Besinnliche Stimmung im Hause Gildo: Rex Gildo (Mitte), seine Frau Marion (rechts) und seine Haushälterin, die Aßlingerin Annegret Biehn (links), beim Adventsbasteln mit Kindern aus der Gegend.
+
Besinnliche Stimmung im Hause Gildo: Rex Gildo (Mitte), seine Frau Marion (rechts) und seine Haushälterin, die Aßlingerin Annegret Biehn (links), beim Adventsbasteln mit Kindern aus der Gegend.

Seine Jahre auf dem Martinshof

Rex Gildos Leben in Oberbayern: Haushälterin erlebte Star ganz privat - und ahnte nichts von seinem Geheimnis

In glänzenden Limousinen fuhr die Münchner Schickeria hinaus aufs Land, auf einen kleinen Hof nahe Aßling. Dort lebte Schlagerstar Rex Gildo. Seine Haushälterin erinnert sich.

Aßling – Wenn die glänzenden Limousinen der Münchner Schickeria Samstagabends in Langkofen bei Aßling vorfuhren, galt für das Personal im Martinshof strenge Kleiderordnung: schwarze Bluse, dunkler Rock, weiße Schürze. Illustre Gäste feierten hier bis in die Morgenstunden, darunter Modeschöpfer Rudolph Moshammer, Sängerin Hildegard Knef, Schauspieler Alexander Stephan, Komponist Ralph Siegel, Hanne Haller, Jürgen Markus, Chris Roberts und andere Sterne der Schlagerszene.

Die Aßlingerin Annegret Biehn kennt sie alle persönlich. Mitten im Gespräch mit der Ebersberger Zeitung holt die rüstige 70-Jährige eine blaue Schachtel mit goldenen Sternen aus dem Wohnzimmerschrank. Zieht Glückwunschkarten, Briefe und alte Aufnahmen heraus, zeigt auf ein großes Foto. „Das war mein Dienstherr Rex Gildo“, sagt sie. „Ich habe 25 Jahre als Haushälterin in seinem Haus gearbeitet.“

Rex Gildo in Aßling: Im Advent bastelte er mit Kindern aus der Gegend

Sie fischt ein weiteres Bild aus der Kiste. „Das war im Advent. Der Rex, seine Frau Marion und ich beim Basteln mit drei Antersberger Buam und zwei Dirndln aus Aßling.“ Sie wirkt aufgeregt beim Eintauchen in die alte Zeit, zartes Rosa färbt ihre Wangen, die Augen glänzen.

Annegret Biehn heute mit ihren Erinnerungen an den Schlagersänger.

Mit zwei Fingern holt sie ein drittes Foto aus der Schachtel. Das Bild zeigt ihren Sohn Andreas neben Rex Gildo unter einem festlich geschmückten Christbaum. Ein Lächeln, dann wird sie still, hält Zwiesprache mit der Erinnerung. „Mein Bub war oft dabei, der Rex hat den Andreas so gern g’habt. Marion und Rex hatten ja keine Kinder.“

Mitten in Gildos größten Erfolgsjahren nahm Biehn 1974 im Bauernhof in Langkofen ihre Arbeit als Haushälterin auf. Wie es den Schlagersänger ausgerechnet dorthin verschlug ist nicht überliefert. Aber offenbar hat es ihm in dem Weiler bei Aßling gefallen, denn er blieb.

Rex Gildo: Der Liebhaber firmierte als Onkel

Zwei Jahre zuvor brachte das Lied „Fiesta Mexicana“ dem Schlagersänger seinen größten kommerziellen Erfolg. Fred Miekley, Gildos Entdecker, Förderer und Manager unterschrieb Biehns Arbeitsvertrag. Dass Miekley Gildos große Liebe war, wusste Biehn damals nicht. „Das erfuhr ich alles viel später, Fred wohnte mit im Haus, mir wurde er als Onkel von Rex vorgestellt und das glaubte ich auch“, sagt Biehn.

Glückliche Zeiten: Annegret Biehn (li.) mit Rex Gildo und seiner Frau.

„Grüß Gott Herr Gildo, ich bin die Preissinger Anni und ich soll hier arbeiten“, stellte sich die junge Haushälterin mit ihrem Mädchennamen dem gefeierten Schlagerstar damals vor. Aufgeregt sei sie überhaupt nicht gewesen, erinnert sie sich.

Auch bei einem Hosenplatzer ist die Haushälterin zur Stelle

Biehn hatte mehr zu tun als als nur die Gäste zu bedienen. Die langen Gänge und die vielen Zimmer im Martinshof sollten glänzen, da halfen weitere Hausangestellte. Für Gildos Wäsche war sie ebenfalls zuständig. „Wenn wieder mal eine Hose geplatzt war, dann nähte ich sie halt zu, der Rex trug ja immer so enge Hosen“, erzählt sie und lacht. „Einmal ist ihm sogar bei einem Auftritt die Hose geplatzt, da sah man den Hintern, Rex hielt sich einfach die Hand darüber, ging schnell raus und zog eine andere Hose an.“

Beim Kochen bekam sie Unterstützung von Gildos Frau. Grundlegende Küchenkenntnisse brachte Biehn zwar mit, aus der Hauswirtschaftsschule in Haag. Doch die besondere, die feine Küche lernte sie erst durch Marion kennen. Vor großen Festen stand sie mit ihr tagelang in der Küche, um Delikatessen vorzubereiten. „Ich kannte bis dahin nur Hausmannskost, Gerichte mit Scampi oder Jakobsmuscheln waren mir fremd.“

Er war ein feiner, freundlicher Mensch.

Annegret Biehn, Rex Gildos ehemalige Haushälterin

Biehns Verdienst war solide, mit Einstellung erhielt sie 900, später 1200 Mark monatlich. Den Star sah Annegret Biehn in Rex Gildo nicht, der unter dem bürgerlichen Namen Ludwig Hirtreiter in Straubing zur Welt gekommen war. Für sie war ihr Dienstherr ein Mensch wie jeder andere. Auch von seiner Homosexualität wusste sie lange nichts. „Wir haben gute Gespräche geführt, er war ein feiner, freundlicher Mensch.“

Der Hof heute.

Das tragische Ende einer Karriere - Der Kontakt riss nie ganz ab

Mit Rex Gildos Tod am 26. Oktober 1999, als er sich wohl das Leben nahm, endete eine der erfolgreichsten, aber auch tragischsten deutschen Schlagerkarrieren. Zugleich endete auch Annegret Biehns Arbeitsverhältnis im Hause Gildo. Biehns Freundschaft mit Gildos Frau Marion hielt bis zu deren Tod 2019. „Die Jahre im Martinshof, das war die schönste Zeit meines Lebens, und das ist es, was für mich zählt“, sagt Annegret Biehn. Sie faltet die Briefe zusammen, legt die Fotos zurück und setzt den Deckel auf die blaue Schachtel.

Susann Niedermaier

Alle Nachrichten aus Aßling und dem Landkreis Ebersberg bei der Ebersberger Zeitung.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare