+
Es besteht eine direkte Abhängigkeitzwischen den Gewerbesteuereinnahmen und den kommunalen Investitionen Blick vom Dach des Lidl-Großlagers in Richtung Forstinning: Gleich im Anschluss befindet sich das umstrittene Areal, das neues Gewerbegebiet werden soll. 

Gewerbepolitik in Anzing

Schwieriger Weg

  • schließen

Gewerbegebiete sind, schon aus steuerlicher Sicht, nötig. Aus Umweltsicht sind sie nicht immer beliebt. Ein klassicher Konflikt.

Anzing – Ein Gewerbegebiet schaffen möglichst nahe der Autobahn: Mit diesem nachvollziehbaren Ziel entstand in Anzing einmal das Gewerbeareal Gutenbergstraße. Damals, als es noch Überlegungen gab, die A 94 nahe am Forstrand zu bauen.

Es ist bekanntlich alles ganz anders gekommen, die Autobahn entstand viel später und viel weiter nördlich. Mit einem Effekt, der bis heute nachweislich wirkt: Der Verkehr, der durch die damals in den Ort gelockten Gewerbebetriebe verbunden ist, fließt weitgehend durch die Högerstraße und Erdinger Straße; und damit durch die zentrale Ortsstraße Anzings schlechthin.

Seit Jahren, wenn nicht sogar Jahrzehnten, versuche man, hier eine entgegensteuernde Gewerbepolitik in Gang zu bringen, sagt Bürgermeister Franz Finauer. Aus der Gutenbergstraße hat man eine Art Mischgebiet gemacht und arbeitet daran noch weiter. Das wiederum hat ansässige Firmen verdrängt oder droht sie zu verdrängen.

Die beste Lösung wäre natürlich, sie im neuen Gewerbegebiet an der A 94 unterzubringen. Weil sich dort jedoch anfänglich gleich einmal ein paar ganz Große niedergelassen haben, blieb für die einheimischen Gewerbetreibenden so gut wie kein Platz mehr. Ein Manko, wie man heute weiß.

Die Heimischen, die Eingesessenen, die solide wirtschaftenden gut geführten Mittelständler, vorzugsweise aus dem Handwerk: Das sind genau die Firmen, die man als Kommune so sehr braucht und die man nach Möglichkeit unter allen Umständen auch behalten möchte. So sehen es jedenfalls die drei Bürgermeister Franz Finauer, Florian Alte und Reinhardt Friedrich in ziemlicher Einhelligkeit. Nicht nur ihnen, sondern allen im Gemeinderat ist glasklar: Ohne Gewerbe am Ort keine Gewerbesteuer, ohne Gewerbesteuer keine Sporthalle und kein Gemeindehaus, keine Rathaussanierung und kein Altenheim. Und weitere Infrastruktureinrichtungen am Ort werden in Zukunft noch viel Geld verschlingen. Zwei Beispiele: Man braucht ein neues Kinderhaus, und die Grundschule hat ebenfalls Erweiterungsbedarf.

Natürlich gebe es im Anschluss an das bestehende neue Gewerbegebiet nahe der A 94 Erweiterungsmöglichkeiten. Ein Blick auf ein Luftbild genügt, um zu einer solchen Feststellung zu gelangen. Und natürlich hatte man hier seine Fühler auch ausgestreckt. Wie man übrigens, so wird versichert, auch acht andere Optionen geprüft habe bei der Suche nach neuen Gewerbeflächen. Doch zu Ergebnissen ist man bis heute nicht gekommen. Und wird dem Vernehmen nach auch in absehbarer Zeit nicht kommen.

