Hans Gnahn, Neurologe, ist Chef der Alzheimer Gesellschaft.

Arzt appelliert: Helft den Angehörigen!

Ebersberg - „Demenz - Jede/r kann etwas tun“: Dass dieses Motto des Welt-Alzheimertages am Sonntag, 21. September, ernstgenommen wird, wünscht sich Hans Gnahn, Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft - Landkreis Ebersberg.

Dem Mediziner liegen nicht nur die Betroffenen, sondern auch deren pflegende Angehörige am Herzen. Anlässlich des Welt-Alzheimertages appelliert der Ebersberger Neurologe „an die Gesellschaft, auch diese Angehörigen zu unterstützen“.

Dies sei ihm „schon lange ein Anliegen“, sagt Gnahn. Er war vor rund 15 Jahren einer der Mitbegründer der Alzheimer Gesellschaft - Landkreis Ebersberg. Sie ist Mitglied der Deutschen Alzheimer Gesellschaft - Selbsthilfe Demenz. Der gemeinnützige Verein und seine Mitgliedsgesellschaften beteiligen sich alljährlich an dem seit 1994 immer am 21. September rund um den Globus den Fokus auf Alzheimer-Kranke und ihre Angehörigen richtenden Motto Welt-Alzheimertag. Er will über die Erkrankung informieren, von der Politik bessere Rahmenbedingungen für ihre Erforschung und Behandlung fordern, aber auch Verständnis für Demenzkranke und pflegende Angehörigen wecken.

Wie wichtig das ist, erlebt Hans Gnahn immer wieder in seiner Ebersberger Praxis. „Es kommen immer wieder pflegende Angehörige in meine Sprechstunde, die mit ihren physischen und psychischen Kräften fast am Ende sind und auch unter depressiven Verstimmungen leiden“, sagt der Neurologe. „Was diese Menschen dringend brauchen, sind auch mal Freiräume, Auszeiten nur für sich“, sagt der Mediziner. Caritas, Sozialpsychiatrischer Dienst und ambulante Pflegedienste im Landkreis Ebersberg böten hier zwar dankenswerter Weise Möglichkeiten an, getan werde müsse in dieser Hinsicht aber noch viel mehr, wünscht sich Gnahn. Dies könne schon in der Familie und bei Freunden beginnen, die den pflegenden Angehörigen Freiräume verschafften. Eine weitere Möglichkeit wären vermehrt Gruppen, die Demenzkranke stundenweise betreuten.

„Unser Ziel ist eine Vernetzung pflegender Angehöriger über das Internet, um sich gegenseitig zu informieren, zu helfen und zu unterstützen.“ Dass die Zeit drängt, belegen Zahlen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft: Weltweit wären rund 44 Millionen Menschen von Demenz-Erkrankungen betroffen, etwa zwei Drittel von ihnen litten an einer Demenz vom Typ Alzheimer. In Deutschland lebten derzeit etwa 1,5 Millionen Demenzkranke. Sollte kein Durchbruch in Prävention oder Therapie gelingen, würde sich ihre Zahl bis 2050 verdoppeln. Dass Prävention schon heute sehr wohl etwas bewirken kann, beweist das von Hans Gnahn vor rund 15 Jahren mit initiierte Interventionsprojekt zerebrovaskuläre Erkrankungen und Demenz im Landkreis Ebersberg, kurz: INVADE. Sein Ziel ist die Reduzierung der Erkrankungshäufigkeit von Schlaganfall und Demenz - und der sich daraus ergebenden Fälle von Pflege- und Hilfsbedürftigkeit. Das ist den am wissenschaftlich begleiteten Präventionsprojekt teilnehmenden Haus- und Fachärzten gelungen: Die Pflegebedürftigkeit ist im Landkreis Ebersberg seit sechs Jahren rund zehn Prozent niedriger als prognostisch erwartet. „Das ist insbesondere der hervorragenden Arbeit der INVADE-Hausärzte und ihrer Präventions-Assistentinnen zu verdanken, die damit eine Vorreiterrolle nicht nur in Deutschland haben“, so Gnahn. Und er erwartet, „dass INVADE unter dem Vorsitz des Hausärztlichen Internisten Othmar Gotzler auch in Zukunft noch Großes leisten wird.“

Gründungsmitglied und bis heute wissenschaftlicher Begleiter von INVADE ist auch der international renommierte Demenz-Epidemiologe Horst Bickel. Für Schlaganfall-Betroffene verdoppelt sich nach Erkenntnissen des Psychologen das Demenzrisiko. Schlaganfall-Risikofaktoren sind Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck - und Bewegungsmangel. Auch, wenn die Prävention schon im mittleren Alter beginnen sollte, zu spät ist es nie: Dr. Gnahn empfiehlt allen Menschen bis ins hohe Alter „mehr Bewegung.“ Denn „körperliche Aktivität ist für das Gehirn wichtiger als bisher vermutet.“

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