Brief ans Rathaus

Kindergartengebühren: Aßlinger Eltern in Rage

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Kinderbetreuung kostet Geld! Meist mehr als die Eltern dafür bezahlen. Dann klopfen die Kita-Träger im Rathaus an und bitten um einen Ausgleich des Defizits aus Steuermitteln. Aßling will hier gegensteuern und zieht sich den Ärger von Eltern zu.

Aßling –  Jahr für Jahr das gleiche Spiel. Ein Spiel, das die Gemeinde Aßling nicht mehr mitspielen möchte. 80.000 Euro bis 100.000 Euro musste sie bisher jeweils zuschießen. Künftig sollen es nur noch 50 000 Euro sein. Dafür sollen die Elternbeiträge ab September erhöht und in allen drei örtlichen Kitas auf gleiches Niveau gebracht werden. Dann soll eine Art Budgetierung Einzug halten, die Träger also eigenverantwortlich kostendeckend arbeiten.

Aus Reihen der Eltern hagelt es Kritik, die sich auch, aber bei weitem nicht nur an dem Ausspruch von 2. Bürgermeister Ernst Sporer-Fischbacher festmacht, Kinder würden ohnehin am besten zu Hause betreut. In den sozialen Netzwerken des Internets schimpfen Aßlinger Eltern, ein Vater hat sich in einem offenen Brief an Bürgermeister Hans Fent (parteilos) und den Gemeinderat gewandt. Dieser will am Dienstag, 23. Mai, über die neuen Elternbeiträge endgültig entscheiden.

Benjamin Beutler, Vater zweier Kindergartenkinder.

In seinem Schreiben an das Rathaus, lässt Benjamin Beutler seinem Frust freien Lauf. Auch nach der eigens anberaumten Sondersitzung des Gemeinderats seien bei ihm mehr Fragen offen geblieben als beantwortet worden. „Für mich ist es immer noch mehr als unverständlich, warum eine Gemeinde, die sich die Themen soziale Gerechtigkeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf ganz groß auf die Fahne geschrieben hat, die Gebühren der Kindergärten ohne Not um bis zu 50 Prozent erhöhen möchte“, so Beutler wütend.

Für ihn sei es nicht nachvollziehbar, warum die Gemeinde die Gebühren der verschieden Träger auf ein Niveau, und zwar auf das des teuersten, anheben möchte. „Wieso sollen die Eltern aller Einrichtungen die Misswirtschaft eines einzelnen Trägers ausgleichen?“, fragt der 33-jährige Diplom-Ingenieur. Er könne durchaus nachvollziehen, dass die Gemeinde die Betreiberverträge auf ein einheitliches Niveau bringen möchte. Wieso das aber zwingend eine Angleichung der Gebühren nach sich zieht, leuchte ihm nicht ein. Die Häuser seien doch untereinander gar nicht vergleichbar. „Weder die Aufenthaltsqualität im Gebäude noch die Größe der Freiflächen oder die Qualität der Ausstattungsgegenstände ist miteinander vergleichbar. Die älteren Standorte werden so unattraktiver, da sich nicht mit günstigen Beiträgen aufwarten können“, schreibt Beutler.

Hans Fent, Bürgermeister der Gemeinde Aßling.

Außerdem möchte der Aßlinger wissen, wie die Kommune den Eltern in der Einrichtung der AWO die Gebührenerhöhung erklären möchte, „wenn dort die nächsten neun Monate eine Baustelle im Garten ist die sowohl die Qualität der Betreuung im Gebäude und vor allem auch dauerhaft die Aufenthaltsqualität im Gerten stark beeinträchtigt? Als Mieter eine Immobile hätte ich die Möglichkeit bei so einer Beeinträchtigung meine Miete zu kürzen, Sie wollen hier aber die Gebühren erhöhen. Ich halte das für schwer bis gar nicht vermittelbar.“

Zu seiner persönlichen Situation schreibt Beutler: „Wir haben unser zweites Kind im März Rahmen der gemeindlichen Anmeldung bei einem Kindergarten zu den dort gültigen Gebühren angemeldet. Ende April kam dann die Zusage von Seiten der Einrichtung und wir haben den Platz unsererseits verbindlich zugesagt. Während keiner dieser Schritte im Anmeldeprozess wurden wir auf eine etwaige Erhöhung der Gebühren hingewiesen, obwohl Sie dies laut gestriger Aussage bereits vor dem Termin im März gewusst haben. Stellen Sie sich so eine offene Kommunikation zwischen den gemeindlichen Vertreten und den Bürgen vor?“

Weiterhin sei unverständlich wie man als Gemeinde das Thema Sozialverträglichkeit übersehen könne. Wieso werde zusätzlich zur Gebührenerhöhung der Geschwisterbonus unter den Tisch fallen gelassen? „Wünschen Sie sich in Zukunft nur Familien mit maximal einem Kind? Wieso werden die Beiträge nicht an Einkommensstufen gekoppelt? Oder finden Sie es gerecht, dass alleinerziehende Eltern diese Erhöhung genauso tragen müssen wie Familien mit zwei Einkommen?“, fragt Beutler.

Fent zeigte sich verwundert über das Schreiben. Die Gemeinderäte seien sich einig über eine „moderate Anhebung“ der Gebühren, die zum Teil aus dem Jahr 2013 stammten, ließ er wissen.

Rubriklistenbild: © dpa

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