Gemeinderat ist sich einig

Aßling liebäugelt mit „eigenem“ Strom

Aßling - Wie schon rund die Hälfte der Landkreisgemeinden liebäugelt auch Aßling mit der Rekommunalisierung seines Stromnetzes. Der Gemeinderat sprach sich einstimmig für die weiteren Schritte aus.

Bürgermeister Hans Fent (parteilos) wurde beauftragt, in der Regenerative Energie Ebersberg (REGE), bei der die Gemeinde Anteilseigner ist, für ein „Zielmodell einer eventuell zu gründenden Netzgesellschaft und zur Übernahme der anteiligen Kosten“ zu stimmen. Die liegen für Aßling bei knapp 8000 Euro.

Damit unterstützt Aßling die Bewerbung eines gemeinsamen Unternehmens der Gemeinden um die Stromkonzessionen im Landkreisgebiet, das nach den bisherigen Gedankenspielen „EBERwerk“ heißen könnte. Darin könnten die Landkreisgemeinden 74,9 Prozent und die REGE 25,1 Prozent der Anteile halten und sich aber für die Pflege und den Unterhalt des Stromnetzes mit einem Partner zusammentun, der an der dann neuen Netzgesellschaft nur 49,9 Prozent der Anteile hält.

„Ich möchte da alle dahinter haben, dass Aßling im gesamten Komplex der Rekommunalisierung dabei ist“, formulierte Bürgermeister Fent zu Beginn der fast einstündigen Aussprache seine persönliche Vorgabe. Und damit das auch klappte, hatte er Manuel Herzog von der Energieagentur Ebersberg als kompetenten Partner eingeladen.

Herzog skizzierte denn auch gleich rund ein halbes Dutzend von Vorteilen, die die Gemeinden bei einer Übernahme des Stromnetzes hätten. Zu nennen sei da der Einfluss auf die Versorgungssicherheit, die Weiterentwicklung der Netze im Sinne der Energiewende, die solide Basis für weitere Betätigungsfelder wie Stromerzeugung, -handel und -vertrieb, aber auch dass die regionale Wertschöpfung gesteigert werden könne. Letzteres könne durch die Einbindung der Netzbetreiber vor Ort, aber auch durch die Beauftragung des örtlichen Handels geschehen, führte Herzog weiter aus. Weitere Vorteile für die Kommunen lägen in der Verzinsung des eingesetzten Kapitals der Netzgesellschaft und letztlich in den Deckungsbeiträgen für die kommunalen Haushalte.

„Ich habe Schwierigkeiten mit der Kompetenz der Bürgermeister als Vertreter der Gesellschafter sowie im Aufsichtsrat“, äußerte Sebastian Brilmayer (CSU) Bedenken. Auch wenn er das Vorhaben „im Grundsatz für gut“ halte, habe er „doch ein bisschen Bauchweh“, gestand der 3. Bürgermeister. Welches Waltraud Gruber (Grüne) zu lindern versuchte. Sowohl bei der Kreissparkasse als auch in der Kreisklinik GmbH säßen Kommunalpolitiker, die sich für die Entscheidungsfindungen eben einarbeiten müssten. Generell gelte, dass der Betrieb des Stromnetzes früher einmal „die ureigene Aufgabe der Gemeinden“ gewesen sei. Ihr Fraktionskollege Konrad Eibl sekundierte: „Der Netzbetrieb war schon immer ein gutes Geschäft, was Herzog bestätigte. „Es handelt sich hier um ein Energiewendeprojekt, mit dem man sogar etwas verdient“, lautete eines seiner Statements. Ein anderes: „Man kommt auf eine Rendite, die bezogen auf den heutigen Kapitalmarkt gar nicht so schlecht ist.“ Und zudem erinnerte Herzog daran, dass der jetzige Netzbetreiber, die Bayernwerk AG, eine Tochter von Eon sei . „Und Eon gehört Aktionären, die jetzt den entstehenden Gewinn einstreichen“, sagte Herzog, der eigens betonte, dass Eon gerade mit dem Betrieb des Stromnetzes einen entscheidenden Anteil seiner Erlöse erwirtschafte.

Auch der zweite Beschluss des Abends zum Thema Rekommunalisierung wurde einstimmig gefasst. würden. Dabei ging es um 50 000 Euro, die die Energieagentur Ebersberg vom Freistaat für die Förderung interkommunaler Zusammenarbeit beim Stromnetzbetrieb abrufen will.

Rubriklistenbild: © dpa

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