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Fühlen sich wohl in Anzing: Rettungsassistentin Sarah Baur und Wachleiter David Krause mit ihrem Arbeitsgerät.

Rettungswache Anzing

Mehr Einsätze, schnellere Hilfe

Drei bis vier Einsätze jeden Tag: Das Team der MKT-Rettungswache in Anzing hat viel zu tun. Wir haben es besucht.

Anzing – Wenn man einen Beweis gebraucht hätte, dass der seit nunmehr gut zwei Jahren in Anzing stationierte Rettungswagen viel zu tun hat, so habe ich ihn als Autor dieses Artikels hautnah erhalten. Um 10 Uhr war ich mit dem Wachleiter der Anzinger Rettungswache, David Krause, verabredet, um ein Gespräch für diesen Artikel zu führen. Um kurz vor 10 erreicht mich eine SMS: „Sind gerade im Einsatz. Sollten gegen 10.45 Uhr wieder an der Wache sein.“ Als ich dann um 10.45 Uhr an der Wache stehe, ist der Rettungswagen noch nicht in der Garage. Kurz drauf erreicht mich erneut eine SMS: „Sorry, Folgeeinsatz. Melde mich, wenn wir wieder daheim sind.“

Gegen 12.30 Uhr sind David Krause und seine Kollegin Sarah Baur schließlich wieder an der Wache. „Drei Einsätze heute schon, nicht alltäglich, aber auch nichts Besonderes“, ordnet David Krause die bisherige Schicht ein. Seit seiner Installation im Juni 2016 sei der Rettungswagen bereits 2.900 Einsätze gefahren, zieht der Wachleiter Bilanz. Davon allein 1 600 seit dem Umzug der Wache in den Anzinger Gewerbepark vor circa einem Jahr. Im Durchschnitt seien das 3,7 Einsätze pro 12-Stunden-Schicht. „Wenn man rechnet, dass ein Einsatz mit Transport ins Krankenhaus eineinhalb bis zwei Stunden dauert, sind wir schon ganz schön viel unterwegs“, ergänzt seine Kollegin Sarah Baur.

Derzeit ist die Wache zwölf Stunden pro Tag, von 8 Uhr bis 20 Uhr, besetzt und der Erfolg seit der Eröffnung ist messbar. Die gesetzliche Hilfsfrist von zwölf Minuten konnte laut dem Zweckverband für Rettungswesen und Feuerwehralarmierung (ZRF) öfter eingehalten werden: „Im Jahr 2013 (vor der Eröffnung der Anzinger Wache, Anm. d. Redaktion) haben sich im Versorgungsbereich der Rettungswache Markt Schwaben, hierzu gehört planerisch der Stellplatz in Anzing, insgesamt 2855 Notfallereignisse ereignet. Davon konnten 86,15 Prozent innerhalb von 12 Minuten erreicht werden. Im Jahr 2016 haben sich im Versorgungsbereich der Rettungswache Markt Schwaben insgesamt 3451 Notfallereignisse ereignet (+ 596). Davon konnten 90,67 Prozent innerhalb von 12 Minuten erreicht werden (+4,52 Prozent). Das bedeutet, dass trotz einer Steigerung der Einsatzzahlen der Bevölkerung schneller geholfen werden konnte.“ Aus diesen Zahlen lässt sich schließen, dass die Wache wohl auch länger als die bisher veranschlagten fünf Jahre bestehen bleiben wird. Nach dieser „Testphase“ wird vom ZRF entschieden, wie es mit der Rettungswache weiter geht.

Der Zweckverband teilt hierzu mit, dass das sog. TruSt-Gutachten, mit dem die Rettungsdienstversorgung in Bayern gemessen wird, in nächster Zeit erstellt wird. Sobald dieses vorliegt, könne man nähere Auskünfte zum Fortbestand der Wache Anzing machen. Neben einer Schließung der Wache könne aber auch eine Erweiterung auf eine 24-Stunden-Besetzung durch die Studie angezeigt sein.

Für die Wachmannschaft wäre es schade, wenn nach fünf Jahren wieder Schluss wäre, denn mittlerweile sei man so richtig angekommen in Anzing, sagt David Krause. Man müsse bedenken, dass der MKT ja bisher keine Wachen im Landkreis hatte. Das Personal, das vorher größtenteils in München mit dem Rettungswagen unterwegs war, musste sich erst mühsam Ortskenntnis erarbeiten. „Wir bekommen zwar die Einsatzdaten von der Leitstelle direkt aufs Navi geschickt, aber trotzdem ist Ortskenntnis unverzichtbar“, erklärt David Krause. Von Vorteil sei hierbei gewesen, dass es einige Mitarbeiter gebe, die im Landkreis wohnen und von denen man schnell habe lernen können.

Insgesamt seien es derzeit zehn bis zwölf Mitarbeiter, die überwiegend auf der Wache Anzing arbeiten. David Krause als Wachleiter kümmert sich dabei neben seinen regulären Schichten als Rettungsassistent auch um alles Organisatorische, darunter die Instandhaltung der Wache und des Fahrzeugs sowie Bestellung von Sanitätsmaterial aus der MKT-Zentrale in München. „Das funktioniert alles einwandfrei, obwohl wir ja ein bisschen außerhalb von München sind“, zeigt er sich zufrieden. Ein großes Plus ist die Zusammenarbeit mit den anderen Rettungswägen und den Feuerwehren im Landkreis. „Man kennt sich mittlerweile und es ist eine wirklich gute Zusammenarbeit. Die ist unverzichtbar, denn schließlich geht es ja oft um Menschenleben. Da muss alles reibungslos funktionieren, egal welches Abzeichen man auf der Jacke hat. Das läuft hier wirklich ausgezeichnet“, sagt Sarah Baur.

Auch mit der Container-Unterkunft im Gewerbepark ist die Wachmannschaft sehr zufrieden. Die große Sorge vor Hitze im Sommer und Kälte im Winter, die man noch im letzten Jahr hatte, habe sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. „Die Container sind innen fast wie ein festes Gebäude. Wenn man sich das Ganze ein bisschen häuslich einrichtet, merkt man eigentlich keinen Unterschied“, so David Krause. Auf die Frage, ob sie einen Unterschied zwischen ihrer früheren Rettungsdienst-Tätigkeit in München und der in Anzing merken, antworten beide fast wie aus einem Mund: „Hier gibt es noch mehr Miteinander. Man kennt sich, man schaut aufeinander. In München ist das anders.“ Auch deswegen sind beide so gerne in Anzing tätig.

Tobias Bönte 

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