Gemeinderat gegen freies WLAN in der Kommune

Aßling will keine Hotspots

Aßling – Kommando zurück! Aßlings Gemeinderat will keine WLAN-Hotspots, auch wenn der Freistaat diese fördert. Im Februar hatte das noch ganz anders ausgesehen. Doch dann intervenierte die Bürgerinitiative „Mobilfunk mit Grenzen“.

Einen Hotspot am Rathaus, einen bei der Schule, noch einer am Bahnhof, auch beim Dorfgemeinschaftshaus und am besten auch noch einen am Kirchplatz. Das war die Wunschliste, die das Ratsgremium Ende Februar zusammengestellt hat. Als das Thema jetzt neuerlich auf der Tagesordnung stand, war von Euphorie über moderne Zeiten nichts mehr zu hören.

Die Kommunen buchten das Angebot des Freistaats „nur sehr, sehr spärlich“. Im Landkreis sei es bislang nur Markt Schwaben. Bürgermeister Fent war auch von den hohen Betriebskosten überrascht. Doch was Fent darüber hinaus ins Feld führte, war dem Verein „Mobilfunk mit Grenzen“ um Trudi Christof zu verdanken: Das mit der Nähe der Hotspots zu Schulen und Kindergärten sei „ein sehr, sehr sensibles Thema“. WLAN-Hotspots seien „in der Regel 24-Stunden-Dauerstrahler“ und setzten die Aßlinger „erneut erhöhten Strahlenbelastungen“ aus. Zudem seien sie „meist nicht leistungsgeregelt, was zu einer unnötig hohen Strahlenbelastung führt“ und animierten „insbesondere Kinder und Jugendliche zu einer erhöhten Nutzung“. Und schließlich habe die Gemeinde ja nicht ohne Grund mit der Ausweisung von Konzentrationszonen für den Bau von Sendeanlagen im Außenbereich „ein beispielhaftes Mobilfunkvorsorgekonzept auf den Weg gebracht“. Das waren die Argumente, mit denen der Verein Ende April die Bremse zog hat, als er von dem Februar-Beschluss hörte. Die meisten Gemeinderäten folgten jetzt der Argumentation. Am Ende sprach sich die deutliche Mehrheit für eine gänzliche WLAN-Enthaltung aus.

Trudi Christof stellte das Thema dann in einen noch viel größeren Rahmen: „Die Unsicherheiten über Risiken der Mobilfunktechnologien sind nicht auf unklare Forschungsergebnisse zurückzuführen, sondern auf den Einfluss der Industrie auf Politik, Wissenschaft und Medien. Der gesamte Überwachungsapparat basiert auf den Daten, die von jedem Nutzer abgespeichert werden. Und die Industrie nutzt die digitalen Profile zu personalisierter Werbung, um Konsum und Wachstum zu steigern. Die Folge: Die deutschen Gesundheitsbehörden informieren die Nutzer über Risiken nur unzureichend. Eine Vorsorgepolitik wäre jedoch dringend erforderlich."

Eberhard Rienth

Rubriklistenbild: © dpa

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