Kirchenpfleger Alois Eichner (80) in der Glockenstube des Aßlinger Gotteshauses. Foto: Susann NIedermaier
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Kirchenpfleger Alois Eichner (80) in der Glockenstube des Aßlinger Gotteshauses.

100.000 Euro gesammelt

Langes Warten aufs Kirchen-Geläut

Zu Weihnachten müssen die Aßlinger auf den Klang verzichten. Eine Hoffnung bleibt aber: An Ostern könnte es klappen.

Aßling – Im Frühjahr dieses Jahres verstummten die Glocken im Ort. Der Glockenstuhl der Aßlinger Kirche war so marode, dass nicht mehr geläutet werden durfte. Während der letzten Wochen begann die Sanierung, die Turmfenster haben jetzt Jalousien – um künftiger Verwitterung vorzubeugen. Eine der Glocken bekommt ein neues Joch, die Arbeiten laufen noch.

Antreiber der Sanierungsaktion ist Alois Eichner (80), seit 2006 ist der Schreinermeister Kirchenpfleger in Aßling. Wir treffen ihn in der Glockenstube des Kirchturms. Vor dem Eingang zur Sakristei liegt ein merkwürdiges Ding, das an den Puffer eines alten Güterwaggons erinnert. Eichner lacht hinter seinem Mundschutz. „Nein, das ist das alte Glockenjoch, ein historisches Gusseisenteil, das den Kirchenbrand 1878 überstand. Der Kirchenpfleger weiß, dass es Brandstiftung war und dass die Kirche erst nach dem Brand ihre neugotische Spitze erhielt. „Zuvor war eine barocke Zwiebel drauf.“

Renovierung: 100.000 Euro wurden gesammelt und gespart

Eichner sperrt die Tür an der Rückseite der Kirche auf. „Wir müssen hier durch, der Weg zum Glockenturm führt durch die Sakristei.“ Kurzer Zwischenstopp, Eichner erzählt von der Renovierung. Vom ersten Kontakt der Pfarrei mit der Erzdiözese im Jahr 2008 bis zum Renovierungsbeginn vergingen zwölf Jahre. Nachdem ein Statiker des Ordinariat im Frühjahr dieses Jahres die Glockenstube besichtigte, wurde das Läuten der Glocken verboten. Um Glockenstuhl und Turm nicht zu gefährden, die Glocke schwenkte aus.

„Ende Juni erst kam aus dem Baureferat der Erzdiözese die mündliche Baugenehmigung per Telefon, die denkmalschutzrechtliche Erlaubnis der Ebersberger Landkreisbehörde erst Anfang Oktober“, sagt Eichner. Die Renovierung muss die Pfarrgemeinde selbst bezahlen, 100.000 Euro wurden in den letzten Jahren gesammelt und gespart.

„Zusammen sind wir über 300 Jahre alt“

Eichner deutet in Richtung Turm. Die Holztreppe ist steil, der 80-Jährige topfit. Wie bleibt einer so rüstig? Er erzählt, dass er immer noch Tennis spielt, im Herrendoppel, mit etwa Gleichaltrigen. „Zusammen sind wir über 300 Jahre alt“, sagt er und bedauert, dass die Halle zu ist im Moment. Unter der Turmspitze weht Zugluft, die dickste der Glocken ist angegurtet. Im Oktober wurde sie neben dem Glockenstuhl an Lastgurten aufgehängt. Eichner legt die Hand auf die Dicke.

Eichner: „Wir werden nicht fertig“

„Wir müssen das schaffen, wenn die Leut‘ schon wegen Corona nicht mehr alle in die Christmette können, sollen die Aßlinger wenigstens am Weihnachtsabend ihre Glocken wieder hören.“ Zwei Tage vor Weihnachten bedauert Eichner, dass sein Wunsch nicht in Erfüllung gehen wird. „Wir werden nicht fertig, leider hat sich alles verzögert. Der Boden der Glockenstube musste raus, was sich darunter zeigte, ist nicht mehr tragfähig.

Es müssten noch die Mauerer kommen, erst dann kann der Glockenstuhlbauer anfangen, doch die Handwerker machen derzeit Pause.“ Erst klingt die Enttäuschung noch durch, dann zeigt Eichner wieder Zuversicht: „Für Ostern müsste es klappen, mit dem Glockengeläut.“

VON SUSANN NIEDERMAIER

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