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„Ich möchte selbst das Gefühl haben, auf dem neuesten Stand zu sein“: Hans Berner (90) aus Aßling fährt gerne Auto – am liebsten nach Hofgastein in den Urlaub.

Hans Berner aus Aßling:

Mit 90 Jahren in die Fahrschule

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Autofahren im hohen Alter? Für die einen ein Reizthema, für andere eine Selbstverständlichkeit. Das ist auch bei Hans Berner aus Aßling so. Er ist 90 Jahre alt und hat sich freiwillig an einem Fahrertraining der Kreisverkehrswacht Ebersberg beteiligt – mit Erfolg.

Aßling – „Ich war bestimmt einer der Ältesten, obwohl die Frauen, die mitgemacht haben, mir ihr Alter nicht verraten haben“, lacht der Senior. Warum hat er sich den Stress mit dem Test angetan? „Ich möchte selbst das Gefühl haben, auf dem neuesten Stand zu sein“, erläutert der 90-Jährige eines seiner Motive.

„Ein rundum gelungene Aktion“, sagt Bernhard Schweida (re.), Chef der Kreisverkehrswacht, hier mit Hans Berner.

Große Defizite hatte Berner nicht. „Beim Fahrertraining auf dem Übungsplatz ist kein einziger Pylon umgefallen“, berichtet er und verschweigt nicht, dass es dafür beim Rückwärts-Fahren erst nach dem zweiten Anlauf geklappt hat. „Aber das war auch nicht anders, als ich noch jünger war.“

Organisiert hat das Training der Ebersberger Polizist und Chef der der Kreisverkehrswacht Bernhard Schweida. Er konnte das Übungsfahren bereits zum zweiten Mal durchführen. Es gibt eine Nachfrage nach seinem Angebot. Geübt wird in kleinen Gruppen mit bis zu zwölf Probanden. „Zu uns kommen nur Autofahrer, die selbst ein Interesse daran haben, sich zu überprüfen.“ Wichtig sei, den älteren Fahrzeugführern ihre Defizite aufzuzeigen. „Wenn sie die kennen, dann können sie daran arbeiten“, sagt Schweida.

Berners Motivation ist noch eine andere. Er fährt selbst gerne mit seinem kleinen Nissan nach Hofgastein in Urlaub. „Das sind ungefähr 200 Kilometer.“ Auf der halben Strecke macht er immer eine Pause. „Da kenne ich einen Parkplatz an der Autobahn.“ Zuerst isst er eine Banane, dann gibt es was zu trinken. „Und nach zehn Minuten geht es weiter.“ Auf dem Weg dorthin fährt er durch einen engen Tunnel mit Richtgeschwindigkeit 80 km/h. „Ich will im Tunnel keinen Schwanz hinter mir haben, weil ich zu langsam fahre“, erklärt er einen weiteren Grund, warum er sich dem Training der Kreisverkehrswacht unterzogen hat.

In der Theorie war Berner einer der Besten, und das, obwohl seine Führerscheinprüfung Jahrzehnte her ist. „Ich war der Einzige, der sich gemeldet hat, als es um die Frage ging, wie man einen Bus überholen darf, der in der Parkbucht steht. Mit Schrittgeschwindigkeit.“ Wer es von den Teilnehmern nicht wusste, der weiß es jetzt. Berner wusste es, weil er sich an einen Verkehrsunfall in Aßling erinnert, bei dem sich ein anderer Autofahrer nicht an diese Regel erinnerte. Damals traf es einen Fußgänger. „Der war mausetot.“

„Wichtig ist auch der Kontakt zu den Fahrlehrern“, sagt Schweida. Eine Übungsstunde sei nicht nur für Fahranfänger gut, sondern eben auch für ältere Autofahrer. Denen werden die neuesten Regelungen der Straßenverkehrsordnung nahegebracht. Vieles hat sich geändert, seitdem ältere Autofahrer ihren Führerschein in der Tasche haben. Berner war Beamter und will auch in der Pension alles richtig machen. „Sonst würde es meine Gehaltsstelle erfahren“, meint er korrekt.

Seinen Nissan liebt Berner. „Der hat eine Spursicherung“, berichtet der 90-Jährige. Wenn er zu nahe rechts ran fahre, fange das Auto zu piepsen an. Nach dem praktischen Training stand noch eine Ausfahrt mit einem Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz auf dem Programm. „Der beobachtet einen und sagt einem, was man besser machen kann. Ich will auf alle Fälle noch einmal mitmachen“, sagt der 90-Jährige. Die Übungen haben ihm viel Spaß gemacht. „Eine rundum gelungene Aktion“, freut sich Schweida. „Speziell der Anteil an Frauen, die die letzten Jahrzehnte wenig gefahren sind und jetzt wieder fahren müssen, weil zum Beispiel der Mann nicht mehr fahren kann, steigt stetig an.“

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