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Jünger und weiblicher ist die neue Liste der Anzinger Grünen für die kommende Gemeinderatswahl. Die Ortspartei geht die Wahl optimistisch an und rechnet mit wenigstens einem Sitz mehr als bislang. 

Bürgermeisterwahlkampf in Anzing

Anzinger Bürgermeister: Tobias Finauer fordert Kathrin Alte heraus

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Anzinger Grüne wählen mit Tobias Finauer einen eigenen Bürgermeisterkandidaten und präsentieren ein junge und weibliche Liste für den Gemeinderat ab 2020

Anzing –Lange blieb unklar, ob es in Anzing im kommenden Jahr auch eine „echte“ Wahl eines neuen Ersten Bürgermeisters geben wird. Seit Donnerstag ist klar: Neben der CSU-Ortsvorsitzenden Kathrin Alte, die von ihren Parteifreunden bereits offiziell nominiert wurde, wird es mindestens einen Gegenkandidaten geben. Und dessen Familienname ist in Anzing Weißgott nicht unbekannt. Tobias Finauer wird von den Orts-Grünen ins Rennen geschickt. Bei der Nominierungsversammlung im „Forsthof“ sprachen sich alle Wahlberechtigten für den 44-jährigen Ur-Anzinger aus, der sich derzeit beruflich mit Zubehör für professionelle Kameras befasst, den Fokus aber künftig auf Kommunalpolitisches legen möchte.

Finauers Vita liest sich so ganz untypisch für einen Grünen. Ministrant, Internat in Schäftlarn, Metallbauer-Lehre, später von Beruf Schweineerzeuger, Mutter Gemeinderätin für die CSU. Irgendwann dann auch das erste politische Einmischen am Ort als Mitbegründer des Jugendraums.

Ganz untypische Vita für einen Grünen

Dann ging es in die weite Welt; bei ihm nach Ostdeutschland. Studium zum Produkt-Designer an der Bauhaus-Universität in Weimar, danach 2006 Umzug nach Berlin und 2012 wieder zurück in den Heimatort. Mit komischen Gefühlen, wie er den Parteifreunden bei seiner persönlichen Vorstellung offen verriet. „Ich habe mich anfangs in Anzing unsicherer gefühlt als in Berlin“, gestand er. Vor allem sei ihm hier eine deutlich weniger ausgeprägte Solidarität der Menschen untereinander aufgefallen als in der Bundeshauptstadt. Und, dass sich sein Anzing gewaltiger verändert habe in den Jahren seiner Abwesenheit also befürchtet.

Das alles habe ihn, den Vater dreier Kinder (13,10,4) dazu bewogen, sich 2017 den Grünen anzuschließen und sich mehr und mehr einzumischen. Getrieben von zwei Lebenseinstellungen: Den Details auf die Schliche kommen, um so Lösungen zu schaffen. Und: Immer sehen, ob etwas nicht doch geht.

„Ich habe politisch fast keine Erfahrung“, gestand er bei der Nominierungsversammlung ein, wolle das aber kompensieren mit gestalterischen Kompetenz. Und, wenn es sein müsse, auch mit unkonventionellen Methoden. Sowie mit Hartnäckigkeit.

Welche Noten er hinterlassen wolle in seinem Programm, nannte Finauer in seinem kurzen, aber freihändig vorgetragenen Statement auch gleich: bezahlbarer Wohnraum auch für sozial Schwache; oder so etwa wie ein Einheimischenmodell für Eigentumswohnungen. Und dazu die grünen Standard-Themen, die auch die allermeisten Gemeinderatskandidaten in ihren Bewerbungsgesprächen erwähnten: Mehr Gemeinschaft und Zusammenhalt im Dorf, die örtliche Jugend ernster nehmen und endlich nachhaltiger als bislang die Verkehrsprobleme Anzings lösen sowie den öffentlichen Personennahverkehr massiv verbessern.

Ronja Ofner ist Ersatzbewerberin

Punkte, für die auch Ronja Ofner (26) steht. Sie ist nicht nur Anführerin der Liste, sondern auch Ersatzbürgermeisterkandidatin, sollte Finauer, aus welchen Gründen auch immer, im März dann doch nicht zur Verfügung stehen.

Zurzeit haben die Grünen mit Ofner und Reinhard Oellerer zwei Mandatsträger im Rat. Laut Oellerer gehe man aber mit großem Optimismus an die Sache. Man rechne sich Chancen auf einen dritten bzw. im Idealfall auch auf einen vierten Sitz aus, so der 67-Jährige. Sollten die Grünen so gut abschneiden wie bei den zurückliegenden Landtags- und Europawahlen, sei das durchaus erreichbar.

Die Kandidatenliste

1. Ronja Ofner; 2. Tobias Finauer; 3. Silke Liebmann; 4. Reinhard Oellerer; 5. Natalie Lietzke; 6. Johannes Veigl; 7. Kristiane Ofner; 8. Werner Huber; 9. Britta Stolze; 10. Johannes Jacob; 11. Christina Mauritz;12. Michael Liebmann; 13. Barbara Fels; 14. Anja Grigori-Roth; 15. Carina Merz, 16. Birgit Woska-Mayer; Ersatzkandidat: Anna Ofner.

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