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„Ich will in die Stichwahl“: Waltraud Gruber (Grüne) vor dem Windrad in Hamberg. 

Kandidaten zur Landratswahl

Waltraud Gruber: Die ewige Vollblut-Grüne

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Am 15. März ist Landratswahl. Es gibt fünf Bewerber um den Chefposten. Wir treffen sie. Heute: Waltraud Gruber (Grüne).

Ebersberg – Der Tag mit Waltraud Gruber, 62, beginnt ganz im Sinne ihres Wahlkampfs. Treffpunkt für das Interview ist Grafing-Bahnhof, 9.47 Uhr. Die verspätungsgeplagte S-Bahn, ein Wahlkampfpunkt der Grünen-Politikerin. Wie bestellt, hat die S6 an diesem Januarmorgen massive Verspätung. Um 10.05 Uhr kommt der Zug aus München mit dem Reporter an.

Rundfahrt beginnt

Gruber, kurze, rötliche Haare, blauer Mantel, kupferne Kunsthandwerker-Ohrringe, steht vor dem 440er-Bus Richtung Glonn. Die Rundfahrt durch den südlichen Landkreis kann beginnen.

Zweites Gleis muss her

Der Nahverkehr muss massiv ausgebaut werden, fordert Gruber. Ein zweites Gleis zwischen Grafing-Bahnhof und Ebersberg, viergleisiger Ausbau für die Bahnstrecke nach Markt Schwaben, mehr barrierefreie Zugänge, Freihalten der S-Bahngleise für die S-Bahn. Die Maßnahmen würden viele Millionen Euro kosten, Gruber geht aber davon aus, dass dann mehr Menschen mit dem Zug fahren werden.

Zu viel Fläche verschwindet

Der zur Hälfte besetzte Bus fährt los, die Sonne scheint, die Passagiere schimpfen über die S-Bahn. Der Bus fährt an der Gewerbegebiet-Baustelle in Taglaching vorbei. Gruber hatte dagegen demonstriert. Sie protestiert immer noch: Das Urteltal sei ein Kleinod, „es tut in der Seele weh“. Nach Aussage der Grünen verschwinden jedes Jahr 70 Hektar Fläche im Landkreis Ebersberg.

Gewerbegebiete für hiesige Firmen: ja. Industrieflächen für große Unternehmen: nein. „Im Landkreis haben wir Vollbeschäftigung“, sagt die gebürtige Münchnerin. Politiker dürften nicht nur Steuereinnahmen beachten, man müsse auch Wohnraum, Schulen und Kindergärten für die zuziehenden Arbeitnehmer schaffen. Wohnraum sei im Landkreis ohnehin knapp. Sie selbst wohnt in einem energetisch sanierten Haus in Aßling.

„Wir sind keine Verbotspartei“

Sind die Grünen eine Verbotspartei? „Nein“, antwortet Gruber. „Ist es wirklich Verzicht, wenn ich Gemüse statt Fleisch esse, im Steinsee schwimme statt auf den Malediven oder langsamer auf Autobahnen fahre, dafür sicherer?“

Wenig auf Google unterwegs

Gruber ist eine Frau, die wenig auf Google ist, weil sie dem Internetgiganten keine Daten geben will. Sie sei nicht narzisstisch, mit ihr könne man reden, sagt sie von sich selbst. Eigene Schwächen fallen ihr zunächst keine ein. Die Landratskandidatin der Öko-Partei rührt ihr eigenes Deo zusammen, am liebsten ist sie Fingernudeln mit Sauerkraut.

In Bruck steigt Gruber aus dem Bus und geht der Alxinger Kirche entgegen. Sie vertrete christliche Werte: Menschlichkeit und Toleranz für Geflüchtete. Glauben Sie an Gott? „Weiß ich nicht“, antwortet die zweifache Mutter. Sie glaube ans Jetzt.

Magischer Ort in Bruck

In die Kirche geht die Umweltingenieurin heute nicht, sondern an der Friedhofsmauer vorbei zu einem Bankerl. Die Politikerin blickt auf die in sanften Nebel gehüllte Schönheit des Brucker Moos. „Das ist ein magischer Ort für mich.“

Moore seien wichtig für den Klimaschutz. „Sie speichern Kohlenstoff, doppelt so viel wie alle Waldflächen zusammen“, sagt sie. Die Alxinger Kirche schlägt zweimal. Es ist halb elf. Weiter geht’s nach Hamberg, zum einzigen Windrad im Landkreis.

Klimaschutz als zentrales Thema

Klimaschutz ist das zentrale Thema von Waltraud Gruber. Schon 1986 hat sie den Bau eines Blockheizkraftwerks am Krankenhaus gefordert – und bekommen. Seit fast 36 Jahren sitzt Gruber im Kreistag, insgesamt 12 Jahre im Aßlinger Gemeinderat, fünf Jahre war sie im Bezirkstag.

Windräder und Fotovoltaik: Sie fordert den Stopp der „lähmenden“ 10H-Regelung, die den Abstand von Windrädern zu Wohngebieten bestimmt. Die Grüne will mindestens 33 neue Windmühlen, eine Solaroffensive mit 13 000 neuen Anlagen, 100 Freiflächenanlagen für Fotovoltaik im Landkreis.

Windräder als heißes Eisen

Windräder sind für Politiker ein heißes Eisen. Vor dem Bau der Windmühle in Hamberg sei sie heftig angefeindet worden, Bekannte hätten sie auf der Straße nicht mehr gegrüßt. „Lokalpolitik ist die härteste Version der Politik“, sagt die stellvertretende Landrätin, und drückt einen Ast im Brucker Unterholz zur Seite.

Entspannung im Wald

Im Wald kann Gruber entspannen. Hier spricht sie über viele Themen: über ihren Job als persönliche Referentin von Grünen-Landtagsabgeordneten Martin Stümpfig („tolle Arbeit“). Über den Sparkassengebäude-Kauf („offenbarte falsche Behördenabläufe“) und bezahlbaren Wohnraum („mehr günstige Wohnungen durch die kommunale Wohnbaugesellschaft“).

Mit dem E-Auto von Gemeinderatskollegen Konrad Eibl geht’s nach Ebersberg. Die Tour endet im Öko-Bistro Speisekammer. Dort sagt Gruber: „Ich will in die Stichwahl“. 2008, als sie zum zweiten Mal als Landratskandidatin antrat, sagte sie der EZ: „Ich möchte ein zweistelliges Ergebnis erreichen.“ Sie fuhr damals 18,2 Prozent ein.

Was sind die wichtigsten Themen im Landkreis Ebersberg für die anstehenden Kommunalwahlen?

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Die Bürgermeisterkandidaten aller Gemeinden aus dem Landkreis Ebersberg, haben wir für Sie in unserem Überblicksartikel zu den Kommunalwahlen 2020 aufgelistet. Zudem können Sie sich in unserem Artikel zu den Landratswahlen über die dort antretenden Kandidaten informieren. Alle weiteren Hintergrundberichte finden sie auch auf unserer Themenseite zu den Kommunalwahlen 2020 im Landkreis Ebersberg.

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