Anzing

Bürger sorgen sich ums Ortsbild

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Anzing - Der Agenda-Arbeitskreis äußerte sich auf Anfrage der Ebersberger Zeitung jetzt zur geplanten Gewerbegebietserweiterung in Anzing.

Dass sich der Anzinger Gemeinderat u.a. im Rahmen einer nichtöffentlichen Klausur auf eine Erweiterung des Gewerbegebiets nördlich des Friedhofs in Richtung A 94 verständigt hatte und dies in einer 9:6-Mehrheitsentscheidung im Januar auch erstmals öffentlich bekanntgab (wir berichteten), hat in der Gemeinde nicht nur Freude ausgelöst. Auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung hat sich nun der Agenda-Arbeitskreis Ortsgestaltung geäußert und dabei kritisiert, dass ihm die Entwicklungen der letzten Wochen ein wenig zu schnell und insbesondere zu wenig transparent vorgekommen seien. „Es wäre schöner gewesen, wir wären früher involviert gewesen“, so sein Sprecher Ulrich Fröde gestern gegenüber der Heimatzeitung.

Nach dem ersten Bekanntwerden der Pläne hatte der Arbeitskreis gleich Kontakt mit der Verwaltung aufgenommen und nach eigenen Angaben dabei zum Ausdruck gebracht, dass mit dem tatsächlichen Entstehen einer Gewerbegebietsausweisung an dieser Stelle ein sechstes Teil eines Gewerbegebiets-Flickenteppichs auf Anzinger Flur entstünde. Man habe, so Fröde, den Eindruck gewonnen, dass bislang nicht wirklich alle Alternativen geprüft worden seien.

Gewerbegebiet löst Sorge aus

Sorgen macht sich der Arbeiskreis insbesondere, was das Ortsbild anbelangt. Am Haupteingangs zu Anzing entstünde beidseitig ein Gewerbegebiet, was die Gesamtoptik arg beeinträchtige. Als störend werde auch die direkte Friedhofsnähe empfunden, so Roswitha Hacke, die ebenfalls seit vielen Jahren schon aktiv ist für Anzings Mitte. Ein Einwand, der nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Schon jetzt ist der Gemeindefriedhof eingehüllt in einen Grundlärmpegel, der von der nahen A 94 ausgehen dürfte. Auf Abschirmeffekte durch künftige Gewerbebauten könne man wohl nicht hoffen, so die beiden Agenda-Aktivisten auf Nachfrage.

Roswitha Hacke sorgt sich obendrein um eine in ihren Augen klare Beeinträchtigung des Landschafts- und Naturschutzes mit Blick auf die Anzinger Sempt. „Ich befürchte, dass die Chance vertan wird, die Sempt wieder herzustellen“. Und erinnert daran, als kleines Mädchen einst im Anzinger Moos gespielt und vom Papa erklärt bekommen zu haben, was Fettblatt, Mehlprimel, Blutströpfchen und Knabenkraut sind und wie der Wiedehopf ausschaut; ein typischer, aber kaum noch bekannter Vogel der Region nämlich.

Der Arbeitskreis regte nunmehr an, das Thema Gewerbegebietserweiterung auf eine breitere Basis zu stellen als bislang und darüber nochmals in Ruhe im Rahmen einer Bürgerversammlung zu sprechen. Fröde: „Die Ausweisung eines Gewerbegebiets ist so grundsätzlich für einen Ort, dass die Basis einfach breiter gemacht werden müsste. Noch dazu, wenn nicht einmal im Gemeinderat ein großer Konsens vorhanden zu sein scheint.“

Aktiv zu sein für Anzings Mitte sei anfänglich, so Ulrich Fröde, eine nicht bei jedem Gemeinderat gerne gesehen Sache gewesen. Besonders bei der Rathaus-Umbauthematik hatte man den Eindruck, auch auf Widerstände zu stoßen. Fröde: „Wir wollen nicht außerparlamentarische Opposition sein, sondern beraten und mithelfen. Widerspruch und Diskussion führen, das ist meine Philosophie, zu besseren Lösungen“.

Kreisverkehr zur Erschließung  im Gespräch

Im Gemeinderat wurde zuletzt, wie berichtet, über einen möglichen Kreisel als Erschließungsmaßnahme und dessen Finanzierbarkeit beraten. Und ein Strukturplan vorgestellt, so etwas wie eine Vorstufe zu einem Bebauungsplan. Der Grund, so Bürgermeister Franz Finauer: „Die Gespräche mit dem Grundeigentümer laufen noch.“ Zurzeit klärt er insbesondere ein paar noch komplizierte Rechtsfragen ab. Erst danach werde es einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan geben. Und der Flächennutzungsplan muss auch noch geändert werden. Mit einer kurzfristigen Verwirklichung sei nicht zu rechnen. Finauer geht von zwei, vielleicht drei Jahren aus.

Zeit scheint also noch genug vorhanden zu sein, ein paar dringliche Fragen zu klären, die dem Agenda-Kreis auf den Nägeln brennen. Erstens: Ist mit dem Umgriff des vorgelegten Strukturplans wirklich Schluss, oder gibt es noch Erweiterungsabsichten? Zweitens: Gibt es überhaupt ein Konzept für Gewerbegebietsausweisungen in Anzing? Und drittens: Existiert ein Verkehrskonzept? Denn auch der ins Spiel gebrachte Kreisel sei, abseits der Finanzierungsfrage, unter den Bürgern nicht unumstritten.

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