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Volle Zuschauerränge im Stadtrat: Anlieger in und um die Mühlenstraße fürchten um ihre Sicherheit, Wohnqualität und den Wert ihrer Häuser.

Flüchtlingsheim in der Grafinger Mühlenstraße

Die Angst überwiegt

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Grafing - An der Mühlenstraße in Grafing kippt massiver Anliegerprotest den Bau eines Flüchtlingsheimes, das ein Unternehmen der Bärenstadt errichten wollte. 

Das war eine faustdicke Überraschung: Der massive Bürgerprotest hat das geplante Asylbewerberheim in der Mühlenstraße in Grafing zu Fall gebracht. Der Bauantrag der Grundstücksverwaltung Rothmoser GmbH & Co. KG wurde in der jüngsten Bauausschusssitzung überraschend zurückgezogen. Hat das Signalwirkung für den ganzen Landkreis Ebersberg?

Während Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) in der Sitzung die Hoffnung hegte, dass der Antrag in „eingedampfter“ Form noch einmal auf den Tisch des Rathauses kommen sollte, meinte Martin Rothmoser am Mittwoch auf Anfrage der Ebersberger Zeitung: „Wir wurden aufs Äußerste bedrängt, diesen Antrag fallen zu lassen. Wir können nicht gegen den Willen der Bevölkerung bauen.“ Der Antrag sei „den Bach runter“.

Rothmoser ist Kraftwerksbetreiber und sagt: „Unser Geschäftsmodell ist es, Strom und Wärme zu verkaufen. Und dazu brauchen wir die Grafinger Bürger.“

Als das Bauvorhaben durch die Veröffentlichung in der EZ den Grafingern bekannt wurde, erhob sich schnell Protest in der Bevölkerung. Zuerst erschienen 20 Anwohner bei ihm selbst, so schildert Rothmoser die Situation, anschließend kam am Freitagabend eine Gruppe von 50 Anliegern ins Grafinger Rathaus, um bei Bürgermeisterin Obermayr zu intervenieren. Dem Vernehmen nach war der Ton bei beiden Treffen rau. „Wenn mir die die Scheiben einschmeißen, schicke ich Dir die Rechnung“, sei ihm angekündigt worden, schildert Rothmoser die Unterredung. „Ich konnte nicht mehr schlafen, das sind ja meine Nachbarn."

Obermayr versuchte in der Sitzung, die Gemüter durch Sachlichkeit zu beruhigen. „Wir sind vereidigte Stadträte und müssen uns an das Grundgesetz halten“, meinte sie eingangs der Diskussion.

Bauamtsleiter Josef Niedermaier legte dar, dass der Antragsteller, der seinen Bauantrag zurückgezogen hatte, rein rechtlich „einen Anspruch auf Genehmigung“ gehabt hätte. „Ich bin erfreut, dass wir noch einmal darüber nachdenken können“, sagte Ratsmitglied Max Graf von Rechberg (CSU). Die Stadt Grafing ist ein Beispiel, wie es in anderen Kommunen des Landkreises vielleicht demnächst auch laufen könnte. Der Bürgerprotest wird schärfer. Er äußerte sich in der Sitzung dergestalt, dass bei dem Tagesordnungpunkt zum Bau einer Flüchtlingsunterkunft am neuen Bauhofgelände auf dem Schammacher Feld eine erregte Mutter von zwei Kindern sich in der Diskussion nicht den Mund verbieten lassen wollte. Sie sprang auf meinte zu dem Bauvorhaben: „Ich sehe da drauf. Wenn meine Kinder verletzt werden, werde ich das nicht vergessen.“ Obermayr verwies die verärgerte Frau des Saales.

Der Zweckbau, der jetzt in aller Eile für etwa 200 Asylbewerber zwischen Aldi und Gärtnerei Köstler gebaut werden soll, schaut aus wie eine Kaserne. Der ursprüngliche Investor ist abgesprungen, die Stadt will in Eigenregie bauen. Dazu ist sie freilich fast genötigt. Das Angebot einer tragfähigen Alternative soll schließlich den Bau einer großen Flüchtlingsunterkunft im Gewerbegebiet in Schammach verhindern.

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