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Sieben auf einer Bühne: Viktoria Schinagel, Johannes Bachmayer, Maria Finsterhölzl, Helga Scholz, Florian Öttl, Ferdinand Öttl und Franz Finauer spielen ab dem 11. November den Schwank „Schmugglerbazi“.

Theaterverein Anzing

Fans sogar aus Norddeutschland

  • vonJörg Domke
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Kein Witz: Zu den Vorstellungen des Theatervereins Anzing reisen sogar Fans aus Norddeutschland an. Am 11. November geht‘s wieder los.

Anzing – Regungslos sitzt Gabriele Risch auf einem Stuhl direkt vor der Bühne im katholischen Pfarrheim. Oben proben Mitglieder des Anzinger Theatervereins das Stück, das am 11. November Premiere feiert – und für das am morgigen Samstag der Vorverkauf startet. Wenn Risch sich nicht rührt und nicht flüstert, ist das ein gutes Zeichen: Sie ist die Souffleuse. Die eingreift, wenn Darsteller ihren Text vergessen sollten. Etwas abseits von der Bühne beobachtet Spielleiter Martin Öttl aufmerksam das Geschehen. Er achtet darauf, dass die Theaterfreunde rechtzeitig auf die Bühne kommen für die nächste Szene, dass die Übergänge passen, die Sprache, die Lautstärke, die Körperhaltung, die genaue Position der Akteure zueinander und in Richtung Publikum. Er ist zufrieden.

Das ist auch Katharina Hartl, Tochter des Theaterverein-Gründers Franz Hartl. Sie ist im vierten Jahr Vorsitzende des Vereins, dessen Hauptaufgabe darin besteht, einmal im Jahr ein volkstümliches Stück auf die Bühne zu bringen und den Anzingern ein paar vergnügliche Stunden zu bereiten. Katharina Hartl drückt es so aus: „Wir wollen, dass unsere Gäste einen schönen Abend verleben und hier bei uns gemütlich verweilen, dass sie vielleicht auch gemeinsam etwas essen und zusammen lachen.“ Die Besucher kommen nicht nur aus Anzing und Umgebung, sondern sogar aus Norddeutschland angereist.

Sie alle werden heuer in die Berge entführt, nahe der bayerisch-österreichischen Grenze. Es geht um Schmuggel, um illegale Schnaps-Transporte von A nach B. „Schmugglerbazi“ heißt der Schwank aus der Feder von Ralph Wallner. Das Stück spielt in der Zeit zwischen den Weltkriegen.

Johannes Bachmayer als Wasti, Viktoria Schinagel aus Forstinning als Fini, Maria Finsterhölzl in der Rolle der Paula, Helga Scholz (sie spielt die Hanna), der „Bockerer“ Florian Öttl, Ferdinand Öttl („Baron“) und Franz Finauer jun., der „Fuchs“, sind in den sieben Rollen vertreten. Erste Vorbereitungen für die Spielzeit 2018 traf die Vereinsführung bereits im April, intensiv geprobt wird seit September. Bis zur Premiere wird das Ensemble insgesamt 16 Probenabende absolviert haben. Zwei pro Woche, sagt Spielleiter Öttl, von Beruf Landschaftsgärtner.

Zum dritten Mal ist er für ein Stück verantwortlich, er hat die Nachfolge von Helmut Mütze angetreten, der insgesamt 17 Mal Spielleiter war. Regisseur zu sein, erzählt Martin Öttl, sei anstrengender als auf der Bühne zu stehen, das Lampenfieber viel größer. Er kennt beide Seiten, in den vergangenen Jahren war er oft selbst Darsteller auf der Bühne. Seit 33 Jahren ist er im Verein aktiv.

Der hat zurzeit 57 Mitglieder, etwas über 20 davon sind aktive Laienschauspieler. An Nachwuchs mangelt es nicht in Anzing, auch wenn so eine Saison nichts ist, was man so nebenbei erledigt.

Zum Beispiel Franz Finauer, der Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters. Auf seinem Smartphone hat er sich das Skript des Stücks eingescannt und seine Textstellen gelb markiert. Zum Üben, wenn gerade Zeit dafür ist, sagt er. Damit der Text sitzt und die Souffleuse nicht einzugreifen braucht.

Hilfreich sind hinter der Kulisse zwei Inspizienten (Petra Obermayer und Karin Öttl). Sie weisen die Akteure darauf hin, wann sie auf die Bühne oder welche Requisiten sie dabei haben müssen. Bei den Aufführungen helfen ihnen dabei zwei Monitore, die das jeweils aktuelle Bühnenbild übertragen.

Dass das technisch alles möglich wird, dafür sorgt Daniel Miethamer, von Beruf Elektriker. Für die rustikale Kulisse einer Berghütte, dem Hauptschauplatz im Stück „Schmugglerbazi“, haben sich Gerhard Strasser, Benno Stadler und Andreas Böhm ins Zeug gelegt. Ihre Berufe bzw. ihre Fähigkeiten, mit Holz umzugehen, waren dabei sehr dienlich.

Dass die Schauspieler optisch optimal rüberkommen, darum kümmern sich Regina Bösl, Caroline Risch, Sandra Scheibenzuber und Helga Scholz.

Die gute Arbeit der vergangenen Jahre gibt dem gesamten Verein recht. Wegen der großen Resonanz hat man sich, sagt Katharina Hartl, entschlossen, statt der früher üblichen sechs Aufführungen nun sieben anzubieten. Die meisten Fans kämen sicherlich aus dem Dorf selber, aber der Verein habe auch Anhänger aus Norddeutschland, die jedes Jahr nach Anzing kommen, um echtes Volkstheater zu erleben.

Die Premiere am Sonntag, 11. November, beginnt um 19 Uhr. Die weiteren Termine: 16. und 17. November, (jeweils ab 20 Uhr), 18. November (19 Uhr) sowie 23. und 24. November (20 Uhr) und 25. November (19 Uhr). Karten kosten neun Euro. Pro Termin haben im Pfarrheim 140 Besucher Platz. Reich werde man damit nicht, sagt die Vorsitzende Katharina Hartl, aber die Kosten seien gedeckt.

Der erste Vorverkauf findet am morgigen Samstag, 27. Oktober, ab 8 Uhr im Pfarrheim statt. Restkarten gibt es ab Montag in der Anzinger Raiffeisenbank. Die Generalprobe ist für den 10. November, 14 Uhr terminiert.

Internet

www.theaterverein-anzing.de

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