen Anzing und Markt Schwaben, poliert mal wieder am ältesten Fahrzeug der Flotte. Es handelt sich um einen Mercedes 170, Baujahr 1939. © Stefan Rossmann

Jo Weber (65) ist vernarrt in Oldtimer und lässt andere an seiner Leidenschaft teilhaben. Zu Besuch in seiner Oldie-Garage, wo man die wertvollen Autos mieten kann.

Anzing – Es sieht aus wie in einem Museum. Dicht nebeneinander sind Juwelen der Automobilgeschichte in Gebäuden eines ehemaligen Bauernhofes zwischen Anzing und Markt Schwaben geparkt. Gleich am Eingang der einen Halle steht ein silberner Porsche Speedster, Baujahr 1962, eine spezielle Replik, dennoch ein Original, Erinnerung an den legendären amerikanischen Schauspieler James Dean. Das älteste Auto ist gleich gegenüber ein schwarzer Mercedes-Benz 170, gebaut 1939, Spitzengeschwindigkeit 108 Stundenkilometer.

Gesammelt hat die Autos der Poinger Jo Weber (65). Derzeit sind es 44 historische Fahrzeuge. Das Besondere: Privatpersonen oder Firmen können die Oldtimer buchen und mit ihnen Touren unternehmen. Quasi ein rollendes Museum und gleichzeitig ein Geschäftsmodell, die Tradition lebt, die Oldtimer dürfen auf die Straßen. Und wie. Da geht es schon mal auf große Tour, auch zahlenmäßig, mit mehreren Autotransport-Lkw und beispielsweise 40 Oldtimern zu einem Unternehmensevent in die Toskana.

Blick in den Motorraum eines Porsche 356. Auch dieser Schatz gehört Jo Weber.
Blick in den Motorraum eines Porsche 356. Auch dieser Schatz gehört Jo Weber. © Stefan Rossmann

Weber hat sich mit seiner Sammlung einen Kindheitstraum erfüllt. Als Bub hatte er Spielzeugautos. Heute erzählt er, zu seiner Mutter habe er damals schon gesagt: „Wenn ich einmal groß bin, habe ich die irgendwann in groß.“ Gesagt, getan.

Das Autofahren lernte Weber auf einem Truppenübungsplatz

Aufgewachsen ist Weber auf einem Bauernhof. „Da war nicht viel los.“ Seine Freunde und er hätten auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz Autofahren geübt. „Das war Freiheit.“ Gelernt habe er damals das Reparieren, das Schrauben. So entstand sein Faible für den Motorsport. Sein erster eigener Wagen war ein Mini. „Der hat damals die Rallye Monte Carlo gewonnen.“

Eigentlich ist der Poinger Realschullehrer. Später stieg er in die Wirtschaft ein, wurde Unternehmensberater. 2004 gründete er die Oldie-Garage. Er erfüllt sich nicht nur seine eigenen Träume, sondern auch die seiner Kunden, wie die eines 75-Jährigen aus Österreich zu dessen Geburtstag. Erinnerungen an den ersten Urlaub in Italien, die erste Fahrt über den Brenner, die erste Pizza. Alles gebündelt in einem Opel Rekord P2 Coupé, Baujahr 1962. Die Geburtstagsfahrt hatte die Familie ihrem Papa/Opa geschenkt. Sie kamen, um dem Jubilar zuzuschauen, wie er ganz behutsam in den Oldtimer einstieg, mit der Hand über das Lenkrad und die Instrumente strich.

Im VW-Käfer-Cabrio werden Erinnerungen wach

Oder das Ehepaar, das einst in einem VW-Käfer Cabrio geheiratet hatte, vor rund 50 Jahren. Nun sitzen Mann und Frau wieder in so einem Wagen und schwelgen in Erinnerungen. Andere Käfer gibt es auch noch. Oder das weiße Golf-Cabrio, der Typ, den einst Sascha Hehn als Dr. Brinkmann junior in der Schwarzwaldklinik fuhr. Oder mehrere Citroën 2 CV, bei uns besser bekannt als „Ente“.

Die Fahrzeuge sind gepflegt, haben einen speziellen Geruch und fühlen sich im Innenraum auch ganz besonders an. Weiche Polster, kühles Leder, Holz am Armaturenbrett. Ein Mädchen aus der Nachbarschaft hatte schon vor Jahren mit Blick auf die runden Scheinwerfer gemeint, die Autos hätten ein Gesicht und würden lächeln.

Und dabei ist der Betrieb ganz modern. Er hat eine Urkunde als Partner im Klimaschutz. Die Treibhausgasemissionen werden durch ein unterstütztes Windenergieprojekt im Nordosten von Brasilien ausgeglichen. Das verantwortungsbewusste Nutzen von alten Fahrzeugen, statt sie zu verschrotten, sei zudem nachhaltig, meint Jo Weber überzeugt.

Alle Autos haben einen Namen

Auffällig auch: Die Autos haben alle Namen. Die orientieren sich an ihren Herkunftsländern. Angelo heißt beispielsweise ein italienischer Fiat 124 Sport Spider von 1978, Wastl ein BMW 730 i (1989), Beppi ein BMW 1800 (1971), Diana ein französischer Citroen D Super von 1970, oder Bob ein amerikanischer Ford Mustang, Baujahr 1965. Auslöser für die Namensgebung war, als eines der Autos, die Weber kauft, mit dem München Kennzeichen M-AX ankam. Für Webers Tochter war klar, der heißt Max.

Alle Fahrzeuge haben eine Geschichte, die Weber jeweils akribisch für die Unterlagen der Autos zusammengefasst hat. Da ist der Mercedes, den ein Zahnarzt 1939 erworben und sein ganzes Leben gefahren hat. Oder der Trabant als Cabrio, genannt Cindy, mit einer Sonderzulassung, ein Unikat, das einem Stasi-Offizier in der ehemaligen DDR gehörte.

Bei vielen der Autos kommt Weber ins Schwärmen, wie etwa bei einem Opel Rekord C. Bekannt wurde der als Coke Bottle, also Cola Flasche, wegen seinem charakteristischem, von manchen Liebhabern als erotisch bezeichneten Hüftschwungs im Heckbereich. Gebaut wurde der Typ ab 1966 und zeigte einige technische Neuerungen.

Schmuckstücke: Links Fridolin VW Bus T2, rechts Lilly Mercedes 180 Ponton Baujahr 1954.
Schmuckstücke: Links Fridolin VW Bus T2, rechts Lilly Mercedes 180 Ponton Baujahr 1954. © Stefan Rossmann

Zunächst fiel es Weber schwer, seine Schätze zu vermieten. „Da wollte ich schon jede Stunde anrufen, um mich nach dem Auto zu erkundigen. Heute ist das nicht mehr so. Wir haben fast keine Schäden.“ Einer der Gründe: Wer sich ein Auto ausleiht, der macht üblicherweise zunächst eine überwachte Probefahrt, ganz in der Nähe der Halle, zum Eingewöhnen. Die Autos haben keine Servolenkung, keine Servobremsen, keine Klimaanlage. Und der Vermieter gibt wertvolle Tipps zum Umgang, die eigentlich mehr Vorgaben sind. Jedem Oldtimer tue ein wenig Zwischengas beim Schalten gut, das erleichtere die Schaltvorgänge, heißt es da beispielsweise. Oder: Bitte Schalter und Klappen, Hebel und Kurbeln ohne Gewalteinwirkungen bestätigen, also mit viel Gefühl. Die Innenausstattungen seien, wenn überhaupt, nur sehr schwer zu besorgen, und sehr teuer. Daher nur Schalter und Knöpfe nutzen, die auch wirklich gebraucht werden.

Getankt wird mit Super 95 Oktan und Bleiersatz

„Beim Tanken immer mit Super 95 Oktan und Bleiersatz füllen.“ Sonst bestehe die Gefahr eines Motorschadens. Und immer auf den Öldruck achten. Das Auto zunächst behutsam warm fahren – etwa 20 Minuten. Dabei kann man schalten üben. Vollgas und schnelle Autobahnfahrten sind untersagt. Das mag für manchen eine harte Vorgabe sein, vor allem beispielsweise bei einem Geschoss wie einem Porsche 930 Turbo, den man als Mieter allerdings erst ab einem Alter von 35 Jahren bekommt.

Aber eigentlich geht es eh mehr um den Genuss des langsamen Fahrens über Nebenstraßen. Dazu gibt es dann in der Oldie-Garage auch die passenden Tourbücher für die nähere oder weitere Umgebung.

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