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Großes Interesse bestand an der Infoveranstaltung in Aßling über die Planungen zum Brenner-Nordzulauf. 

Infoveranstaltung mit der DB Netze AG und Andreas Lenz (MdB) in Aßling

Bis zu 480 Züge am Tag - und die sind fast einen Kilometer lang

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Zwei zusätzliche Gleise und bis zu 480 Züge am Tag. Das sind die Eckpunkte, auf die sich die Anlieger der Bahnstrecke München-Rosenheim einstellen müssen.

Aßling – Der Brenner-Nordzulauf soll endlich Fahrt aufnehmen. Die Bahn muss sich auf Bürger einstellen, die gut argumentieren können und nicht alles hinnehmen wollen.

Der Bundestagsabgeordnete Andreas Lenz (CSU) hatte zusammen mit Bürgermeister Hans Fent zu einer Informationsveranstaltung in den Aßlinger Gemeindesaal eingeladen. Fent kam aufgrund eines Missverständnisses mit einer halben Stunde Verspätung. „Wir sind ja bei der Bahn“ witzelte Lenz in Richtung Christian Tradler, des Vertreters der DB Netze AG, der anschließend das Dialogverfahren erläuterte, dessen Auftakt die Veranstaltung in Aßling war. „Wir wollen wissen, was Sie bewegt“, meinte er im Gemeindesaal. „Bis zum Frühjahr“, so sagte Tradler weiter, solle zumindest festgelegt werden, wie die Struktur der Mitwirkung an der Planung auch durch die Bürger aussehen könnte.

Dass sich da bisher schon ein kleines Informationsgefälle aufgebaut hat, monierte Rathauschef Fent: „Man bekommt immer nur Bruchstücke mit. Ich möchte nicht mehr und nicht weniger Informationen, als die anderen Anrainerbürgermeister auch haben“, forderte er mit Blick auf das Inntal, wo bereits ein Treffen mit den Rathauschefs stattgefunden hat.

Viel Verunsicherung wenig Fakten

Es gebe viel Verunsicherung, „aber mit Fakten hat das manchmal nichts zu tun“, sagte Lenz zur aktuellen Situation der Bürger. Eines stehe für ihn fest: „Wir brauchen keine Gespenstertrassen, sondern sie so naheals möglich am Bestand.“ Das forderte er für den kommenden und für das Projekt notwendigen Trassenneubau. Von Großkarolinenfeld bis Grafing ist zur Ertüchtigung der Fernbahnstrecke München-Verona die Erstellung zweier neuer Gleise vorgesehen. „15 bis 20 Meter wird man dafür brauchen. Eine Autobahn braucht locker das Doppelte“, so Tradler. Die Planung sei ausgelegt auf maximal 480 Züge am Tag, die bis zu 750 Meter lang sein können.

Weil aber eine Trasse auch einen Lärmkorridor hat, fragte ein Bürger: „Was ist für Aßling vorgesehen an Lärmschutz?“ Antwort: „Das sage ich ihnen gerne, wenn wir einen Plan haben.“ An dieser Stelle wurde deutlich, dass ein früher Beginn des Dialogs mit dem Bürger auch seine Schattenseiten hat: Es gibt noch nichts, worüber man konkret reden könnte. Wichtig ist so ein früher Beginn aber schon, und ein Redebeitrag illustrierte die Bedenken der Bürger, dass es ab einem gewissen Zeitpunkt nämlich „zu spät“ sein könnte, einen Einfluss auf die Planung zu nehmen. Dass der Bahnvertreter eine fehlerhafte Skizze in seinem Vortrag vorlegte, machte die Sache nicht gerade vertrauenswürdiger.

Beim Lärmschutz muss gehandelt werden

Lenz stellte gegenüber der DB Netze AG jedoch klar: „Beim Lärmschutz muss gehandelt werden.“ Schließlich gehe es hier um „wesentliche Veränderungen der Infrastruktur“ auch auf dem Altbestand. „Wir haben vom Bund viel Geld in die Hand genommen, um für den Bürger etwas zu verbessern.“

Wird eine Trasse neu gebaut, sind hohe Lärmschutzstandards vorgesehen. Was in dieser Hinsicht auf der bestehenden Strecke von Grafing-Bahnhof weiter quer durch den ganzen Landkreis Ebersberg bis Haar unternommen wird, ist noch nicht geklärt. Die Frage sei: „Erhöht sich der Lärm durch eine signifikante Änderung?“, erläuterte der Bahnvertreter. Ob die auf diesem Abschnitt vorgesehene Blockverdichtung eine solche Änderung ist, wird deshalb noch diskutiert und eruiert werden müssen.

Kirchseeon als Nadelöhr

Ob das Nadelöhr auf Höhe Kirchseeon so eine Verdichtung – wie jetzt notwendig – überhaupt zulässt, daran äußerte eine Bürgerin Bedenken. Erhebliche Belastungen kommen auf die Bahnanlieger wohl schon deswegen zu, weil die Züge, die aus dem Süden kommen oder dorthin fahren werden, zum Teil fast einen ganzen Kilometer lang sind. Für den Abschnitt Grafing-Trudering wird deshalb noch eine eigene Veranstaltung angesetzt werden. Kündigte Tadler an.

Sollte eine Nachverdichtung der Zugfrequenz ein Ausweichen auf die beiden Schienenstränge notwendig machen, die vom öffentlichen Nahverkehr hochfrequent belegt werden, hätte das Konsequenzen. „Das darf nicht auf Kosten des öffentlichen Personennahverkehrs gehen“, forderte Fent. Auf der österreichischen Seite seien Fakten geschaffen worden, waren sich Lenz und der Vertreter der DB einig.

Lesen Sie dazu auch: 

Grafing verabschiedet Resolution für mehr Lärmschutz an der Bahn:

Nur Schienenstegdämpfer sind zu wenig

Ebenfalls interessant: 

Geharnischter Brief der Bürgermeisterin - Bahnlärm: Obermayr reicht’s

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