Das Problem: Das am idealsten erscheinende Areal vis a vis von XXXLutz gehört einem örtlichen Landwirt. Und der hat, wie es heißt, nachvollziehbare Gründe, zurzeit nicht verkaufen zu wollen. Das Grundstück werde gebraucht, bekamen die Verhandler aus dem Rathaus unter anderem zu hören. Dass es sich bei dem Eigentümer um einen Kollegen aus dem Gemeinderat handelt, habe das Ganze weder erschwert noch erleichtert, versichern die Bürgermeister unisono. Auch Tauschoptionen scheiterten letztlich. „Ich habe nichts anzubieten“, muss Finauer achselzuckend einräumen. Eine Tatsache, die man ihm wohl kaum zum Vorwurf machen kann. Zwingen kann und will man den Eigentümer auch nicht. Auf welcher Grundlage sollte das auch passieren?

Im Bemühen, neue und für Anzing dringend benötigte Gewerbeflächen zu schaffen, ohne die Erschließung durch den Ort stattfinden zu lassen, waren Finauer, Friedrich und Alte und dem gesamten Gemeinderat am Ende nur noch eine Variante übrig geblieben: Die Bebauung zwischen dem gemeindlichen Friedhof und der Autobahn. Nicht ideal, wie man einräumt, aber die einzige Karte, die man derzeit noch spielen zu können glaubt. Der Druck nämlich aus Reihen des örtlichen Gewerbes ist nach wie vor groß und die Sorge, dass eingesessene Betriebe Anzing den Rücken kehren könnten, nicht gewichen.

Die Lösung, auf die nun alles hinauszulaufen scheint, geht so: Die besagte Fläche, die der örtliche Agenda-Arbeitskreis Ortsgestaltung unbedingt unangetastet lassen möchte, wird von Lidl mit einem neuen Supermarkt bebaut, der nur geringfügig größer wird als der bestehende Markt nur einen Steinwurf weit weg auf der anderen Straßenseite. Außerdem entsteht ein Kreisverkehr zur Anbindung. Den werde man derzeit vielleicht noch nicht brauchen, sagt Reinhardt Friedrich, aber in Zukunft nach seinem Dafürhalten allemal. Für das dann frei werdende Areal (wo sich der jetzige Lidl-Markt befindet) hat man, hieß es jetzt in einem Gespräch mit der Heimatzeitung hieß, bereits einen konkreten Interessenten, der sogar das bestehende Lidl-Marktgebäude nutzen würde. Zwei weitere Gewerbebetriebe seien zudem auf der Fläche unterzubringen.

Damit aber hat die Gemeinde allenfalls die dringlichsten unter den dringlichen Begehrlichkeiten nach neuen Gewerbeflächen befriedigt. „Wir sind bei der Suche nach weiteren Optionen noch lange nicht am Ende“, sagt 2. Bürgermeister Florian Alte. Wo man die Gewerbeflächen herbeizaubern kann, die Anzing für dringend erforderlich hält, das weiß man im Moment aber offenbar wirklich nicht.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Erdbeben beschädigt Poinger Schule
Nicht nur Privatpersonen haben nach dem Erdbeben vom Samstag, 9. September, frische Schäden an ihren Häusern und Wohnungen festgestellt, sondern auch das Landratsamt.
Erdbeben beschädigt Poinger Schule
Magdalena aus Ebersberg
Ein Schwesterchen haben Johanna (5) und Michael (2) bekommen – und alle sind überglücklich. Magdalena ist das dritte Kind von Christina und Michael Winhart aus Ebersberg …
Magdalena aus Ebersberg
Kiosk wird größer und ansehnlicher
Schöner und gemütlicher: Das soll der neue Kiosk am Poinger Badesee sein. Betreiber Jans Mende will bis zur nächsten Badesaison umbauen und erweitern.
Kiosk wird größer und ansehnlicher
Das „Straßerl“, das zum Bauwerk wurde
Die Grafinger Ostumfahrung ist am Mittwoch feierlich eröffnet worden. Es gab Gesten, Seitenhiebe und die Mahnung zur Verkehrswende.
Das „Straßerl“, das zum Bauwerk wurde

Kommentare