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Bürgerinitiativen Brennernordzulauf: „Schützt Aßling und das Atteltal“

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Von: Helena Grillenberger

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Will mehr Züge durch Aßling verhindern: Irene Gebhard von der Bürgerinitiative „Schützt Aßling und das Atteltal“.
Will mehr Züge durch Aßling verhindern: Irene Gebhard von der Bürgerinitiative „Schützt Aßling und das Atteltal“. © Stefan Roßmann

Drei Bürgerinitiativen zum Brennernordzulauf haben sich im Landkreis Ebersberg gebildet. Sie werden von drei Frauen geleitet, die eins gemeinsam haben: Sie möchten ihre Heimat schützen. Dabei verfolgen sie unterschiedliche Ziele – zwei der Initiativen sogar gegenteilige Interessen.

Die Artikel zur „Bürgerinitiative Brennernordzulauf Landkreis Ebersberg“ und dem „Arbeitskreis Bahnlärm Kirchseeon“ gibt‘s hier.

Aßling – „Wenn schon eine Trasse kommt, die keiner will, dann wäre es doch sinnvoll, wenn wir alle an einem Strang ziehen“, meint Irene Gebhard aus Aßling. Die studierte Geografin setzt sich für die Bürgerinitiative „Schützt Aßling und das Atteltal“ ein, die sich gegen die bestandsnahe Trassenvariante „Türkis“, die am Bahnhof durch den Ort führen würde, ausspricht.

Die Forderungen der Initiative: Eine Umgehung von Siedlungsgebieten sowie von Natur- und Landschaftsschutzgebieten, die unbeeinträchtigte Aufrechterhaltung des ÖPNV und größtmögliche Tunnelanteile bei der Neubaustrecke. Denn die seien im Koalitionsvertrag der bayerischen Staatsregierung zugesichert worden, erklärt Gebhard. „Aber Türkis hätte keinen Meter Tunnel. Und wir sagen, wenn die Politiker so ein Versprechen abgeben, dann bestehen wir auch drauf.“

Alle drei Minuten soll ein Zug durch den Ort fahren

Unterstützung durch die Politik gebe es bislang aber keine. Wer im Landkreis Rang und Namen hat, wurde von der Initiative angeschrieben. „Da kam allenfalls ein ganz formales Schreiben zurück, dass sie das Engagement der Bürger begrüßen“, sagt Gebhard. Und auch vom Aßlinger Gemeinderat, der sich mehrheitlich gegen „Limone“ ausgesprochen hat, fühlen sich die Betroffenen nicht gut vertreten.

Schon jetzt müsse man im Ort mit Zuglärm leben. Steigt die Zahl der Züge, wie es in der Planung heißt, aber auf 400 am Tag, „hat das noch mal eine ganz andere Qualität“. Alle drei Minuten würde dann ein Zug durch den Ort fahren; ein Dauerrauschen, oder „Lärmteppich“, der nicht nur Aßling und Oberelkofen, das ebenfalls an der Strecke liegt, betreffen würde, sondern auch in Straußdorf beispielsweise noch hörbar wäre.

Die Aßlinger sorgen sich vor Hochwasser

Die Umgehung von Siedlungsgebieten „wäre bei Limone weitestgehend gewährleistet“, erklärt Gebhard. Bis auf Niclasreuth, wo der Ziachkaiser vom Ort abgeschnitten würde. „Bei Türkis wären es aber allein in Aßling mindestens 25 Wohngebäude betroffen“, sagt die Aßlingerin weiter. In Oberelkofen müsste ein Haus abgerissen werden. „Und ’Türkis’ wäre die einzige Trasse, die einen Abriss erforderlich machen würde.“ Und auch so viel Besiedelung entlang der Strecke wie bei „Türkis“ gebe es bei keiner der anderen Trassenvarianten.

Naturrelevante Flächen würde „Limone“ laut der Aßlinger Initiative ebenfalls weniger betreffen. So würde „Türkis“ Baumaßnahmen im Wald, der als Ausgleichsfläche angelegt wurde, und der den Ort und das Tal vor Hochwasser schütze, nach sich ziehen. „Bei ’Türkis’ würde dieser Baumbestand durch eine Betonmauer ersetzt und Boden durch die Verbreiterung der Bahntrasse versiegelt. Dadurch entstehen zustätzliche Abflussspitzen“, erklärt Gebhard die Sorge der Aßlinger.

Gebhard: Am sinnvollsten wäre es, sich zusammen zu tun

Am sinnvollsten wäre es deshalb, so die Geografin, sich zusammen zu tun und gemeinsam für eine Untertunnelung einzusetzen. Die sei bei „Türkis“ aber nicht möglich.

„Wir sollten keine Chancen mit Nebenkriegsschauplätzen vertun, sondern lieber die Strecke optimieren und dafür vielleicht auch noch mal etwas mehr Geld in die Hand nehmen.“ Schließlich handle es sich um ein europaweites Projekt, das lange bestehen soll – und mit der verträglichsten Ausführung für jeden. Denn, so Gebhard, „bei der anderen Initiative heißt es immer, ’Heimat schützen’. Aber wir Aßlinger haben auch eine Heimat!“

Die BI im Netz: www.zukunft-atteltal.de

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