Eine Frau mit Gesichtsmaske
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Der Politik ist nicht bekannt, was Kosmetikstudios tatsächlich leisten. Das sagt Studioinhaberin Doris Wierer aus Anzing. Und: Kosmetik ist systemrelevant.

Mehr als nur Schminke im Gesicht

„Wir sind systemrelevant“: Kosmetikerin schreibt Protestbrief an Söder und Politiker-Kollegen

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Dass Kosmetikstudios wieder schließen müssen, kann Doris Wierer nicht nachvollziehen. Die Inhaberin eines Kosmetikstudios in Anzing sagt: „Wir sind systemrelevant.“ 

Anzing – Dass aufgrund der neuen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung Kosmetikstudios wieder schließen müssen, kann Doris Wierer nicht verstehen. „Für mich ist das nicht akzeptabel“, schreibt sie in einem Brief an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger sowie an Ebersbergs Landrat Robert Niedergesäß und den CSU-Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz.

Corona: Kosmetikerin wehrt sich gegen Schließung von Kosmetikstudios

„Kosmetik muss als systemrelevant anerkannt werden“, fordert die Inhaberin des Kosmetikstudios WeMaVit in Anzing. Was Kosmetikstudios machen, sei viel mehr als Schminke fürs Gesicht. Wierer zählt auf: dauerhafte Haarentfernung, die regelmäßig und in bestimmten Abständen stattfinden müsse; kontaktfreie Lymphmassage; Gesichtsbehandlungen. „Wir sind spezialisiert auf Problemhaut“, so Wierer. Für den Erfolg sei eine regelmäßige Behandlung maßgeblich; ist dies nicht möglich, müsse sie nach einer längeren Pause (wie es bei den beiden ersten Lockdowns der Fall war) wieder von vorne anfangen.

Doris Wierer führt in Anzing ein Kosmetikstudio.

Mit Blick auf dauerhafte Haarentfernung sagt Doris Wierer, dass auch hier Behandlungen regelmäßig stattfinden müssen. „Die meisten Kunden machen das nicht zum Spaß, sondern weil sie Probleme mit eingewachsenen Haaren und Pickelbildung nach der Rasur haben, was unschön aussieht und teils schmerzhaft ist.“ Bei Frauen in den Wechseljahren zeigten sich im Gesicht Haare, der sogenannte „Damenbart“. „Keine Frau möchte einen Bart“, sagt Wierer und fügt im Namen aller Kosmetikstudios hinzu: „Wir sind nicht nur für die Haut und das allgemeine Wohlbefinden der Kunden zuständig, ein wesentlicher Bestandteil ist auch die psychische Unterstützung.“

„Wir hören uns die Sorgen der Menschen an und leisten damit auch einen erheblichen Beitrag zur Unterstützung zur Psyche.“

Kosmetikerin Doris Wierer

Dadurch, dass immer nur eine Kundin/ein Kunde im Raum sei, könnten sie ihr Herz ausschütten. Ähnlich wie beim Friseur. Doris Wierer erzählt von Begegnungen in den vergangenen Wochen: bei einer Mama mit drei Kindern im Homeschooling flossen die Tränen, weil sie mit der Situation total überfordert ist. Einsame Menschen, die froh sind, mit jemandem sprechen zu können. Mütter, die erzählen, dass ihre Kinder psychologisch betreut werden. Doris Wierer: „Wir hören uns die Sorgen der Menschen an und leisten damit auch einen erheblichen Beitrag zur Unterstützung zur Psyche.“

Anzing: Kosmetikerin schreibt Protestbrief an Staatsregierung - und lädt Söder und Co. in ihr Studio ein

Sämtliche Termine bzw. Behandlungen erfolgen selbstverständlich stets nach den gültigen Corona-Hygieneregeln, betont Wierer. Inklusive das Tragen von Masken. Jeder Termin ist vorher vereinbart, Laufkundschaft gibt es nicht. Außerdem bietet sie Schnelltests an bzw. führt diese durch.

Die Inhaberin des Kosmetikstudios in Anzing hat nun an die Politiker geschrieben: „Die psychische Gesundheit ist gleichzusetzen mit der körperlichen Gesundheit. Kosmetik muss als systemrelevant anerkannt werden.“ Der Politik, so Wierer weiter, sei nicht wirklich bekannt, was Kosmetikstudios leisten. Deshalb lädt sie am Ende des Briefes Söder, Aiwanger und Co. ein, ihr Studio in Anzing zu besuchen, „um sich selbst ein Bild von unserer Arbeit zu machen“.

Neue Änderungen beim Corona-Infektionsschutz: Kosmetikerin kommt in enorme Bedrängnis

Durch die neue Maßnahmenverordnung und der neuerlichen Schließung komme sie in enorme Bedrängnis, erläutert Doris Wierer in ihrem Brief. „Ich bin bis Mitte Juni ausgebucht. Das heißt, ich muss alle Kunden anrufen und die Termine absagen.“ Nach einem Absatz schreibt sie weiter: „Ich habe das schon zweimal hinter mir und eigentlich ein sehr dickes Fell, aber langsam geht es auch mir an die Substanz. Die finanziellen Einbußen sind enorm, aber der psychische Stress ist noch viel schlimmer.“

Gemäß der neuen Änderungen der 12. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung dürfen Kosmetikbetriebe und Nagelstudios seit dem 23. April nicht mehr öffnen – unabhängig vom Inzidenzwert. Darüber informiert die Industrie- und Handwerkskammer für München und Oberbayern auf www.hwk-muenchen.de.

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