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Nur knapp 50 Zuhörer kamen heuer zur Anzinger Bürgerversammlung.

Bürgerversammlung Anzing

Im Sparmodus in die Zukunft

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Die Zeiten wandeln sich. Jetzt geht es auch in der Gemeinde Anzing vor allem um eins: Sparen.

Anzing –Es gab schon Bürgerversammlungen in Anzing, da war es unmöglich, im Saal des Forsthofs im Sportzentrum einen Sitzplatz zu ergattern. Probleme solcher Art bestanden am Dienstag nicht. Lag es an den Ferien? Oder vielleicht, wie Bürgermeister Franz Finauer vermutete, daran, dass zurzeit in der Anzinger Kommunalpolitik alles in Butter zu sein scheint? Oder hat sich das Format Bürgerversammlungen einfach nur überholte? Circa 50 Besucher hatte Finauer im Verlauf des Abends gezählt (oder zählen lassen?). Zieht man Gemeinderäte und Verwaltungsmitarbeiter ab, bleiben vielleicht noch 40 übrig. So wenig wie wohl selten zuvor.

Stichwort „Überholt“: Diejenigen unter ihnen, die vielleicht noch regelmäßig eine Tageszeitung lesen oder sich anderweitig mit kommunalen Themen beschäftigen, erfuhren in der Tat nicht viel Neues. Der einst heiß umstrittene Kreisel am Ortseingang aus Richtung A94? Kein Thema mehr. Es sei denn, es bleibt, wie vorgestern, mal ein Lkw in unmittelbarer Nähe stecken und verhindert einen fließenden Feierabendverkehr.

Oder der künftige Lidl-Markt. Die Debatte hat sich (natürlich) erledigt, seit die Bagger rollen. Am 17. Oktober soll eröffnet werden. Selbst der ökologische Ausgleich scheint so gut geregelt, dass dagegen ernsthaft nichts eingewendet werden könnte.

Oder schaut man auf die andere Straßenseite. Die Firma Haberthaler wird den künftig alten Lidl übernehmen und noch etwas dranbauen. Eine Tiefgarage mit 26 Stellplätzen inbegriffen. Eine Pension mit 16 Zimmern soll direkt daneben entstehen, dazu ein Dentallabor samt Zahnarzt. Die Planungen nehmen gerade ihren Lauf.

Weiter geht’s auch hinter dem Feuerwehrhaus. Die dortige Freifläche, ein Mischgebiet, wird die Gemeinde verkaufen. Verkaufen müssen, denn den Erlös aus dem Deal braucht die Kämmerei dringend zur Finanzierung des derzeit größten öffentlichen Projekts; den Bau von Kinderbetreuungseinrichtungen nordwestlich der Schule.

Es ist das Dauerthema der letzten Wochen. Eines, das maßgeblich die Lernbedingungen von vielen Kindern am Ort in den nächsten Jahren beeinflussen kann. Eltern künftiger Kindergarten- oder Schulkinder lockte das alles dennoch nicht in die Versammlung.

Das einzügig konzipierte Kindergartengebäude und das sogenannte Flex-Haus (weil die exakte Nutzung noch nicht feststeht; es kann Hort, Mittagsbetreuung oder Heimat einer künftigen Offene Ganztagsschule werden) werden deutlich kleiner ausfallen als einmal angedacht. Begründung: Zu wenig Kinder in den nächsten Jahren.

Die aktuellen Zahlen scheinen eine deutlich sich abflachende Bevölkerungsentwicklung Anzings zu belegen. Im letzten Jahr, sagt Finauer, sei man von 4409 Bürgern auf 4420 gewachsen. Plus elf. Mit Wachstumsgemeinde hat das nichts zu tun. In den Jahren zuvor waren es im Jahresschnitt noch 87. In den letzten 20 Jahren kamen insgesamt 1102 Bürgerinnen und Bürger dazu.

Finauer, so hat es den Anschein, ist ganz froh ob dieses Trends, von dem niemand weiß, wie stabil er sein wird. Ob in ein paar Jahren nicht doch noch mehr Plätze benötigt werden, weiß keiner wirklich.

Mit der jüngst beschlossenen Abspeckvariante spart man sich in jedem Fall zuerst einmal ein paar Millionen Kreditaufnahme. Ohne die wäre das Geplante an der Schulstraße ohnehin nicht machbar. Gleich nach Ostern, nächsten Dienstag, werden Bauausschuss und Gemeinderat öffentlich weiter überlegen, wie Kosten beim neuen Kiga bzw. im Flex-Haus gesenkt werden können.

Der Sparzwang, hier wird er sehr plastisch, dominiert mehr und mehr auch die Anzinger Kommunalpolitik. Nur die Mittagsbetreuung koste jährlich 135 000 Euro. „Und das ist eine freiwillige Leistung“, schiebt Finauer hinterher. Deutlich wie selten zuvor wird das in einer Fast-Randbemerkung des Rathauschefs. Die einmal mit viel Getöse eingeleitete Rahmenplanung zur Ortsmittengestaltung (zwischen Kreuzung und Pfarrhaus) soll noch fertiggestellt werden, sagte er am Dienstag. Mehr gehe aber vorerst nicht. Vielleicht noch eine Bürgerwerkstatt. Was danach kommen wird, scheint gegenwärtig völlig offen zu sein. Das Geld der Gemeinde werde schließlich für die geplanten Kinderbetreuungseinrichtungen gebraucht. Im Saal scheint es niemanden mehr zu jucken.

Anzing liebens- und lebenswert erhalten und noch liebenswerter zu machen: Mehrfach wies Finauer vergangenen Dienstag genau auf dieses große Ziel hin. Was den Ortskern an geht, im Wesentlichen ist die Högerstraße gemeint, scheint dies nun Aufgabe von Finauers Nachfolger bzw. Nachfolgerin zu werden.

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