Corona-Impfstoff
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Viele Menschen warten noch auf ihre Corona-Schutzimpfung. Viele wollen Astrazeneca nicht.

Corona-Bekämpfung mit Impfstoffen

Astrazeneca: Politik zwingt Hausärzte zu Gewissensentscheidung - „Das ist ein Skandal“

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Seit rund zwei Wochen dürfen bayerische Hausärzte auch gegen Corona impfen. Doch die Politik zwingt sie dabei zu einem Gewissenskonflikt. Es geht um den Astrazeneca-Impfstoff.

Landkreis - Der Gewissenskonflikt, den der Mediziner anspricht, hängt mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca zusammen, der ins Gerede gekommen ist, ein Imageproblem hat und in Deutschland nur noch an Patienten über 60 Jahre verimpft werden soll. Das Problem: Wegen des Hin und Hers um Astrazeneca sind viele Patienten und Ärzte verunsichert. Es gibt viele Hausärzte, die Astrazeneca nicht verimpfen wollen.

Astrazeneca-Impfungen: Politik zwingt Hausärzte zu Gewissensentscheidung

So wie der Hausarzt, mit dem die Ebersberger Zeitung Kontakt hatte. Wie seine impfenden Kollegen auch erhält er nur dann Biontech-Impfstoff von seiner Apotheke geliefert, wenn er gleichzeitig auch Astrazeneca-Dosen abnimmt. So sieht es die Anweisung der Bundesregierung vor. Was dahinter steckt? Der Bund will mit dem Abnahmezwang für Astrazeneca die Kürzung der Biontech-Lieferungen ausgleichen. Denn ab 19. April werden Praxen für eine Woche statt der bundesweit zugesagten eine Million nur 463 000 Biontech-Dosen erhalten. Der Rest wird mit dem Astrazeneca-Vakzin aufgefüllt.

Corona-Politik in der Kritik: Hausärzte sollen ungeliebten Astrazeneca-Stoff verimpfen

„Wen impfe ich mit Biontech/Pfizer, wen mit Astrazeneca?“, fragt sich der Hausarzt aus dem Landkreis, der eigenen Angaben zufolge bisher fast ausschließlich Patienten im Alter von über 70 Jahren an die Reihe genommen hat. Er selbst sei von Astrazeneca nicht überzeugt. Dennoch müsse er das Vakzin aufziehen und an seine Patienten verimpfen. Die Hausärzte, so sein Vorwurf, würden missbraucht, um den ungeliebten Corona-Impfstoff an die Frau und an den Mann zu bringen.

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Corona-Kampf mit Astrazeneca: Ärztlicher Koordinator widerspricht dem Kollegen

Das sieht der Ebersberger Mediziner Marc Block, der in Zorneding eine Praxis hat und Koordinator der niedergelassenen Ärzte ist, ganz anders. Einen Gewissenskonflikt kann er nicht erkennen. In einem Appell an seine Facharzt- und Hausarztkollegen schreibt Block wörtlich: „Impfen Sie, was das Zeug hält. Impfen Sie alles an Impfstoffen und Impfdosen, was Sie bekommen können, impfen Sie den Stoff, den Sie bekommen.“ Astrazeneca sei ein „richtig guter Impfstoff“. Durch schlechte Informationspolitik sei viel Verunsicherung entstanden. „Ich verimpfe gerne Astrazeneca“, sagt Marc Block. Eine „schreckliche Gewissensentscheidung“, von der sein Kollege spricht, kann der Ebersberger nicht erkennen.

„Astrazeneca ist ein richtig guter Impfstoff“, sagt Marc Block, Ärztlicher Koordinator und Mitglied des Krisenstabs.

Das Landratsamt teilte unterdessen mit, dass knapp 24 987 Menschen im Landkreis eine Erstimpfung gegen eine Covid-19-Erkrankung erhalten hätten. 1575 Impfungen hätten Hausärzte vorgenommen. 7442 Geimpfte sind über 80 Jahre alt. Bereits zum zweiten Mal geimpft seien 9647 Landkreisbürger, 5916 von ihnen seien 80 Jahre und älter. Insgesamt habe der Landkreis jetzt eine Impfquote von 17,36 Prozent.

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