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Startschuss: Landwirt Martin Kandler sät den ersten Blühstreifen ein.

Ebersberg summt

Der Landkreis blüht auf

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Konzertierte Aktion für die Insekten: Diverse Institutionen haben sich mit Landwirten zusammengetan und säen Flächen mit mehr als 16 Kilometer Länge ein.

Anzing – Mit seinem Bulldog und einer angehängten Saatmaschine vom Maschinenring fährt Martin Kandler entlang auf einem seiner Felder – hier an der Staatsstraße zwischen seinem Heimatort Anzing und Markt Schwaben. Kandler ist erfahrener Landwirt, Aussaaten hat er in seinem Berufsleben schon unzählige Male gemacht.

An diesem Freitagvormittag aber ist einiges anders. Beobachtet wird der Anzinger nicht nur von einigen Kollegen, von Vertretern des Landratsamtes, des Maschinenrings, des Bayerischen Bauernverbandes oder des Amtes für Landwirtschaft und Forsten, sondern sogar von einer Fernsehkamera. Das, was der „Kappo“, wie Gemeinderat Kandler in seinem Dorf gerne gerufen wird, hier ausbringt, ist keine gewöhnliche Aussaat, sondern eine spezielle und zugleich hochwertige Mischung. Es geht um Blühflächen. Und damit um einen aktiven Beitrag zum Bienen- und Insektenschutz.

Kandlers Saat-Fahrt zu Demonstrationszwecken, sie dauerte gestern nur gut eine halbe Minute, war der offizielle Auftakt einer kreisweit angelegten Gemeinschaftsaktion. Anlässlich des Jahrs der Bienen haben sich im Landkreis Ebersberg Behörden und diverse Verbände zusammengetan und gestern die Ansaat ein- und mehrjähriger Blühflächen auf landwirtschaftlichen Flächen gestartet. Geplant ist, heuer kreisweit einjährige Blühstreifen auf einer Gesamtlänge von 16,5 km anzulegen. Das soll gut fünf Hektar insgesamt ausmachen.

Dazu kommen weitere, mehrjährige Blühflächen auf 2,11 ha. Außerdem im Landkreis geplant: So genannte Himmelfahrtsstreifen. Dort sollen demnächst speziell Pflanzen wachsen können, die zu Mariä Himmelfahrt besondere Verwendung finden werden.

Das Besondere: Die beteiligten Landwirte tragen die bei der gesamten Aktion entstehenden Kosten komplett selber. Das betonte auch der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Franz Lenz. Der Zornedinger verwies dabei auf die umfangreichen Vorbereitungen der Saataktion, die im Zusammenhang mit der Initiative „Der Landkreis summt“ zu sehen sei. Vorangegangen seien zum Beispiel Infoabende mit Imkern und Naturschützern.

Dass die Bauern die Ansaat aus eigener Tasche zahlten, so Lenz, sei als Beitrag der Kollegen an die Gesamtgesellschaft zu verstehen und keineswegs ein Eingeständnis einer Schuld, etwa hauptverantwortlich zu sein für das akute Bienen- und Insektensterben. Mit der Aktion sei nicht nur beabsichtigt, Insekten neue Refugien zu schaffen, sondern ebenfalls andere anzustecken und von der Sinnhaftigkeit solcher Maßnahmen zu überzeugen.

In der Tat, bestätigt Martina Lietsch von der Unteren Naturschutzbehörde, gebe es vielfältige Möglichkeiten, es den Landwirten nachzumachen. Wichtig sei dabei, auf hochwertige Mischungen zurückzugreifen. Das Landratsamt könne bei Bedarf entsprechend Empfehlungen geben. Auch online kann man sich auf der Internetseite der Kreisbehörde informieren.

Das, was Kandler gestern auf den Acker brachte, war eine solche hochwertige Mischung; in diesem Fall Saatgut für den einjährigen „Fall“ mit Buchweizen, Malve, Koriander, Klee, Korn- oder Ringelblumen. Lietsch: „Uns ist wichtig, dass vorwiegend Heimisches zum Einsatz kommt.“ Man werde die jetzt gestartete Aktion genau auswerten und dann schauen, was noch verbessert werden könne, sagte die Steinhöringerin. Insgesamt ist die Untere Naturschutzbehörde schon jetzt mit der vom Landkreis angestoßenen Aktion zugunsten der Insekten hochzufrieden. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Amtsleiter Johann Taschner begeistert. Wie Franz Lenz ist er sich sicher, dass es neben den offiziellen Aktionen bereits viele private Nachahmer gebe und dass es auch im nächsten Jahr gelingen werde, ähnliche Zeichen zu setzen. Taschner verwies zum Beispiel auf diverse Geschäftsleute, die bereits von sich aus dazu beigetragen hätten, heuer für blühende Landschaften im Landkreis zu sorgen.

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