Marcel Menzel Corona Testzelt
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Marcel Menzel in einem der Corona-Testzelte.

Aus Anzing in die Welt

So sieht es in einem Corona-Testzelt aus Anzing aus

  • vonJörg Domke
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Der Verleih von Partyzelten ist auf Null gegangen. Stattdessen setzt das Anzinger Unternehmen mastertent jetzt auf Corona-Testzelte, die in Apotheken zum Einsatz kommen sollen.

Anzing – Marcel Menzel wirkt in diesen Tagen um Ostern sehr optimistisch. In ein paar Wochen, vielleicht in zwei oder drei, könnten Corona-Testungen bundesweit in zahlreichen Apotheken schon zu einem Routinevorgang geworden sein. Doch nicht jeder Apotheker, der hier mitmachen möchte, verfügt bei sich im Geschäft über die Raumkapazitäten, die womöglich erforderlich sein werden, um auch serienmäßig Kundinnen und Kunden auf das Covid-19-Virus zu untersuchen und gleichzeitig die strengen Abstandsregeln einzuhalten.

Genau für diese Klientel hat die Anzinger Firma mastertent, für die der 35-Jährige arbeitet, zusammen mit ihrem Partner in Südtirol schon 2020 mobile Testzelte konzipiert. Im Landkreis Ebersberg kommen sie bereits seit einiger Zeit bei der Marien-Apotheke in Ebersberg sowie in Glonn zum Einsatz. Ansonsten wurde sie – vorwiegend an andere Apotheken bundesweit – von Anzing aus geliefert. Auch in anderen Ländern, einschließlich den USA, sind die Erzeugnisse aus Südtirol schon verkauft worden.

Vertrieb aus dem oberbayerischen Anzing

Entworfen wurden die Testzelte in Südtirol. Beteiligt daran waren unter anderem auch Ärzte. Mastertent, die seit 25 Jahren in Anzing sesshaft sind, hat derzeit zwei Typen im Sortiment. Die kleinere Variante misst 1,5 mal 1,5 Meter und besteht aus einer durch dicke Planen an den Seiten und hinten geschützten Arbeitsplatz für einen Tester sowie einen überdachten Vorbereich für die Testperson. Durch ein PVC-Fenster, in das zwei Arm-Gamaschen eingearbeitet sind, korrespondiert und agiert der Tester mit der zu testenden Person. Dank der Gamaschen kann so sicher ein Test vorgenommen werden, ohne dass der Tester in einen besonderen Schutzanzug schlüpfen müsste, erklärt der Poinger. Entsprechende Zertifizierungen für medizinische Produkte liegen mastertent vor. Über eine eingelassene Schleuse gelangt das Testmaterial schließlich zum Tester. „Ein“, so der Marketingleiter der Firma mastertent, „sicheres Verfahren“.

Auf dem Markt ist dieses besondere Zelt seit gut einem Jahr. Anfangs, berichtet der gelernte Betriebswirt, sei das Interesse eher dosiert gewesen. In Deutschland sei eine Apotheke aus Gütersloh sozusagen in der Vorreiterrolle gewesen, in Ostwestfalen startete man mit Apotheken-Testungen heuer im Januar.

Das Unternehmen setzt auf große Nachfrage

Nun hoffen Menzel und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Anzing, dass Apotheken-Testungen in ganz Deutschland umgehend an Fahrt aufnehmen und der Bedarf an Teststationen, wie sie in Anzing vertrieben werden, stetig steigen wird. Einiges sei derzeit noch auf Lager, den Rest werde man „just in time“ produzieren, wenn es erforderlich werde, so Menzel in einem Gespräch mit der EZ. Rund 50 Testzelte, ausgeliefert von Anzing aus, sind zurzeit schon in der Bundesrepublik im Einsatz, weitere 100 Stück standen zum Recherche-Zeitpunkt kurz vor der Auslieferung.

Zielgruppen sind aber nicht nur Apotheken. Vorstellbar sei ein Einsatz der Spezialzelte auch in Betrieben, die etwa selber Tests bei ihren Mitarbeitern vornehmen wollen, so Menzel.

Im Sortiment hat mastertent auch eine größere Variante, die drei mal drei Meter groß ist. Im Prinzip funktioniert dieses Testzelt genau so wie der kleine Partner. Zusätzlich integriert ist ein zweiter Arbeitsbereich, in dem eine zweite Person tätig sein soll, die für den „Check in“ verantwortlich ist, also für den schriftlichen Kram, der bei Testungen wohl nicht zu vermeiden ist.

Corona-Testzelt ist in 5 Minuten aufgebaut

Aufgebaut sind die Zelte selbst für Kunden mit eher durchschnittlichen handwerklichen Fähigkeiten in knapp fünf Minuten. Keine kühne Behauptung übrigens, denn der Zeltexperte aus der Anzinger Fuggerstraße stellt den Beweis dafür vor den Augen des Chronisten gleich her.

Speziell in die Vereinigten Staaten hat mastertent auch noch eine Riesenvariante entwickelt. Eine „Drive-in-Lösung“, sagt Menzel. Amerikaner scheinen bekanntlich kein Problem damit zu haben, Corona-Tests an sich vornehmen zu lassen, ohne dabei ihre Automobile verlassen zu müssen.

Normalerweise verleiht mastertent Partyzelte

Gewöhnlich, und außerhalb von Pandemien, ist der Anzinger Fachbetrieb Anlaufstelle für Kunden, die Zelte für Events, für gastronomische Zwecke oder bei Messen benötigen. Alles Bereiche, die wegen Corona im vergangenen Geschäftsjahr nahezu vollständig weggebrochen sind. Deshalb musste mastertent in Anzing auch Kurzarbeit anmelden. Die soll nun im April wieder aufgehoben werden; nicht nur wegen der Testzelte, sondern vor allem auch, weil es laut Menzel zarte Anzeichen gibt, dass sich der Markt ganz langsam, aber dennoch wieder normalisiert. In der Fuggerstraße sind zehn Mitarbeiter beschäftigt. Der aktuelle Erfolg mit den mobilen Zelten für Corona-Testungen hat die Einbußen des Vorjahres allenfalls ein wenig lindern können, heißt es.

Besondere Corona-Zelte, aber ganz anderer Bauart, hatten die Entwickler von mastertent übrigens schon 2020 auf den Markt gebracht, dabei war es um Besucher-Zentren gegangen. Mobile Lösungen, die es ermöglichten, dass Menschen Angehörige in Altenheimen besuchen konnten, ohne die Einrichtung betreten zu müssen. Lieferbar seien solche Zelte sagt Marcel Menzel, noch immer, aber die Nachfrage sei insgesamt nicht wirklich groß gewesen.

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