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Kleiner Test am Aßlinger Büchsenberg: Marketingchefin Teresa Wimmer und Entwickler Andreas Funkenhauser tragen die Fahrräder.

Leichter über Stock und Stein

TV-Show „Das Ding des Jahres“: Oberbayerische Tüftler erfinden geniales System für Mountainbiker

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Mountainbiker können ein Lied davon singen: Wie trägt man das Fahrrad am besten, wenn eine steile, steinige Passage zu überwinden ist? Die Lösung kommt aus Aßling im Landkreis Ebersberg.

Aßling– „Wir sind Entwickler, es gab keine Lösung, jetzt gibt es eine Lösung.“ Das sagt Andreas Funkenhauser (33) aus Aßling. Dort ist der Sitz seiner Firma mit über 20 Mitarbeitern. Zusammen mit einem Team hat er eine spezielle Tragelösung für Mountainbikes entwickelt. Das Bergradl wird per Rucksack, der aus einer Basis und dem Bike-Modul besteht, auf den Rücken geschnallt. Und dann rauf auf den Gipfel. Am Dienstag, 5. März, sind Funkenhauser, seine Mitarbeiterin Teresa Wimmer (28) und der zweite Geschäftsführer Florian Ruhland (36) in der ProSieben-Show „Das Ding des Jahres“ ab 20.15 Uhr im Fernsehen zu sehen.

Funkenhauser ist einer der Chefs eines Ingenieurbüros, der AFR Engineering GmbH, und dort unter anderem für Motorentwicklung zuständig. Er ist aber auch Sportler. Früher fuhr er Rennen mit Go-Karts. Inzwischen ist er intensiv mit dem Mountainbike unterwegs, war zweimal bei der Bike Transalp dabei, einem Sieben-Tage-Etappenrennen über 500 Kilometer. 

Schnelle Lösung gesucht und gefunden

Auch für dieses Jahr hat er sich wieder angemeldet. Bei seinen Touren nervte ihn und seine Freunde, wie die Räder immer wieder umständlich über längere Strecken getragen werden mussten. „Das muss doch auch einfacher gehen.“ Sinn habe das aber nur, wenn die Lösung in der Praxis schnell eingesetzt werden kann, ohne große Umbauten, gab es sich selbst ein Ziel vor.

Zunächst begann er mit einer Kraxe und ganz normalen Haken aus dem Baumarkt. Das war 2016. Im Fünfer-Team wurde immer weiter getüftelt und getestet. Schließlich entstand eine bis in viele Details durchdachte Konstruktion. Spezielle mit Gummi überzogene, klappbare Haken, werden von einnem Rahmen ausgehend um das Sattelrohr sowie das Unterrohr des Fahrrades gelegt. Die Position der Haken ist leicht verstellbar, kann dem Rad individuell angepasst werden. Auch das Fixieren eines Kinderrades ist möglich.

Beim Tragen bleiben die Hände frei

Bei der Vorführung stellt Teresa Wimmer das Rad mitsamt des an den Rohren fest sitzenden Rucksacks locker hochkant. Sie schlüpft in die Tragegurte des Rucksacks und zieht Brust- und Hüftgurt fest. Fertig. Dauert nur wenige Sekunden. „Das kann ich alles alleine machen, da brauche ich keine Helfer“, erklärt Marketingchefin Teresa Wimmer. „Ich habe beim Tragen die Hände frei und bin sicher unterwegs.“ Die Einstellungen ermöglichen Beinfreiheit. Auch der Kopf kommt dem Rad nicht zu nahe.

Neben der technischen Entwicklung ging es im Vorfeld auch um rechtliche und finanzielle Fragen. Für das neue Produkt wurde eine eigene Firma gegründet: Outentic. „Wir wollten das Ingenieurbüro nicht mit dem Risiko belasten, wollten nichts vermischen“, erklärt Funkenhauser. Rund 500 000 Euro wurden in die Entwicklung und die erste Produktion gesteckt. Funkenhauser und der zweite Geschäftsführer von AFR, Florian Ruhland, nahmen zusammen einen Kredit über 350 000 Euro auf. „Wir sind privat in der Haftung.“ Auf eine mögliche öffentliche Förderung verzichteten sie bewusst. „Das ist allles zu umständlich und dauert zu lange“, erklärt Funkenhauser. Die neue Marke wurde eingetragen, die Entwicklung patentrechtlich geschützt.

Nachhaltigkeit als wichtiger Faktor

An ihr Produkt stellen die Entwickler hohe Anforderungen. Es muss so stabil sein, dass auch ein schwereres E-Mountainbike getragen werden kann. Zudem ist die Nachhaltigkeit ein wichtiger Faktor. „Alle Bestandteile kommen aus einem Umkreis von fünf Autostunden um München“, erklärt Funkenhauser. Die Kunststoffteile beispielsweise vom Chiemsee, die ökozertifizierten Stoffe aus der Nähe von Hof. Es gibt nur eine Farbe, einen Grauton. Zusammengebaut wird in München. Für die Näharbeiten fand das junge Team jedoch keine passende Firma in Deutschland. „Meine Mutter arbeitet an der Meisterschule für Mode“, erzählt Funkenhauser. Sie kannte jemanden und der hat einen Kontakt in Tschechien hergestellt. „Die Qualität ist gut, die Arbeitsbedingungen passen und immer wenn produziert wird, ist jemand von uns dabei.“

Der Stoff des Rucksacks ist übrigens etwas Besonderes. „Der ist regenfest. Wenn er nach einer Tour dreckig ist, dann kann man den mit dem Dampfstrahler abspritzen, da passiert nichts“, so Funkenhauser. „Wer will, kann aber auch einen zusätzlichen Überzug haben.“

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Das System wurde ordentlich durchgeschüttelt

Das System wurde übrigens nicht nur von Sportlern getestet. Es kam auf eine umgebaute Rüttelplatte und wurde intensiv durchgeschüttelt. „Zehn Millionen Lastwechsel“, so die Entwickler, zehn Millionen Stöße.

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Gebaut wurden bisher 1000 Stück des Tragesystems. Seit einigen Monaten läuft das Marketing intensiver. Rund 160 Stück wurden verkauft, ohne Zwischenhandel, nur über das Internet

Rucksack hat viele Einsatzmöglichkeiten

Die Radtrage-Lösung – sie kostet rund 300 Euro – ist nur eine Variante des Rucksacks. Es gibt auch noch andere Möglichkeiten für den Outdoor-Bereich, aufbauend auf dem Basismodul. Dazu kommen noch viele leicht versetzbare Taschen, ein Sicherheitsfach an der Rückenseite, ein Netz für den Helm, eine Magnethalterung für die Trinkflasche, ein entnehmbaren Rückenprotektor und viles mehr. Auch das ist nachhaltig, sagt Funkenhauser. 

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Zudem haben die Entwickler noch Ideen, was an ihrem Produkt besser und vielseitiger gemacht werden kann, z.B. auch für Tourengeher. Aber jetzt kommt es zunächst einmal darauf an, in der Szene bekannt zu werden. Von Aßling in die Welt.

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