Tanja und Tobias Bönte haben sich bei der Anzinger Feuerwehr kennen und dann lieben gelernt.
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Tanja und Tobias Bönte haben sich bei der Anzinger Feuerwehr kennen und dann lieben gelernt.

Tanja (31) und Tobias Bönte (35) sind Feuerwehrleute und verheiratet

Sie haben ihr Glück gefunden: Die Anzinger Blaulicht-Ehe

  • vonJörg Domke
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Ihre Ehe ist etwas ganz Besonderes: Tanja und Tobias Bönte aus Anzing haben sich bei der Feuerwehr kennen- und lieben gelernt. Sie ist heute Vorsitzende des Feuerwehrvereins und er der Kommandant.

  • Feuerwehrmann und Feuerwehrfrau lernen sich in der Jugend kennen
  • Es entwickelt sich eine Liebesbeziehung
  • Heute sind sie verheirat, er ist Kommandant und sie Vereinsvorsitzende

Anzing – Feuerwehr-Ehen, sagt Tobias Bönte, seien eigentlich gar nicht so selten. Man müsse doch nur nach Poing blicken oder Markt Schwaben. Da gebe es auch schon Bünde fürs Leben von Feuerwehrmännern und
-frauen. Diese Form von Ehen ist gemeint, nicht etwa die Fusion von Ortsgruppen.

Bönte, 35, ist nicht nur mit seiner Anzinger Wehr, sondern auch mit seiner Frau Tanja verheiratet. Das Besondere bei den beiden aus der Anzinger Gartenstraße: Hier haben sich vor Jahren der gegenwärtig amtierende Kommandant und die seit drei Jahren amtierende Vorsitzende des örtlichen Feuerwehrvereins geehelicht.

Gemeinsames Hobby spielt wichtige Rolle im Eheleben

Was damit die Wahrscheinlichkeit stark erhöht, dass wichtige Anzinger Entscheidungen in Bezug auf Feuerwehrfragen im Ehebett stattfinden? Nein, erwidert das Paar, bei vor allem finanziell relevanten Dingen entscheide natürlich immer ein größeres Gremium. Doch man rede abends, nach Feierabend, durchaus viel und oft über das gemeinsame Hobby, die Feuerwehr, aber gewiss nicht ausschließlich.

Dass ihr seit demnächst sieben Jahren anhaltender gemeinsamer Lebensweg aber gepflastert ist mit Feuerwehr-Marksteinen, darf aber angenommen werden.

Das Paar lernte sich bei der Jugendfeuerwehr kennen

Tobias Bönte war bereits 18 und Ausbilder bei der Anzinger Ortsfeuerwehr, als da plötzlich Tanja und ihre Drillingsschwester Melanie zu einem ersten Schnuppern bei der Jugendgruppe auftauchten. Der dritte Drilling, Tanjas Bruder, hatte an Feuerwehrautos und Spritzen kein Interesse. Bis heute nicht. Die beiden Mädchen aber folgten einst einer lokalen Werbekampagne. Und erstmals ergab sich damals, 2003/2004, in Anzing die Situation, dass in der Jugend mehr Mädchen als Buben wiederfanden. „Einen solchen Überhang gab es nie wieder danach“, sagt Tobias Bönte und grinst.

Melanie sei technisch damals und bis heute sogar die Geschicktere gewesen, erinnert sich das Paar. Bei den für Kinder angebotenen Spielen mit echten Wasserspritzen im Rahmen der Tage der offenen Türen sei sie zumeist Siegerin gewesen und habe das eine oder andere Mini-Feuerwehrauto als ersten Preis abgesahnt, erinnert sich Tanja Bönte (31). Dass ihre Schwester noch immer mit dabei ist wie sie, freut die Vereinsvorsitzende natürlich bis heute.

Nach und nach entwickelte sich eine Liebesbeziehung

Ganz langsam, fast nebenbei und so, dass es die Kameraden kaum mitbekamen, hat sich jedoch eine engere Beziehung zwischen Tobias und Tanja entwickelt, berichtet das Paar bei einem weiteren Hausbesuch der Heimatzeitung. Gefunkt hatte es dann aber erst, als von einem Verhältnis Ausbilder/Jugendliche schon lange nicht mehr die Rede sein konnte. Tanja war da längst volljährig.

