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Junges Führungsduo: Produktionsleiter Robert Wendl (30, li.) und Firmenchef Andreas Vratny (28) in der Halle des Steinkirchner Werkzeugherstellers.

Erfolgsgeschichte

Hightech aus dem Hühnerstall

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Aßling - In Steinkirchen bei Aßling produziert eine Firma Fräsen für den Weltmarkt – und konkurriert mit den ganz Großen. Ein Besuch.

In einer Garage nahm die Erfolgsgeschichte von Steve Jobs’ Apple-Konzern ihren Anfang. „Bei uns in Bayern war es eben ein Hühnerstall“, lacht Andreas Vratny (28), Chef des Aßlinger Werkzeugherstellers Hofmann und Vratny. Im kleinen Ortsteil Steinkirchen produziert das Unternehmen, das Vratny von seinem Vater und dessen ehemaligen Geschäftspartner übernommen hat, seit 1987 Präzisions-Fräswerkzeuge aus Hartmetall.

Inzwischen ist die Firma in Deutschland mit mehr als 25 Millionen Euro Jahresumsatz die zweitgrößte ihrer Art; international konkurriert sie mit Konzernen wie Hitachi und Mitsubishi. „Wer da mithalten will, muss immer vorne dran sein, darf nie etwas verschlafen“, betont Produktionsleiter Robert Wendl (30), der eigentlich Schreiner gelernt hat. Viel Geld fließe daher in die Entwicklung und Verbesserung der Produkte.

Qualität ist dabei Trumpf: Die millionenteuren Computerfräsen bearbeiten die Werkstücke mit einer Genauigkeit von einem Tausendstel-Millimeter. „Das bekommt der chinesische Markt noch nicht hin“, sagt der Chef stolz. Genau deshalb habe erst vor kurzem ein großer Handyzulieferer aus Honkong bei den Aßlingern als potentieller Kunde angeklopft. Damit die Konkurrenz aus Fernost nicht an Produktionsgeheimnisse herankommt, herrscht in den Hallen der Firma striktes Fotografierverbot. Für die EZ gab es eine Ausnahme. 

Aus dem Hühnerstall, in dem alles seinen Anfang nahm, ist mittlerweile eine Hightech-Betriebsgelände mit rund 80 Mitarbeitern geworden, die in zwei großen Hallen arbeiten. Die Luft darin ist exakt auf 25 Grad temperiert. Eine Abweichung von mehr als einem Grad würde die Justierung der empfindlichen Fräsmaschinen gefährden. Das Schleiföl der Fräsen wird in einer Filteranlage ständig gereinigt, um Metallrückstände möglichst auszuschließen.

Die Kunden im In- und Ausland honorieren diese Qualitätsstandards. „Momentan wachsen wir knapp zehn Prozent im Jahr“, sagt Vratny. Eine dritte Produktionshalle sei bereits genehmigt. Vor allem für Flugzeugbauer und Fahrzeughersteller hält das Aßlinger Unternehmen eine Palette von rund 7000 verschiedenen Bohr- und Fräswerkzeugen ständig auf Vorrat. Die sind nicht nur für Metall, sondern auch eine Vielzahl anderer Materialien geeignet. So kauft auch der dänische Lego-Konzern Fräswerkzeuge aus dem Voralpenland. Für BMW entwickelte die Firma eigens eine sogenannte „Bananenfräse“, mit der der Autobauer Carbonteile in Form bringt.

Ein Fräser von Hofmann und Vratny kostet je nach Größe und Genauigkeit des Schliffs bis zu 900 Euro. Für Heimwerker ist das nichts. Doch die Industrie ist ganz scharf auf die Hightech-Teile aus dem Landkreis Ebersberg. Damit das so bleibt, zerbricht sich Produktionleiter Wendl an sündteuren Messgeräten über neue Schleifverfahren und Materialien den Kopf. Um ihn herum laufen die Maschinen rund um die Uhr. Nachts sogar in einer vollautomatisierten „Geisterschicht“, denn Zeit ist Geld. Firmenchef Vratny weiß: „Die Produktion darf niemals stehen."

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