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Richard Ellmer aus Anzing hat ein Tiny House selbst gebaut.

Knapper Wohnraum

Anzinger Handwerker baut sein eigenes Tiny House

17 Quadratmeter: Das ist die Grundfläche, auf der sich Richard Ellmer aus Anzing sein Leben vorstellen kann. Der 58-jährige Handwerker hat sein erstes Tiny House gebaut.

Anzing – Es gibt viele Gründe, weshalb der neue Trend aus den USA zu den so genannten Tiny Houses, winzigen Holzhäusern, so erfolgreich verläuft. Denn diese Bewegung propagiert nicht nur die Ideologie vom Gesundschrumpfen des eigenen Lebens- und Wohnstils auf das Notwendigste. Sie verbindet damit auch deutlich geringere Bau- und Unterhaltskosten als in einem herkömmlichen Haus. Und wer will, kann mit einem Tiny House dank des Fahrgestells auch den Wohnort wechseln. Diese Idee fasziniert auch Richard Ellmer aus Frotzhofen bei Anzing.

Noch lebt der Anzinger auf 300 Quadratmeter Fläche

Der 58-jährige Inhaber eines Renovierungs- und Sanierungsbetriebs, der mit seinem kleinen Team fast alle Handwerks-Arbeiten ausführen kann, fand sofort Gefallen an den Tiny Houses. „Derzeit lebe ich mit meiner Frau auf einem ehemaligen Hof, zu zweit auf 300 Quadratmetern. Das muss doch nicht sein, wir sollten alle darauf achten, unseren ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten“. Weil Richard Ellmer ein Mann der Tat ist, wurde aus der Vorstellung schnell Realität. Und so baute er in einer Halle in Markt Schwaben die vier Seitenteile und das Dach für sein erstes Tiny House, setzte alles auf einen bestehenden Doppelachs-Hänger aus den Niederlanden und montierte sogar noch eine kleine Terrasse vor den Eingang. „Zusammen mit einem Architekten aus Ehingen und einem Ingenieurbüro aus München, das die gesamte Statik errechnet hat, dauerte die Planungszeit etwa eineinhalb Jahre“, erklärt der Bausachverständige. Jetzt steht das 7,20 Meter lange und vier Meter hohe Mobilheim auf seinem Grundstück, die Breite beträgt exakt 2,55 Meter.

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Mehr als 3,5 Tonnen Gewicht sind nicht erlaubt

„Breiter bauen ist nicht erlaubt, wenn der Kunde sein Tiny House auf der Straße transportieren will. Zudem darf es nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen, und hinter einem entsprechend starken Zugwagen darf nicht schneller als 80 km/h gefahren werden“, so Ellmer. Er selbst rät aber zu noch niedrigerer Geschwindigkeit beim Transport, „es schwankt doch etwas“.

Das Haus besteht aus Fichtenholz, weil es besonders leicht ist, mit einer Fassadenbeschichtung auf Ölbasis. Innen ist das Tiny House, das über mehrere Fenster und zwei Eingänge verfügt, mit einer ökologischen Glasfasertapete verkleidet. „Sie ist nicht nur flexibel, was beim Transport wichtig ist, sondern auch feuerhemmend. Damit ist der vorgeschriebene Brandschutz voll erfüllt“, so Ellmer. Nun beginnt der Innenausbau auf zwei Ebenen bei seinem Musterhaus, bei einem Kundenauftrag selbstverständlich ganz nach den Wünschen des Auftraggebers. Beispiele für ein „Erdgeschoss“ gibt es hunderte im Internet und auf Videos anderer Hersteller. Ellmer jedenfalls möchte auf der Eingangsfläche einen behaglichen Wohnraum schaffen mit hochklappbarem Tisch, einem Sofa, einer Küche mit Spüle, Herd und Abzugshaube, sowie einem Bad mit Dusche und WC. In der Treppe nach oben verstecken sich Kühlschrank und viel Stauraum, „denn jeder Quadratzentimeter muss hier ausgenutzt werden“.

Im oberen Geschoss schließlich befindet sich das Schlafabteil mit kleineren Fenstern. Selbstverständlich wird das Tiny House von außen über fest montierte Anschlüsse mit Wasser, Gas und Strom versorgt. „Für die Heizung wollen wir Pellets verwenden, Dusche und Küche werden über einen Durchlauferhitzer versorgt, und auf dem kleinen Vordach über dem Haupteingang werden wir ein paar Solar-Elemente montieren“, erklärt der Konstrukteur, der beim TÜV eine Zulassung für sein Tiny House als Mobilhome möchte.

Bald geht‘s auf Kundensuche

Außerdem wünscht sich Ellmer, dass sich für sein Erstlingswerk nicht nur Kunden interessieren. „Ich würde mich auch freuen, wenn Bürgermeister oder gar der Landrat sich bei mir melden. Denn ich suche nach Grundstücken oder freien Flächen, auf denen ich mein Werk präsentieren kann.“

Dann soll auch die Möglichkeit zum Probewohnen oder zum Kurz-Urlaub im Tiny House gegeben sein. Wer aber dauerhaft diese neue Art zu wohnen anstrebt und rund 60 000 Euro für ein fertiges Tiny House hat, muss laut deutscher Bauverordnung ein Grundstück im Orts-Innenbereich vorweisen. Richard Ellmer kann sich sogar vorstellen, ein solches Mini-Haus auf ein solides Beton-Fundament zu setzen und die Räder dann abzuschrauben. „Schließlich haben wir doch nicht alle die Mentalität der Amerikaner, mit unserem Eigenheim den Wohnort zu wechseln“. Aber wer weiß: Die steigende Wohnungsnot treibt vielleicht noch so manche Blüte.

Friedbert Holz

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