Eine Frau auf einem Pferd springt über ein Banner.
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Irmgard Langmeier hat ihre Liebe zu den Pferden zum Beruf gemacht.

Hobby zum Beruf gemacht

Mit nur einem Hänger zum Traumberuf: Irmgard Langmeier arbeitet allein als Pferde-Spediteurin

  • VonHelena Grillenberger
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Irmgard Langmeier aus Pörsdorf hat sich ihren Traum erfüllt und transportiert nun Pferde. Eine Frau, ein Hänger, eine Firma.

Pörsdorf – Mit einer Kaffeetasse in der Hand tritt Irmgard Langmeier aus dem Haus in Pörsdorf in der Gemeinde Aßling. Ihr voraus stürmt ein aufgeregt bellender Jack Russel Terrier auf den Hof. Gegenüber der Haustür steht eine Eckbank mit dreieckigem Tisch. Dort setzt sich die 56-Jährige auf die mit Schaffell ausgelegte Bank und krault den kleinen Hund, der es sich neben ihr gemütlich macht.

Aus einer der Pferdeboxen hört man ein Schnauben. „50 Jahre hat meine Familie Milch gefahren“, fängt sie an zu erzählen. Jedes Jahr mussten sie ein Angebot über Preis und Fahrzeiten abgeben, jedes Jahr wurden es weniger Unternehmen, die sie in ihrem Kollegenkreis zählen konnten.

Geistesblitz in der Nacht: Milchfahrerin wird Pferde-Spediteurin

2017 dann musste auch Familie Langmeier mit dem Milchfahren aufhören. Irmgards Mann, Martin, arbeitet seitdem am Flughafen. „Der hat da wirklich seinen Traumberuf gefunden“, erzählt die Pörsdorferin. Sie selbst wollte aber das Familienunternehmen nicht ganz aufgeben. Irgendwann sei sie nachts aufgewacht und habe sich gedacht: „Ich könnte Pferde fahren!“ Gedacht, getan: Ohne viel Federlesens informierte sie sich beim Landratsamt, welche Auflagen sie erfüllen müsste, ließ sich schulen und legte die nötige Prüfung ab. Zum 1. Januar 2018 begann sie mit ihrer Pferdespedition.

Drei Töchter und einen Sohn haben Irmgard und Martin Langmeier, die auch immer wieder mithelfen, wo Hilfe benötigt wird. „Wir helfen da alle zusammen“, erzählt die 56-Jährige, während sie eine ausladende Bewegung in Richtung der Pferdeboxen macht. „Eigentlich ist das ein Familienbetrieb.“

Von Österreich bis nach Berlin: Langmeier transportiert Pferde überall hin

Im Landkreis gibt es drei Pferdespeditionen. Das Besondere an der ihren sei, dass sie 24 Stunden, sieben Tage die Woche, zur Verfügung stehe. Und das Geschäft laufe gut, erzählt Irmgard. In der Regel fahre sie nur Pferde von Leuten, die sich selber keinen Hänger leisten können oder für die es sich nicht lohnt, sich selbst einen Pferdehänger zu kaufen. Das sind dann Fahrten in Pferdekliniken oder mal ein Umzug in einen anderen Stall. Aber auch Umzüge, zum Beispiel nach Österreich, „mache ich alles“, sagt sie.

Die weiteste Fahrt, die sie bisher angenommen hat, war in den Berliner Speckgürtel. „Das war schön“, erinnert sie sich. Da haben sie und ihr Mann gleich noch ein paar Tage Urlaub drangehängt. Fahrten, die länger als acht Stunden dauern, nimmt sie nicht an. Acht Stunden darf ein Pferd maximal im Hänger stehen, dann müsse man einen Platz haben, an dem es raus, die Nacht verbringen kann. Und auch als Fahrer wären so weite Strecken eine Herausforderung. Nach Berlin sei das zeitlich noch gut gegangen.

So unterschiedlich wie die Menschen sind auch die zu transportierenden Pferde

Die Arbeit sei für sie wahnsinnig interessant, wie sie erzählt: Immer wieder komme sie an Orte, mit denen sie nie gerechnet hätte. „Fährst mitten durch den Wald und dann stehen da 100 Rösser“, erzählt sie und lacht. Und auch die verschiedenen Menschen und die charakterlich so unterschiedlichen Pferde seien immer wieder eine Herausforderung. Die einen Pferde gingen brav in den Hänger, „drei Minuten, dann bist fertig“. Andere bräuchten da länger, müssen vielleicht sogar sediert werden. Da würden dann auch alle, die sich in der näheren Umgebung aufhalten, plötzlich mithelfen, sagt sie. „Das ist automatisch so. Wenn’s nicht geht, dann helfen alle zusammen.“

Für ihre Fahrten berechnet Irmgard Langmeier einen Euro pro Kilometer und 50 Euro Verladepauschale. Dafür ist ihr Hänger voll ausgestattet, mit allem, was man auch nur eventuell für den Transport brauchen könnte, damit der Pferdehalter sich da um nichts kümmern muss. Bei den Transporten können die Besitzer dann bei ihr im Auto mitfahren.

Langmeier hat Hobby zum Beruf gemacht: „Das passt so für mich“

„Ich nehme mir dann auch an dem Tag nichts anderes vor“, sagt die Pörsdorferin. Man könne einen Tag nicht mit Terminen vollstopfen und ist dann drei Stunden beschäftigt, ein Pferd in den Hänger zu bugsieren, obwohl man in 20 Minuten bereits den nächsten Transport ausgemacht hat.

Vergrößern wolle sie ihre Ein-Hänger-Spedition nicht. „Das passt so für mich“, sagt Irmgard Langmeier und lehnt sich entspannt zurück. „Ich bin mit Pferden aufgewachsen. Und jetzt habe ich mein Hobby zum Beruf gemacht.“

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