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Der Angeklagte aus Anzing im Gespräch mit seiner Anwältin.

Anzinger Mord-Porzess: Der zweite Verhandlungstag

Opfer und Täter waren schwere Alkoholiker

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Anzing - Eigentlich hatten Karin (66) und Robert S. (56) eine zufriedene Beziehung geführt. Sie reisten viel, feierten lustige Feste mit ihren Freunden. Doch dann waren es wohl das liebe Geld und der Alkohol, die eine Kerbe in ihre Ehe schlugen.

Am Freitag, dem zweiten Prozesstag gegen den Ehemann, der sich wegen Mordes an seiner Frau verantworten muss, berichteten Freunde und Verwandte über das Leben des Anzinger Paares.

Demnach waren beide schwere Alkoholiker. „Die tranken schon ein Glas Sekt, bevor sie aus dem Bett sind“, erinnerte sich eine Freundin (63) des Opfers. Zum Abendessen, das stets mit einem Aperitif begann, konsumierten sie mindestens zwei Flaschen Wein. Erst die Folgebehandlung eines Oberschenkelhalsbruchs brachte die 66-Jährige etwas vom Trinken ab. Fortan mischte sie den Wein mit Wasser – das Zittern ihrer Hände ließ nach.

Doch der Angeklagte trank immer weiter. Täglich spülte er den Frust über seine Weinhandel-Insolvenz hinunter. Einen neuen Job fand er nicht, vermutlich suchte er auch nicht intensiv genug. „Darüber war sie ärgerlich“, erinnerte sich ihre Freundin. Dass die Zwangsversteigerung anstand, erfuhr die 63-Jährige erst nach dem Tod von Karin S.. Das Paar lebte fortan von ihrer Rente. Ewig konnte dieser Zustand so nicht weitergehen. Doch sie war auch finanziell unabhängig von ihm, hatte ihr eigenes Konto und ihre Geldanlagen. Unklar blieb am Freitag vor dem Landgericht München II, wer als Schuldner für das noch nicht abbezahlte Haus firmierte. Möglicherweise ergibt sich aus dieser finanziellen Situation noch ein neues Mordmerkmal, nämlich das der Habgier.

Die Angehörigen hatten sich nach dem Verschwinden von Karin S. rasch Sorge gemacht. Die Nichte schickte eine Mail, rief an und informierte schließlich ihre Mutter. Die bat die Freundin, nach der Schwester zu schauen. Die Freundin wiederum begab sich nach eigenen Zeugenangaben am 1. Juni 2015 ins Haus. Zu diesem Zeitpunkt lag das Opfer schon aufgebahrt in der Badewanne. Die 63-Jährige rief laut nach der Freundin, durchsuchte das Erdgeschoss und stieg schließlich die Treppe zum ersten Stock hoch. Dort kam aus dem Schlafzimmer der Ehemann angetorkelt und behauptete, sie hätten beide die Grippe, würden aber versorgt und gepflegt. Die Freundin konnte noch einen Blick auf die leere Ehebettseite von Karin S. erhaschen, dann geleitete der Angeklagte sie nach unten – mit der Bemerkung auf die Toilette zu müssen.

„Mich hat noch gewundert, dass er nicht oben ins Bad ging“, sagte die Zeugin. Doch dort lag ja die Tote. Weil das Badezimmerfenster stets gekippt war, entwickelte sich auch nicht der typische Verwesungsgeruch, wie später der Polizeibeamte berichtete, der als Erster im Haus gewesen war. Ein Kollege aus Erding karrte am Freitag 14 Bratpfannen ins Gericht, von denen eine als Tatwerkzeug in Frage kam. Der Prozess dauert an.

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