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Ein überzeugter Ministrant seit zwei Jahrzehnten

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Von: Jörg Domke

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Christian Mader als Ministrant bei einer Firmung in seiner Anzinger Heimatgemeinde.
Christian Mader als junger Ministrant bei einer Firmung in seiner Anzinger Heimatgemeinde. © privat

Den christlichen Kirchen gehen seit einiger Zeit reihenweise Mitglieder verloren. Aber es gibt auch andere Geschichten zu erzählen. Etwa die über 20 Jahre Ministrantendienst.

Anzing – Beim Pfarrgottesdienst in der katholischen Kirche Mariä Geburt (Beginn: 10.30 Uhr) wird am Sonntag auch Christian Mader wieder zu Gast sein. Dort war der 29-Jährige schon ungezählte Male. Diesmal aber wird vorübergehend etwas ganz anders sein für ihn als sonst. Mader wird für 20 Jahre Ministrantentätigkeit von Pfarrer Bernhard Waldherr ausgezeichnet werden.

Und auch Vanessa Wadsack und Philipp Strehlow bekommen am Vormittag besondere Anerkennungen für jeweils zehn Dienstjahre. Zugleich werden in der Anzinger Pfarrei zehn neue GottesdiensthelferInnen in ihre Ämter aufgenommen. Ein großer Tag also für die Minis.

Mader war, man muss nicht groß rechnen können, neun, als er erstmals mit jenen Minis in Kontakt kam. Nach dem ersten Treffen damals aber hatte der Bub „kalte Füße“ bekommen, wie er dieser Tage erzählt. Erst als ihn der damalige Pfarrer Alois Hopf nochmals ansprach, blieb Mader. Und traf damit für sich eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat.

Ehrungen am Sonntag im Pfarrgottesdienst in Anzing

Was ihn ohne Zweifel das Ministrantendasein erleichterte: Seine Mutter ist seit 2008 Co-Mesnerin, war lange im Pfarrgemeinderat und Lektorin. Und sein Vater als gelernter Techniker jemand, der immer wieder handwerklich aushalf, wenn es was rund um die Pfarrei zu richten gab. Diese tiefen Bindungen des Elternhauses zum Glauben seien natürlich sehr hilfreich gewesen, sagt Mader, dessen Freude am ehrenamtlichen Mitwirken bei Gottesdiensten und darüber hinaus bis heute ungebrochen scheint.

Stress? Nein. Bei derzeit 54 jungen Leuten, die in Anzing Dienst tun, komme man ohnehin nur alle drei, vier Wochen mal dran. Das sei absolut überschaubar und mit dem Beruf vollkommen vereinbar, so Mader. Er ist Jurist am Landratsamt Erding in der Abteilung öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Die allgemeine Krise der christlichen Kirchen derzeit, so seine persönliche Einschätzung, schlage noch nicht durch bis ins Ministrantenwesen. Aber man merke inzwischen schon, dass der Aufwand größer werde, junge Leute für den Dienst als Ministrant zu begeistern.

„Mehr als nur dem Pfarrer einen Kelch zu reichen“

Längst bedient man sich hier und da dabei auch neuer Werbemethoden. Und da ist Christian Mader nicht ganz unbeteiligt. Schon mehrere auch schon öffentlich gezeigte Filme gehen auf ihn zurück. Ein Hobby, bei dem ihm ein befreundeter Mediengestalter immer mal wieder wertvolle Tipps gab. 2010 entstand bereits der erste Mini-Werbefilm, mit dem man in die Grundschule ging. Vor dem Hintergrund Corona wurde der Streifen zuletzt gar aktualisiert.

Die Botschaft darin war und ist klar. Ministrant zu sein bedeutet mehr, als nur dem Pfarrer hier und da mal einen Kelch zu reichen, sagt Mader. Vor allem mache es sehr viel Spaß, in einer Gemeinschaft zu agieren, in der schnell auch soziale Kontakte entstünden. Acht seiner nun 20 Ministrantenjahre war Mader Oberministrant. Etwas, was in ihm Ort durchaus bekannt machte, wie er sagt. Auf der Straße könne es schon mal passieren, von Leuten freundlich begrüßt zu werden, ohne dass man spontan wisse, um wen es sich da eigentlich handele.

Im Hauptberuf ist Mader Jurist im Landratsamt Erding

Wie lange er noch den Mini-Dienst erledigen möchte? Eine Antwort darauf ist dem 29-Jährigen nicht zu entlocken. Ein Alterslimit gebe es schließlich nicht. Gerne erinnert sich Mader an noch gar nicht so lange zurückliegende Zeiten zurück, als in Anzing Josef Stöber, jemand aus der Generation Ü 70 und ehemals Mesner, bei dringendem Bedarf auch als Mini aushalf. Mader sagt mit einem schelmischen Augenzwinkern: „Ich höre erst auf, wenn die Kirche komplett restauriert ist.“

Im Idealfall läuft der Dienst aus Ministrantensicht ohne besondere Vorkommnisse ab. Aber in zwei Jahrzehnten erlebt man auch Anekdotisches. Etwa 2012, als er im Verlauf eines Firmgottesdienstes zunächst Bischof Siebler ein Liederblatt zum Ablesen vor die Nase hielt, der aber bei der zweiten Strophe das Blatt genau umdrehte und ihm, dem Mini, beim Weitersingen Hilfestellung gab. Oder 2009, als Christian Mader Friedrich Kardinal Wetter, weil es die Liturgie so verlangte, die Hände wusch, dabei aber viel zu viel Wasser auskippte und den hohen Kirchenvertreter fast „flutete“. Und Wetters Reaktion? Christian Mader erinnert sich noch gut: „Der Kardinal hat’s einfach weggelächelt“.

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