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Die alte Gaststube soll erhalten bleiben.

Ortsmitte Anzing

In „Alte Post“ zieht neues Leben ein

Denkmalschutz heute: Das ist der mühevolle Versuch, die Bewahrung alter Bauten in Einklang zu bringen mit Fragen der Wirtschaftlichkeit. Die „Alte Post“ in Anzing ist ein Paradebeispiel dafür.

Anzing – Kurz vor Weihnachten wird der Anzinger Bauausschuss ein weiteres Mal ein Thema behandeln, das in diesem Gremium in den letzten fast zwei Jahren schon mehrfach „aufgeschlagen“ war. Es geht um die „Alte Post“ in der Hirnerstraße und um die Frage, wie es weitergeht nach dem Verkauf der historischen Immobilie durch die Familie Finauer an die Objekt- und Immobiliengesellschaft RCS aus Landshut.

Der Bauausschuss tagt am 19. Dezember. Bis zum Stichtag 11. Dezember (bis dahin werden im Rathaus Anträge für diese Sitzung angenommen) will die RCS (Real Consult Services) überarbeitete Pläne soweit präsentieren können, dass sie im Ausschuss das möglichst ungeteilte Wohlwollen erfahren.

Ralph Schönauer, Justiziar bei der RSC, geht davon aus, dass bis dahin eine konsensfähige Planung vorliegen wird, die nicht nur die Bauausschussmitglieder begeistert, sondern auch die zuständigen Stellen im Landesamt für Denkmalpflege und bei der unteren Denkmalbehörde im Ebersberger Landratsamt.

Es ist bereits der vierte Anlauf, den die neuen Eigentümer der imposanten Immobilie im Herzen Anzings unternehmen, um wieder Leben in das ehrwürdige Wirtshaus zu bringen. Zurzeit wohnen dort gut zwei Dutzend Handwerker, die sich für ihre Firmen auf Montage befinden und in den Pensionszimmern des früheren Betreibers Übernachtungsmöglichkeiten auf Mieterbasis nutzen.

Das aber ist nicht das, was Schönauer und die Mitgesellschafter der RCS mit dem Gasthaus planen. Stand heute ist: Die ehemalige Gaststube soll in jedem Fall weiterhin Wirtshaus bleiben. Am liebsten mit einer anspruchsvollen heimischen Küche, wie es heißt. Im Altbau darüber soll ein Hotel entstehen. Der im hinteren Bereich liegende neuere Teil kann ebenfalls Hotel werden, muss es aber nicht. Auch Eigentumswohnungen seien vorstellbar, so Schönauer gegenüber der EZ. Diese Frage habe man abschließend noch nicht für sich beantwortet.

Warum? Im Alt- und Neubau könnte man zusammen circa 35 Hotelzimmer schaffen. Das sei, so Ralph Schönauer, für eine Kette zu wenig und für einen privaten Hotelbetreiber womöglich zu groß. Würde man Hotelzimmer nur im Altbau unterbringen, käme man nach seinen Berechnungen auf maximal 45 Betten.

Ein Hotel mitten in Anzing zu bauen, sei nicht die allererste Option gewesen, fügt er an. Die ersten Ideen sahen eine reine Wohnnutzung vor. Das fand zunächst großen Anklang in den kommunalen Gremien, erzeugte aber Bedenken bei den Denkmalschützern. Bei einem zweiten Anlauf hatte man die Pläne den Vorstellungen des Denkmalschutzes angepasst, fand damit aber nicht das Wohlwollen im Gemeinderat.

Auch ein dritter Vorschlag war unter allen Beteiligten auch nicht konsensfähig. Die Auffassungen gingen bei der „Alten Post“ so weit auseinander, dass auch Landrat Robert Niedergesäß zwischenzeitlich eingeschaltet wurde, um im Thema endlich weiterzukommen. Das war heuer im Oktober der Fall.

Um drei Details wurde immer wieder gestritten: Eine vom Denkmalschutz geforderte deutliche optische Absetzung von Alt- und Neubau, eine von den Investoren für unverzichtbar gehaltene zweite Gaubenreihe im Dachbereich des Altbaus und Balkone auf der Südseite.

Als nicht mehr problematisch wird inzwischen die Altlasten-Thematik angesehen. Um die erforderlichen Stellplätze nachweisen zu können, wird laut Schönauer eine Tiefgarage unter dem künftigen Neubau entstehen müssen. Genau dort, wo sich früher einmal eine chemische Reinigung befand, die, wie berichtet, ihre Spuren nachweislich noch lange Jahre nach ihrem Ende hinterlassen hatte.

Schönauer betont, dass das, was demnächst im Ausschuss vorgelegt werden wird, das ist, was der Objektgesellschaft wirtschaftlich noch vertretbar erscheint. Bei der Fenstergestaltung werde man noch Änderungen vornehmen. Auf die zweite Gaubenreihe wird man indes verzichten (müssen), heißt es.

Sollte es, was bei den Gesellschaftern gegenwärtig niemand erwartet, keine Lösung nach den bevorstehenden Terminen bis Weihnachten geben, sei ein Verwaltungsrechtsstreit nicht ausgeschlossen. Lieber aber ist Schönauer und der RCS, vom möglichen Baubeginn im kommenden Frühjahr zu reden.

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