Kaisersberger Wohlfühlschwein
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Viel Platz zum Toben und Rumhängen haben die Schweine im neuen Stall von Andreas Adlberger.

Landwirtschaft modern

Anzinger Landwirt baut um: Damit sich seine Schweine sauwohl fühlen

Der Anzinger Landwirt Andreas Adlberger (37) setzt auf mehr Platz pro Schwein und erzielt so eine höhere Fleischqualität. Und die Sauen fühlen sich wohl.

Anzing – Bilder von in Kastenständen eingeengten Säuen wurden in den letzten Wochen vor allem im Fernsehen immer wieder gezeigt. Vielen wird es so gegangen sein: Gesteigerten Appetit aufs nächste Schnitzel werden sie nicht erzeugt haben. Auch Andreas Adlberger, Landwirt aus dem Anzinger Ortsteil Kaisersberg, hat die Aufnahmen gesehen. Unter Tierwohl versteht der 37-Jährige etwas anderes. „Wenn es den Schweinen gut geht, dann hast du gleich selber ein viel besseres Gefühl“, sagt er. Und blickt auf eine der drei neuen Boxen in seinem funkelnagelneuen Schweinestall droben auf dem Kaisersberg, wo er zuhause ist und wo auch schon die Vorfahren einen Hof bewirtschafteten.

Heuer im August hat Adlberger dort einen neuen Schweinestall errichtet und in Betrieb genommen: 250 Quadratmeter Stallfläche auf drei komplett mit Stroh ausgelegten Boxen verteilt. Und so belegt, dass er die Norm von 1,2 Quadratmeter pro Schwein, also Biostandard, locker erfüllen kann. Nun sei, sagt er zufrieden, so viel Platz da, dass jedes seiner Tiere sich so verhalten könne, wie man es als Otto Normalverbraucher gar nicht erwarte bzw. kaum kenne.

Andreas Adlberger.

Adlberger zeigt auf die Ecke in der 70 Quadratmeter-Box, in der sich gerade das Meiste abspielt. „Der Ess- und Trinkbereich“, erklärt der Landwirtschaftsmeister. Daneben sozusagen das Schlafzimmer. Ja, und sogar einen Toiletten-Trakt scheint es in dem Rechteck zu geben. Schweine, doziert er, seien viel reinlicher, also wie wir Menschen immer glaubten. Kein Begriff sei ungerechter als der vom Dreckschwein.

Das Paradoxe: Die Tiere halten sich an die „Wohnungsaufteilung“. Für einen Fachmann wie Adlberger ist das kein Hexenwerk. Die offene Seite des neuen Schweinestalls hat er bewusst Richtung Norden ausgerichtet. Das hat in erster Linie mit einer natürlichen Temperaturregelung zu tun. An einer Seite wurde, ebenso bewusst, die Möglichkeit geschaffen, Durchzug zu erzeugen. Das sei, sagt der Schweinefachmann, für die Tiere ein eher unangenehmer Ort. Dort befindet sich nun sozusagen die Toilette. Auf diese Weise, ist sich Adlberger sicher, habe er insgesamt ein Ambiente geschaffen, dass ihn und seinen Betrieb zu dem führt, wofür er seit einiger Zeit wirbt: das Kaisersberger Wohlfühlschwein. Mit über 30 Prozent mehr Platz pro Tier als gesetzlich vorgeschrieben. Mit hofeigener Futtermischung, mit Zufütterung von Stroh und teilweise Haltung auf Stroh, mit kurzen Transportwegen zu hiesigen Metzgern, mit Gesundheitsmonitoring und zertifizierten Prüfungskriterien.

Metzgereien in der Region schlachten und vermarkten Adlbergers Schweine

Stichwort Stroh: Pro Schwein ein Kilo pro Tag. Bedeutet in seinem Strohstall 150 Kilo täglich. Viel erzeugt er selber auf 15 ha, der Rest muss zugeliefert werden.

Dafür gehen, hier noch ein paar Zahlen, alle vier Wochen 16 Tonnen Mist an die Biogasanlage in Angelbrechting zur Strom- und Wärmeerzeugung. Gülle gibt es zurück. „Der perfekte Kreislauf“, schwärmt der Anzinger. Und noch dazu verbunden mit kurzen Wegen.

Die gibt es auch zu seinen Hauptabnehmern, die Metzgereien Kammerloher in Grafing und Holzner in Pliening. Adlberger-Fleisch gibt es auch, Lockdown hin oder mehr, beim Habererwirt in Purfing, heißt es.

Nach und nach mehr Platz für die Tiere

690 Schweine hält Adlberger gerade. Nicht alle in den luxuriös wirkenden Strohställen. Die alten Stallungen am Hof werden nach wie vor genutzt, nun aber statt mit zehn Schweinen nur noch mit acht pro acht Quadratmeter belegt. Was sich für den Laien nur wie eine allenfalls minimale Verbesserung anhört, ist in Augen des Experten aber mehr. Man erkenne gleich ein anderes Verhalten, sagt Adlberger, ganz andere Strukturen in der Box als früher: „Die Schweine sind beweglicher, agiler, schneller. Mit der geringeren Belegung haben sie sozusagen die Chance, ebenfalls ihr Zimmer einzurichten“.

Der Landwirt sucht weitere Metzger, die selbst schlachten

Nur vom praktizierten Tierwohl, fügt er an, könne man natürlich nicht leben. Aber weil seine beiden schlachtenden Metzger mitmachen bei dem neuen Konzept, sieht sich Adlberger durchaus auf der Erfolgsspur. 60 Prozent nehmen sie ab, der Rest geht den bisher üblichen Weg über die Schlachthöfe. Adlberger würde gerne mehr direkt an hiesige Metzger verkaufen: „Wenn es nur mehr gebe, die selber schlachteten“. Apropos Schlachten: Ein zweites Standbein haben die Adlbergers schon seit Jahren. „Wildfleisch“ aus eigener Aufzucht im Gehege.

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