+
20 Jahre nicht gesehen: Tatsiana Karatkevich mit Ingeborg Nünke, Vorsitzende der Wolinzy-Hilfe, und die damalige Gastmutter Helga Wöginger (v. l.).  

Anzinger Tschernobyl-Hilfe

Wolinzy-Kind wird erfolgreiche Fachärztin

  Als Kind war  Tatsiana Karatkevich als Wolinzy-Kind zur Erholung in Markt Schwaben. Dann hat die Anzinger Wolinzy-Hilfe ihre Ausbildung finanziert. Und nun hat die junge Frau eine große Karriere vor sich.

Anzing – Tatsiana Karatkevich war noch keine drei Jahre alt, als sie zum ersten Mal ihre atomar verstrahlte Heimat Wolinzy für vier Wochen verlassen durfte, um sich in gesunder Natur in Markt Schwaben zu erholen. „Zusammen mit meiner Mutter“, erzählt sie in nahezu perfektem Deutsch, „ich war ja noch so hilflos und klein“. Das war vor genau 28 Jahren. Heute ist die junge Frau verheiratet, Mutter eines Sohnes und fertig ausgebildete Ärztin im Fachgebiet Endokrinologie.

Gelungenes Beispiel für die Entwicklung von Kindern

Ihr beruflicher Weg ist für Ingeborg Nünke eine gelungenes Beispiel für die Entwicklung von Kindern, die in Wolinzy geboren und von der Anzinger Initiative „Hilfe für Kinder aus der Gegend von Tschernobyl“ begleitet und unterstützt werden. „Diese Mädchen und Buben müssen eine Berufsausbildung machen und danach außerhalb ihrer verseuchten Heimat Arbeit suchen und dort auch sesshaft werden“, betont die Vereinsvorsitzende immer wieder. „Nur so gibt es für sie eine Zukunftsperspektive.“ Leider schaffen nicht alle diesen Weg.

Kontakt mit Gastfamilie war lange abgerissen

„Zusammen mit meiner Mutter und dann mit meiner Schwester Elena war ich damals zehn Jahre nacheinander im Sommer bei Helga und Kurt Wöginger in Markt Schwaben“, erzählt die junge Ärztin. Lange Zeit blieb der Kontakt bestehen, später verlor man sich aus den Augen. Aber Tatsiana Karatkevich ging ihren positiven Weg mit finanzieller Hilfe durch die Anzinger Initiative bis heute weiter. „Durch meine positiven Erlebnisse bei Helga und die Eindrücke in den Ferienaufenthalten habe ich als Kind schnell begriffen, dass ich in Wolinzy niemals mein ganze Leben verbringen möchte“, erklärte sie.

Zunächst zog ihre Familie in den Ort Korma, außerhalb der Sperrzone. Als Folge ihrer guten Noten durfte Tatsiana als 17-jährige Medizin studieren, und legte die Prüfung zur Ärztin für Innere Medizin 2012 mit Auszeichnung ab. Danach arbeitete sie vier Jahre in Korma als Ärztin für Endokrinologie.

„Ich wollte mich noch weiterbilden, leider war das in meiner Heimat nicht so möglich, wie ich es wollte“, bedauert sie.

Studium und Arbeitserlaubnis in Deutschland

Die Entscheidung fiel auf ein weiterführendes Studium in Deutschland, es folgte ein schwieriger Weg und fleißiges Lernen der deutschen Sprache. In Münster startete sie 2018 medizinische Kurse und Sprachenlehrgänge. Inzwischen hat die junge Ärztin alle notwendigen Barrieren geschafft, die Fachsprachenprüfung abgelegt und ihre Berufserlaubnis in der Tasche. „Ich habe von einem Bayerischen Krankenhaus die Zusage, dass ich hier zunächst zwei Jahre arbeiten darf“, erzählt Tatsiana voller Freude. „Im Juli geht’s los.“ Diese Freude wollte die junge Weißrussin unbedingt mit ihren „Unterstützern“ in Markt Schwaben und Anzing teilen.

„Wir haben uns 20 Jahre nicht gesehen“, bedauert Helga Wöginger und schließt „ihre Ärztin“ fest in die Arme. Gleiches macht Ingeborg Nünke. „Ein Musterbeispiel, dass unsere Unterstützung auf fruchtbaren Boden fällt“, sagt sie mit berechtigtem Stolz, „wir begleiten derzeit vor Ort viele junge Leute!“ Bald kommen wieder rund 50 Kinder aus Wolinzy, um ihre Ferien in Bayern zu verbringen.

Tatsiana Karatkevich arbeitet an ihrer Weiterbildung und könnte sich durchaus vorstellen, in absehbarer Zeit als Ärztin nach Weißrussland heimzukehren.  dul

Über die Arbeit die Arbeit der Wolinzy-Hilfe vor Ort lesen Sie hier.

Auch interessant: Artikel über die Gründerin der Hilfsorganisation 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Die Suche wird immer schwieriger: Wohin mit dem Wohnmobil?
In den Ferien Lust - unter dem Jahr Last: Es ist nicht so einfach, einen dauerhaften Stellplatz für ein Wohnmobil zu finden. Wir haben nachgefragt.
Die Suche wird immer schwieriger: Wohin mit dem Wohnmobil?
Unter Blumen: Kleiner Ratsch mit Landrat Robert Niedergesäß
Einmal über den Zaun schauen: Das war im Landkreis Ebersberg jetzt im Rahmen des Tages der offenen Gartentüre möglich. Landrat Robert Niedergesäß probierte es aus. 
Unter Blumen: Kleiner Ratsch mit Landrat Robert Niedergesäß
Waldsportpark: Endlich mehr Platz in der Umkleidekabine
Der Ebersberger Waldsportpark ist in die Jahre gekommen und muss deshalb dringend saniert werden. Die beiden CSU-Stadträte Alexander Gressierer und Martin Schedo hatten …
Waldsportpark: Endlich mehr Platz in der Umkleidekabine
Eine Straße, die keiner will - und die trotzdem Geld kostet
Der Forstinning Gemeinderat will die alte B 12 loswerden. Der Unterhalt kostet Geld. Die Straße wird gerne von Ortsfremden benutzt.
Eine Straße, die keiner will - und die trotzdem Geld kostet

Kommentare