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Buben wie Wladislaw (li.) und Evgenij würden gerne ihre Ferien in Bayern verbringen, um sich zu erholen.  

Wolinzy-Hilfe

Gasteltern dringend gesucht

Im Juni werden wieder zahlreiche Kinder aus der Gegend von Tschernobyl in den Landkreis kommen, um sich zu erholen. Aber es fehlen noch Gasteltern.

Anzing – Ende April jährt sich schon zum 32. Mal der Katastrophentag von Tschernobyl, als nahe der Grenze zwischen der Ukraine und Weißrussland ein Atomreaktor explodierte und die mit extremer Strahlung verseuchte Giftwolke bewusst über dünn besiedeltes Gebiet abgeregnet wurde. Noch heute leben dort Familien, noch heute müssen sie nahezu ohne staatliche Hilfe zurechtkommen. Viele Menschen leiden an massiven gesundheitlichen Dauerschäden.

„Am schlimmsten betroffen sind leider die Kinder“, weiß Ingeborg Nünke aus ihrer langen Erfahrung. Sie hat kurz nach der Katastrophe die Anzinger Initiative „Hilfe für Kinder aus der Gegend von Tschernobyl“ gegründet. „Wir konzentrierten uns auf Wolinzy“, erzählt sie. „Das Dorf liegt mitten im riesigen Sperrgebiet.“

Atomare Strahlung kann man nicht riechen, spüren oder schmecken, trotzdem ist sie in Wolinzy allgegenwärtig. Vor allem im Boden und Früchten, in der Nahrung und in allen Lebewesen. Erst wenn Krebs, Geschwüre und Immunschwäche krank machen, werden die gesundheitlichen Schäden offensichtlich. Kindern kann am ehesten geholfen werden, wenn sie sich in gesunder Luft ein paar Wochen erholen können. „Wir betreuen alle Kinder der früheren Sowchose Wolinzy und deren Familien. Menschen leiden dort noch immer unter extremer Strahlenbelastung, sie alle erdulden Missstände wie Armut, Arbeitslosigkeit, Alkoholmissbrauch und Gewalt im Elternhaus, zumeist ausgelöst durch die Stilllegung von Landwirtschaft und Infrastruktur“, berichtet Ingeborg Nünke.

Die Lebensmittelversorgung bestehe nur aus dem, was der verseuchte Boden an Früchten und Gemüse hergibt. Die Folgen sind Nährstoffmangel und Immunschwäche. Schon einfache Kinderkrankheiten lösen eine Epidemie aus, so dass die Schule oft geschlossen ist.

Es ist dennoch möglich, das Leid der Kinder zu lindern: Mit einem Ferien-Aufenthalt in gesunder Umgebung. „Helfen Sie, indem Sie ein Kind aus dem radioaktiv belasteten Wolinzy in Weißrussland für vier Wochen zu sich einladen und an Ihrem Familienleben teilhaben lassen“, bittet Nünke. „Hier kann es durch gesunde Ernährung sein geschwächtes Immunsystem stärken.“

Die Initiative hat die jungen Gäste für die Zeit von Sonntag, 24. Juni, bis Montag, 23. Juli, eingeladen. Kostenaufwand für Fahrt und Versicherungen wird vom Verein übernommen. „Wer ein oder mehrere Kinder nicht für vier Wochen aufnehmen will, sollte sich trotzdem melden“, bittet Ingeborg Nünke. „Es können sich diese Zeit mehrere Familien teilen.“ Sie bittet um finanzielle Unterstützung, wenn es jemanden gibt, der keinen Platz hat, aber helfen möchte. „Bitte melden Sie sich bald, wegen der Organisation drängt die Zeit“, bittet Nünke.

dul

Kontakt: anzinger.initiative@gmail.com

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