2014 wurde schließlich geheiratet. Dass sich hier zwei Feuerwehrler durch und durch fanden, sei jedoch nie ein Nachteil oder gar eine Belastung geworden, versichern beide. Im Gegenteil: „Ich erfahre sehr viel Verständnis“, sagt Tobias. Verständnis dafür, dass er nach wie vor an mindestens vier Abenden pro Woche unterwegs ist: für die Feuerwehrsache oder auch für die Kommunalpolitik. Tobias Bönte ist seit seinem 15. Lebensjahr in der SPD und auch schon ein paar Jahre Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion im Gemeinderat.

Manchmal, nicht immer, sind beide zusammen im Blaulicht-Einsatz. „Die Hierarchien sind dann natürlich klar verteilt“, sagt Tanja Bönte schmunzelnd. Diskutiert werde allenfalls nach Einsätzen.

Tanja nimmt sich auch mal eine Auszeit von der Feuerwehr

Die 31-Jährige erlaubt es sich aber, auch mal nicht auszurücken, während ihr Gatte ins Gerätehaus eilt. Besonders, wenn es abends spät zu werden droht. Morgens muss sie zumeist früh raus. Tanja ist Erzieherin im Kinderhaus Sonnenschein in Markt Schwaben. Das ist gerade jetzt, in Corona-Zeiten, stressig. Und deshalb ist sie manchmal ganz froh, am Abend ihre Ruhe zu haben. Dann bleibt sie daheim mit Micki und Klara, den beiden Hauskatzen.

Zurzeit werde, sagen die beiden, abends viel über die Feuerwehr gesprochen. Eigentlich wird die Anzinger Truppe heuer nämlich 150 Jahre alt. Der offizielle Gründungstag ist der 20. September 1871. Wegen Corona aber hat man beschlossen, die gesamten Feierlichkeiten lieber gleich auf das kommende Jahr zu verschieben. Im Juli 2022 ist nun eine Festwoche geplant. Das Festzelt wird im Sportzentrum stehen. Ein Festausschuss hat längst die Arbeit aufgenommen. Nein, eigentlich schon fast abgeschlossen, denn die Anzinger Organisatoren hatten das Glück, nahezu alles, was zunächst für heuer geplant war, direkt und weitgehend problemlos aufs neue Jahr zu verschieben. Auch den Auftritt des Kabarettisten Django Asül.

Ob es heuer für die Böntes noch klappt, auch wieder eine Fernreise zu zweit zu unternehmen, steht noch in den Sternen. Brasilien wäre in diesem Jahr an der Reihe gewesen, berichtet das Paar.

Reisen müssen noch warten

Das gemeinsame Verreisen ist seit der Hochzeitsreise nach Südafrika, Botswana und Zimbabwe zum echten Hobby geworden. Außerdem waren die Böntes schon in den USA, in Kenia oder Israel. Und auch da, zumindest was den Kommandanten angeht, immer nah dran, wenn die Kameraden daheim mal ausrücken mussten. Ganz abschalten, sagt Tobi Bönte, das habe er noch nicht hinbekommen. „Ich arbeite dran“, sagt er – mit gewissen Selbstzweifeln im Unterton.

Übrigens: Dass die gemeinsame Wohnung nun ein privates Museum für Feuerwehrutensilien sei – es lebe das Vorurteil – lässt sich bei den Böntes nun wirklich nicht bestätigen. Es gebe, sagt Tanja Bönte, lediglich ein Holzfeuerwehrauto. Und das sei entstanden im Rahmen ihrer beruflichen Ausbildung im Werk-Unterricht.

Und es gibt im Wohnzimmer ein mit einer innenliegenden Holzstange versteiftes C-Rohr, an dessen Ende ein kleiner Scheinwerfer-Spot angebracht worden ist. Das Ganze steht in einem roten Eimer als Fundament und bildet insgesamt einen selbstgebauten Deckenfluter. „Mehr ist nicht“, versichert Tobias, der im Hauptberuf beim BR als freier Mitarbeiter tätig ist und dort im Nachrichtenbereich und neuerdings auch im Blaulicht-Ressort. Ganz ohne Feuerwehr geht’s halt doch nicht – auch nicht im Beruf.

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